Krimikolumne

Oliver Bottini: „Ein paar Tage Licht“ Entführung eines Managers

Deutsche Rüstungsgüter wie das Spähfahrzeug  Dingo  von Krauss-Maffei-Wegmannn sind  in aller Welt begehrt. Oliver Bottini erzählt von den Problemen bei Waffengeschäften. Foto: dpa
Deutsche Rüstungsgüter wie das Spähfahrzeug Dingo von Krauss-Maffei-Wegmannn sind in aller Welt begehrt. Oliver Bottini erzählt von den Problemen bei Waffengeschäften. Foto: dpa

Kauzige Mordfälle in Hinterschnarchen sind nicht der Fall von Oliver Bottini. Der deutsche Autor schreibt Thriller über geopolitische Ränkespiele. In seinem neuesten Roman stellt er die unübersichtliche Lage in Algerien und den deutschen Waffenhandel dar.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Algerien - Eigentlich war alles gut eingefädelt. Ein erfahrener Manager eines deutschen Waffenbauers sollte in Algerien ein Geschäft klarmachen, dass daheim schön weit unter dem politischen Radar bleiben sollte. Als genauso gut eingefädelt aber entpuppt sich die Kommandoaktion, bei der dieser diskrete Geschäftsmann entführt wird. Die deutsche Politik wird aufmerksam, in Berlin werden prompt für und wider das Rüstungsgeschäft Strippen gezogen. In Algerien verkünden die offiziellen Stellen, das Verbrechen gehe auf das Konto einer neuen islamistischen Splittergruppe.

In seinem Roman „Ein paar Tage Licht“ lässt Oliver Bottini den BKA-Mann Ralf Eley, der als machtloser Beobachter der Verhältnisse der deutschen Botschaft in Algier zugeordnet ist, an dieser Version der Ereignisse zweifeln. Eley setzt sich über seinen Befehl zur Tatenlosigkeit hinweg. Zwar haben alle Figuren ein durchweg kompliziertes Privatleben, aber Bottini schreibt nicht zum ersten mal einen wirklich politischen Roman. In „Ein paar Tage Licht“ geht es um Zustände und Systeme, um Historisches und Aktuelles, um Lügen und Verklärungen, um Ideologie und Wirklichkeit.

Details des Landes

Erfreulicherweise kommt Bottini nicht mit belehrenden Erklärungen und steifen Theorien daher. Er hat nämlich recherchiert, und die Landeskenntnisse schlagen sich nicht bloß in einem vierzigseitigen Glossar am Romanende nieder, sondern in atmosphärischen Details, die viele Szenen anreichern.

Und so finden der Waffendeal und die Entführung nicht auf einem Fetzen Kartenpapier statt, sondern in einem glaubhaften, komplexen Land. Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Militär und Islamisten haben nicht nur in allen Familien Opfer gefordert, sie haben für einen tiefe Unsicherheit gesorgt, wem man was glauben soll, in einem Land, in dem Mörder Massaker schon mal in der Kluft des Gegners begehen.

Wie man Probleme löst

Bottini macht aber auch klar, dass nicht nur diese jüngeren Konflikte Algerien prägen, sondern dass der Unabhängigkeitskrieg gegen die Franzosen noch immer stark in die Gegenwart hineinspielt. Und dann sind da ja noch die ausländischen Mächte. Wie charakterisiert Eley (wenn auch mit einem Konjunktiv zuviel, nicht alle kleinen Sprachschnitzer sind rauslektoriert) die deutsche Bürokratenhaltung? „Probleme, die nur gelöst werden konnten, indem man Regeln bräche, löste man, indem man sie anderen überließ, in diesem Fall den Algeriern.“

Oliver Bottini: „Ein paar Tage Licht“. Dumont Verlag, Köln 2014. 512 Seiten. 19,99 Euro. Auch als E-Book, 15,99 Euro.

Unsere Empfehlung für Sie