Olivier Duhamel Französischer Jurist gesteht sexuellen Missbrauch

Olivier Duhamel ist ein Politikwissenschaftler und Jurist aus Frankreich. (Archivbild) Foto: AFP/STEPHANE DE SAKUTIN
Olivier Duhamel ist ein Politikwissenschaftler und Jurist aus Frankreich. (Archivbild) Foto: AFP/STEPHANE DE SAKUTIN

Olivier Duhamel hat zugegeben, dass er seinen Stiefsohn als Minderjährigen sexuell missbraucht hat. Dennoch droht dem 71-Jährigen kein Strafverfahren, wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilt.

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Paris - Der bekannte französische Politikwissenschaftler und Jurist Olivier Duhamel hat zwar gestanden, seinen Stiefsohn als Minderjährigen sexuell missbraucht zu haben - strafrechtlich verantworten muss er sich dafür aber nicht. Die Justiz stellte das Ermittlungsverfahren gegen den 71-Jährigen wegen Verjährung ein, wie die Pariser Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Der Fall hatte in Frankreich Schockwellen verursacht und eine breite Debatte über Missbrauch und Inzest ausgelöst.

Duhamel war in der Affäre Anfang Januar von allen Ämtern zurückgetreten. Unter anderem gab er die Stiftungsleitung der Elite-Uni Sciences Po ab. Das Missbrauchsopfer ist ein Sohn des Ärzte-ohne-Grenzen-Gründers und früheren französischen Außenministers Bernard Kouchner, mit dessen Ex-Frau Duhamel liiert war.

Missbrauchsfälle erschüttern Frankreich

Ausgelöst wurde die Debatte durch ein Enthüllungsbuch der Kouchner-Tochter Camille, in der die Juristin ihrem Stiefvater Duhamel vorwarf, ihren Zwillingsbruder Ende der 1980er Jahre missbraucht zu haben. Die Autorin klagte zudem viele Pariser Intellektuelle an, diese und ähnliche Taten stillschweigend gebilligt zu haben.

Die Veröffentlichung löste zu Jahresbeginn ein gesellschaftliches Erdbeben in Frankreich aus. Der Rektor der Universität Sciences Po, Frédéric Mion, musste ebenfalls zurücktreten. Zahlreiche weitere Prominente gerieten durch Wortmeldungen mutmaßlicher Opfer unter Missbrauchsverdacht.

Seit einer Gesetzesänderung 2018 beträgt die Verjährungsfrist für solche Taten in Frankreich 30 statt zuvor 20 Jahre. Die Verlängerung gilt aber nicht rückwirkend für Fälle, die bei Inkrafttreten der Novelle bereits verjährt waren.




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