Online-Währung Bitcoins Bitcoins sind nichts für schwache Nerven

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Bitcoins, virtuelle Münzen, sind nach einem Kurshoch zuletzt abgestürzt. Es wird gestritten: Ist das ein neuer Goldstandard oder lediglich ein Spekulationsobjekt?

Diese Bitcoins, eigentlich virtuelle Münzen,  funktionieren wie Gutscheine. Foto: landov
Diese Bitcoins, eigentlich virtuelle Münzen, funktionieren wie Gutscheine. Foto: landov

Stuttgart - Schon wieder ist eine Illusion geplatzt. Wer auf der Suche nach einer sicheren Geldanlage auf die Online-Währung Bitcoins gesetzt hat, erlitt in den vergangenen Tagen eine herbe Enttäuschung: Nach einem rasanten Anstieg im Gefolge der Zypernkrise ist der Kurs der virtuellen Münzen um mehr als die Hälfte eingebrochen. Nachdem auf der wichtigsten Handelsplattform Mount Gox noch vergangene Woche Spitzenpreise von bis zu 266 Dollar (203 Euro) pro Bitcoin erzielt worden waren, notierte das elektronische Geld zuletzt bei weniger als 100 Dollar.

Prominente Opfer des Kurseinbruchs in der vergangenen Woche wurden die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss, ehemalige Geschäftspartner und spätere Kontrahenten von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Die Winklevoss-Brüder haben mit Hilfe von Facebook-Aktien Hunderte Millionen Dollar verdient; einen Teil davon investierten sie in Bitcoins. Laut „New York Times“ waren die virtuellen Münzen der Zwillinge unmittelbar nach dem Kurssturz noch elf Millionen Dollar wert – mindestens die gleiche Summe dürften sie also verloren haben. Cameron Winklevoss reagierte gelassen: „Virtuelle Währungen sind gekommen, um zu bleiben. Wir befinden uns noch in einer frühen Phase“, zitierte ihn die „Times“. Für die Zwillinge ist das Bitcoin-Engagement unter dem Strich noch immer ein gutes Geschäft. Denn sie investierten bereits im vergangenen Sommer in das Projekt, als die Online-Währung noch bei rund 20 Dollar notierte und jenseits des Kreises der Computerfreaks kaum Interesse fand.

Ein „neuer Goldstandard“ ist geboren

Das erst 2009 ins Leben gerufene Zahlungsmittel wird von seinen Fans als Chance für ein von politischen Einflüssen und der Kreditwirtschaft unabhängiges Währungssystem gepriesen. Der Name Bitcoin setzt sich aus dem Begriff Bit für die kleinste elektronische Speichereinheit und dem englischen Wort Coin für Münze zusammen. Diese Bezeichnung verrät: die virtuellen Münzen bestehen aus Zahlencodes, die auf Computern gespeichert sind beziehungsweise beim Bezahlen zwischen zwei Rechnern transferiert werden. Diese Codes entstehen durch die Lösung komplexer ­Rechenaufgaben durch ein Netzwerk aus Computern interessierter Teilnehmer. Dafür ist eine hohe Rechenleistung erforderlich. Obendrein halbiert sich alle vier Jahre die Zahl der Bitcoins, die einem Nutzer für die Lösung einer Aufgabe gutgeschrieben werden. Dadurch können maximal 21 Millionen virtuelle Münzen erzeugt werden.

Der Erfinder des Bitcoin-Konzepts, ein Entwickler mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto, habe damit praktisch einen „neuen Goldstandard“ geschaffen, schrieb Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman Ende 2011. Denn so wie früher die großen Währungen durch Goldreserven gedeckt waren, sind auch Bitcoins endlich.