Online-Projekt #Yolocaust Selfies mit ermordeten Juden

Von Lisa Wazulin 

Immer wieder veröffentlichen Touristen Selfies von sich am Holocaust-Mahnmal in Berlin. Der jüdische Satiriker Shahak Shapira hat diese Bilder nun in Originalaufnahmen aus Konzentrationslagern montiert.

Jonglieren, posen oder einfach herumalbern – die Selfies der Touristen hat Shahak Shapira für sein Online-Projekt umgearbeitet. Aus fröhlichen Selfies entstehen so verstörende Bilder, wie das rechts unten. Foto: yolocaust.de/Shahak Shapira/ Screenshot
Jonglieren, posen oder einfach herumalbern – die Selfies der Touristen hat Shahak Shapira für sein Online-Projekt umgearbeitet. Aus fröhlichen Selfies entstehen so verstörende Bilder, wie das rechts unten. Foto: yolocaust.de/Shahak Shapira/ Screenshot

Berlin - 10.000 Menschen besuchen es täglich – das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Als Denkmal für die ermordeten Juden Europas soll es stumm an die Toten erinnern. Doch nicht alle Besucher verhalten sich dem Anlass angemessen. Viele springen, skaten, radeln oder posen mit breitem Lächeln auf den 2711 Betonstelen und halten ihren Ausflug mit Selfies für das Internet fest.

Posen auf dem Mahnmal

Genau diese Fotos hat sich der israelische Satiriker Shahak Shapira herausgepickt und so manipuliert, dass den Protagonisten wohl jeglicher Spaß an ihrer Poserei vergehen sollte: Während sie sich mal akrobatisch und mal betont lässig geben, stehen sie in Shapiras Bildmontagen neben KZ-Häftlingen und Leichen. Es sind Montagen, die der Künstler aus historischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Vernichtungslagern der Nationalsozialisten und den Touristen-Selfies am Holocaust-Mahnmal in Berlin erstellt hat.

Zu sehen sind sie auf der Seite www.yolocaust.de, auf der Shapira die manipulierten Selfies zunächst als ganz normale, in sozialen Netzwerken gepostete Schnappschüsse anzeigen lässt. Erst wenn man mit der Maus darüber fährt, erscheint Shapiras verstörende Bildmontage.

Der deutscheste Jude der Welt

Entdeckt hat der 28-jährige Jude, der in Tel Aviv geboren ist und seit fast 15 Jahren in Deutschland lebt, die am Mahnmal aufgenommenen Selfies auf Facebook, Instagram, Tinder und Grinder. Denn der Begriff „Yolocaust“ ist nicht neu, auf Instagram und Twitter gibt es unter diesem Hashtag bereits zahlreiche andere Beiträge. Mit seinem Projekt Yolocaust will Shapira die Erinnerungskultur an den Massenmord der Nazis hinterfragen.

Shapira selbst lebt und arbeitet als Art Director in Berlin-Neukölln. In seinem Buch „Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!“, schreibt der gebürtige Israeli mit viel Witz und Ironie über seine Jugend als Jude im tiefesten Sachsen-Anhalt und wie er der „deutscheste Jude der Welt“ wurde. Für Aufruhr sorgte Shapira bereits 2015, nachdem er in der Berliner U-Bahn von einer Horde verprügelt wurde, weil er deren antisemitische Parolen gefilmt hatte.