Olli Schulz in den Wagenhallen Melancholie und eine wilde Kissenschlacht

Der Liedermacher hat in Stuttgart ein aufmerksames Publikum. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski/Leif Piechowski

Olli Schulz hat am Sonntag in den ausverkauften Wagenhallen gespielt. Es war ein Abend mit melancholischen und heiteren Momenten und einem klaren, politischen Statement.

Das Publikum steht dicht gedrängt, als Olli Schulz die Bühne in den ausverkauften Wagenhallen betritt. Der Musiker trägt blaues Hemd und Jackett („In Stuttgart muss man ein Hemd tragen, ihr Schwaben achtet doch auf so etwas!“) und möchte, dass dazu Folgendes festgehalten wird: Optisch hat er überzeugen können. Aber zum Glück nicht nur das.

 

In den nächsten knapp zwei Stunden spielen er und seine vierköpfige Band sich durch die Diskografie der vergangenen Jahre. Von alten Klassikern wie „Dann schlägt dein Herz“ und „Spielerfrau“, bis zu Liedern aus seinem neuen Album „Vom Rand der Zeit“ wie etwa „Einfach so“ oder „Falsch erzählt“. Die Besucherinnen und Besucher hat er sofort auf seiner Seite, es wird getanzt, mitgesungen und gejubelt, vor allem als er sein Kinderlied „Kommissar Ärmchen“ auf der Bühne spielt. Und dazwischen, so muss es bei einem Olli-Schulz-Konzert sein, werden Geschichten erzählt. Es sind mal wahre und mal Räubergeschichten, das Publikum muss selbst entscheiden, welche es dem Liedermacher glauben will.

Der Musiker spielt persönliche Lieder, wenn ihm danach ist

Was wirklich auffällt im Laufe des Konzerts: nur sehr selten wird ein Handy nach oben gestreckt, um zu filmen oder zu fotografieren. Das fällt auch Olli Schulz auf, der sagt: „Ich fühle mich wie auf einem Konzert in den Neunzigern.“ Das mag unter anderem an der Altersstruktur an diesem Abend liegen. Als er fragt, wer noch wie er meterhohe CD-Regale Zuhause habe, gehen erstaunlich viele Hände nach oben. Es liegt aber auch daran, dass das Publikum dem Musiker einfach aufmerksam zuhört.

Die Aufmerksamkeit wird belohnt, indem Olli Schulz ganz persönliche Songs spielt, die er laut eigener Aussage nur dann spielt, wenn ihm danach ist. So zum Beispiel das Lied „Silvester“ vom neuen Album. Darin geht es um die Geburt seines Sohnes und gleichzeitig um Menschen, die nicht mehr da sind: „In meinem Kopf kommen alte Bilder von den Menschen, die mir fehlen / Ich wünschte, ihr wärt hier, ich hätte so viel zu erzählen“. Ein herzerwärmendes und melancholisches Lied, wie es sie viele auf dem neuen Album gibt.

Das Konzert ist voll von kleinen, besonderen Momenten. Etwa als Olli Schulz einen alten Klassenkameraden entdeckt, der vor 15 Jahren von Hamburg nach Stuttgart gezogen ist. „Wir fangen dich ein und nehmen dich mit nach Hamburg – es ist nie zu spät!“, sagt er und das Publikum johlt. Als eine Frau aus dem Saal auf die Bühne geholt wird, um mit ihm das Ina-Müller-Duett „Stadtfest in Bonn“ zu singen – und das sehr gut macht. Oder als er ein deutliches, politisches Statement abgibt: „Es ist ein großer Fehler die Afd zu wählen.“

Und dann endet dieser schöne Konzertabend wie alle dieser Tour: mit einer riesigen Kissenschlacht.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Olli Schulz Konzert Wagenhallen