Oldtimer-Treffen in Stuttgart Emotionale Zeitreise durch die Automobilgeschichte

Begeisterte Oldtimer-Fans tauschen sich über ihre Fahrzeuge aus. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Ein Sahne-Tag für Fans von „Benzin-Gesprächen“ war am Sonntag der mit Oldtimern übersäte Hügel des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart.

Auf das Timing kommt es an – und auf die richtige Reihenfolge! So jedenfalls sieht es Stefan Dreher. Zunächst hatte der Stuttgarter Elektromeister seinen Volkswagen restauriert, einen VW 16, Baujahr 1967. Erst als er „mit dem Schrauben“ fertig war, hat er seine Frau geheiratet. Jetzt steht er da mit seinem „Hochzeitsauto“, streichelt mal kurz das ausgestorbene Deltagrün und stellt vergnügt fest: „Beides hat sich gut gehalten, das Auto und die Frau!“

 

Diese doppelte Zeitreise ist typisch für das sonntägliche Oldie-Treffen auf dem Museumshügel: Es ist eine Reise durch die Automobilgeschichte. Sobald die Fahrzeughalter aber auch nur ein bisschen ins Reden kommen, wird es auch schnell eine Zeitreise in deren Biografie. Auch bei Thomas aus Remshalden. Er pflegt hier „Jugenderinnerungen“, schaut sich Autos an, die er sich „als junger Kerl nicht leisten konnte“. Jetzt aber hat er selbst so einen angejahrten Audi 80 Quattro – und zeigt seinen Jungs, was sonst noch rumsteht an „alten Jugendträumen“.

E-Autos? Die braucht kein Mensch: Man hört nichts, man riecht nichts

Die Liebe zu „alten Autos mit schönen Formen und Charakter“ hat die Freundschaft von Bernd und Bernd, das sei „kein Witz“, weiter vertieft, und nun fachsimpeln die beiden Neckartenzlinger an einem Citroën Balduin herum, Baujahr 1953. Eigentlich sei es das Vorkriegsdesign, die Franzosen hätten eben „immer extravagante Ideen“ gehabt. Mit dem Vorderradantrieb aber „waren sie der Zeit voraus“. Und nicht vergessen: die „Suizid-Tür“! Die nennen sie so, weil die Tür den Anschlag hinten hat, was „das Aussteigen bei voller Fahrt erleichtert“ habe. Gelächter ringsum.

E-Autos? Auch da scheint „Bernd 2“ hier für viele zu sprechen: „Braucht kein Mensch! Sind emotionslos. Man hört nichts, man riecht nichts. Bei so einem alten Kärrele aber ist alles pure Mechanik, und das spürt man beim Fahren!“ Ja, man könne da durchaus von einem „erotischen Verhältnis“ sprechen. Beim Plymouth Belvedere von „Bernd 1“ sowieso, schon die kapitale Lufthutze auf der Haube kann Liebhabern den Atem rauben!

Die Benzin-Fahne wird zum Drogenrausch

Mit Verstand habe das alles eh nichts zu tun, räumt der Stuttgarter Innenarchitekt Jan Möhrke ein. „Ein solches Hobby ist Leidenschaft und Spinnerei.“ Spekulation auf Wertsteigerung als Motiv? „Alles Quatsch!“ Sein Mercedes SL Baujahr 1987, „einer der letzten aus der Reihe“, habe er für 12 000 Euro erstanden, jetzt sei er 70 000 wert: „Die Differenz habe ich da reingesteckt, obwohl ich viel selbst gemacht habe. Und dann muss man das Wägele auch noch in Schuss halten!“ Für ihn sei das hier ein „erweiterter Schraubertreff“, und Frank, der einen flotten Ralley-Kadett sein Eigen nennt, liebt hier die „Benzin-Gespräche“. Und die lockere Stimmung auf den Sommer-Klapp-Stühlen in der Coffee-Zone. Und wenn dann mal wieder eine Benzin-Fahne vorbeischwebt, sagt ein Mittfünfziger: „Drogen brauche ich heute keine mehr!“

Weitere Themen