Olympische Sommerspiele 2016 Rio de Janeiros verspieltes Erbe

Von Tobias Käufer 

Gut sechs Monate sind die Olympischen Sommerspiele 2016 her. Rio de Janeiro ächzt heute unter der Last des Großereignisses. Weil ein Kontrollsystem fehlte, leidet die Stadt nun unter den Folgen massiver Korruption. Aber nicht alles ist schlecht.

Vom olympischen Glanz ist in Rio de Janeiro nicht viel geblieben – das Maracana-Stadion zerfällt aufgrund eines Streits, wer die Kosten für die Schäden an der Arena  tragen soll.Vom olympischen Glanzist in Rio de Janeiro nicht viel geblieben – das Maracana-Stadion zerfällt aufgrund eines Streits, wer die Kosten für die Schäden an der Arena  tragen soll.Foto:AP Foto: AP
Vom olympischen Glanz ist in Rio de Janeiro nicht viel geblieben – das Maracana-Stadion zerfällt aufgrund eines Streits, wer die Kosten für die Schäden an der Arena tragen soll. Vom olympischen Glanzist in Rio de Janeiro nicht viel geblieben – das Maracana-Stadion zerfällt aufgrund eines Streits, wer die Kosten für die Schäden an der Arena tragen soll. Foto:AP

Rio de Janeiro - Grauer Boden statt sattgrünes Gras: Herausgerissene Sitzschalen und gestohlene Fernseher. Trostlose Bilder des Maracana-Stadions, der Kultarena in Rio de Janeiro, gingen vor ein paar Tagen um die Welt. Der Fußball-Tempel am Zuckerhut verfällt, war deren düstere Botschaft. Dort, wo vor ein paar Monaten noch bei den rauschenden Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele gejubelt wurde, stirbt eine Stadionlegende den langsamen Tod. Keine Zuschauer, kein Fußball, keine Einnahmen.

Doch die spektakulären Bilder sind nur die halbe Wahrheit. Denn schon am Mittwoch soll in dem Stadion, in dem Deutschland im Juli 2014 Weltmeister wurde, erstmals wieder eine rauschende Fußballparty steigen. Dann erwartet Rios Kultclub Flamengo, der die meisten Fans in der Olympiastadt und im Land stellt, den argentinischen Traditionsverein San Lorenzo zum ersten Spieltag der südamerikanischen Champions League, der Copa Libertadores. Weniger zuversichtlich ist Flamengo-Präsident Eduardo Bandeira de Mello was das Lokalderby gegen Fluminense drei Tage zuvor angeht: „Es ist besser, keine Hoffnungen zu schüren, die man nicht erfüllen kann. Im Moment arbeiten wir hart daran, dass es mit Mittwoch klappt.“

Seriosität des Managements entscheidend

Nach Lage der Dinge wird der Klassiker im Stadion Engenhão ausgetragen, Schauplatz der olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe und künftig Heimstätte des Erstligaclubs Botafogo. Der hatte nach den Spielen rund 220 000 Euro in neue Sitzschalen investiert, allesamt in den Clubfarben. Die Fans konnten sich ihre Namen eingravieren lassen. Die Aktion deckte die Hälfte der Kosten, weil 8000 Fans mitmachten. Das Beispiel zeigt: die kostendeckende Nutzung hängt vor allem von der Seriosität des Managements ab.

Die Flamengo-Partie am Mittwoch wird somit das erste Spiel im neuen Jahr im altehrwürdigen Rund. Das liegt allerdings nicht nur an den Sachbeschädigungen im Stadion, sondern auch am brasilianischen Fußballkalender. Vandalismus gab es in Rio de Janeiro auch schon vor WM und Olympia. Dies den großen Sportverbänden anzulasten, ist schlichtweg unfair. Obendrein ruht zurzeit die nationale brasilianische Meisterschaft. Gespielt wird augenblicklich nur in der vergleichsweise kleinen Bundesstaatsmeisterschaft.

Sergio Cabral soll 60 Millionen Euro Schmiergeld kassiert haben

Mit rund sechs Millionen Euro sind die Kosten für die Instandsetzungsarbeiten angesichts der knappen Kassen allerdings happig, sie gefährden aber nicht den Fortbestand des Stadions. Wie das Maracana nach der Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen weiterbestehen wird, hängt vor allem vom lokalen Management ab. Schuld am optischen Maracana-Desaster trägt vor allem der brasilianische Bauherr Odebrecht, der in einen gigantischen Korruptionsskandal rund um die Bauarbeiten bei WM und Olympia verwickelt ist.

Rund 350 Millionen Euro zahlte das Unternehmen dem Vernehmen nach an brasilianische Politiker und Behördenvertreter, um lukrative Aufträge rund um WM und Olympia zu bekommen. Allein der Ex-Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Sergio Cabral, soll während seiner Amtszeit (2007 bis 2014) rund 60 Millionen Euro an Schmiergeldern kassiert haben. Weil die Staatsanwaltschaft neue Odebrecht-Skandale am laufenden Band aufdeckt, implodiert das Bauimperium – und die kriminellen Machenschaften der skrupellosen Manager belasten auch die nacholympische Übergabe des Stadions an neue Betreiber. Zwischen Odebrecht und dem Olympia-Organisationskomitee ist zudem ein Streit entbrannt, wer für die Kosten für die Schäden der aufwendigen Dachkonstruktion aufkommen soll, die durch die spektakulären Feuerwerke während der Olympia-Feierlichkeiten entstanden sind.