Olympische Spiele 2020 Warum es in Tokio ein Refugee-Team gibt

Das Refugee Olympic Team ist auch bei den Olympischen Spielen in Tokio am Start. Diesmal mit 29 Athleten aus zwölf Disziplinen. Foto: WITTERS/JohannaLundberg
Das Refugee Olympic Team ist auch bei den Olympischen Spielen in Tokio am Start. Diesmal mit 29 Athleten aus zwölf Disziplinen. Foto: WITTERS/JohannaLundberg

Zum zweiten Mal in der Geschichte tritt bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio ein 29-köpfiges Team von Geflüchteten an. Wir erklären, was es genau mit dieser bunten Sportlerauswahl auf sich hat.

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Stuttgart/Tokio -

Die Olympischen Spiele sind weltweit die größte sportliche Bühne für Athletinnen und Athleten. Für 29 Athleten ist die Teilnahme in Tokio aber wohl noch bedeutender, immerhin bringen sie eine ganz besondere Lebensgeschichte mit in die japanische Hauptstadt. Vor wenigen Jahren noch waren sie auf der Flucht vor Krieg, Hunger, Vertreibung, Unterdrückung oder Terror. Heute dürfen sie sich unter der berühmten olympischen Flagge mit den fünf Ringen mit den Besten der Besten messen, als Mitglieder des Refugee Olympic Team (EOR, französisch: Equipe Olympique des Réfugiés), einem speziellen Team aus Geflüchteten, das 2016 bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro zum ersten Mal aufgestellt wurde.

Mehr als 80 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Aus diesem Grund entschied das Internationale Olympische Komitee IOC im Jahr 2015, eine Auswahl an geflüchteten Menschen zu schaffen, die weder für ihre Aufnahme- noch ihre Heimatländer antreten können und offiziell den Status eines Flüchtlings haben. Mit dem olympischen Team besteht für Athleten mit Fluchthintergrund aber die Chance, unter olympischer Flagge teilzunehmen. Vor fünf Jahren nominierte das IOC unter Führung seiner Exekutive zehn Sportler für Rio: Zwei Judoka, sechs Leichtathleten und zwei Schwimmer.

29 Athleten aus zwölf olympischen Disziplinen

29 Sportler aus den zwölf Disziplinen Schwimmen, Leichtathletik, Badminton, Boxen, Kanu, Radsport, Judo, Karate, Luftgewehrschießen, Taekwondo, Gewichtheben und Ringen bilden das Refugee Team in Tokio. Unter ihnen auch die in Deutschland bekannte Schwimmerin Yusra Mardini. Die 23-jährige Wahl-Hamburgerin war 2015 unter dramatischen Bedingungen aus Syrien nach Deutschland geflohen. Bei Olympia 2020 trug sie bei der Eröffnungsfeier am vergangenen Freitag nun die olympische Flagge ins Stadion. Schon in Rio trat Mardini für das EOR an. Dieses Mal kämpft Mardini im 100-Meter-Schmetterlings- und Freistilschwimmen um Medaillen. Eine Medaille gewonnen (Bronze) hat vor fünf Jahren bereits die iranischstämmige Taekwondo-Athletin Kamia Alizadeh, die aus Iran ebenfalls nach Deutschland kam.

Zusammen mit 27 weiteren Athleten aus Afghanistan, Kamerun, Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Eritrea, Irak, Südsudan, Sudan, Syrien und Venezuela ringen Mardini und Alizadeh für das EOR um olympisches Edelmetall. Sie alle wurden vom IOC aus einem Kreis von 55 Sportlerinnen und Sportler ausgewählt. Bei den Paralympischen Spielen im Anschluss an das olympische Turnier tritt ebenfalls ein Refugee Team an – zum ersten Mal in der Geschichte.

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