„Hell is gone and heaven’s here“ ertönt aus den Lautsprechern. Sofort strömen die Zuhörer unter den Vordächern der umliegenden Häuser hervor, wippen mit dem Kopf, singen laut mit. Der Marktplatz vor der Bühne füllt sich schnell, der Regen hat gerade nachgelassen. Kinder hüpfen im Takt in Pfützen, junge Paare tanzen genauso vor sich hin wie ältere Menschen.
Frontmann Daniel Renner imitiert Robbie Williams auf der Bühne
Mit dem erprobten Konzert-Starter „Let me entertain you“ legt die Robbie Williams-Tribute-Band „Feel“ an diesem Mittwoch auf dem Sindelfinger Marktplatz los. Es ist das erste von fünf Open-Air-Konzerten, die im August im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sindelfingen rockt“ stattfinden. Die Bands zollen Künstlern Tribut, indem sie nicht nur ihre Songs zum Besten geben, sondern sie zum Teil auch nachspielen.
So steht auch der italienische Frontmann Daniel Renner an diesem Abend in ganzer Robbie Williams-Manier auf der Bühne: Mit dem Mikrofon-Stab in der Hand tanzt er durch die Gegend, fordert das Publikum zu Rufen auf, die Robbie Williams selbst bereits bei großen Konzerten vorgemacht hat: „When I say Alcohol, I want you to say: ‚Yes’!“ Die Zuschauer machen mit.
Nasse Schuhe, kalte Strümpfe
Sie sind an diesem Mittwoch zäh. Immer wieder regnet es, zwischendurch schüttet es geradezu aus Eimern. Entsprechend spurtet das Publikum wieder und wieder zwischen Vordächern und Marktplatz hin und her, Schirme gehen auf, Ponchos werden übergeworfen. Schnell sind die Schuhe nass, kalte Strümpfe kleben an den Füßen.
In einen Hausdurchgang haben sich auch Misogh Khosronejat und Rashad Elmasry geflüchtet. Rashad hat von dem Konzert gehört und seinen Arbeitskollegen mitgebracht. Die Regenjacken liegen im Auto – da waren sie wohl zu optimistisch. Misogh Khosronejat kannte Robbie Williams vorher noch gar nicht. „Aber Live-Musik ist immer gut“, sagt er. Sein Kollege Rashad Elmasry findet den Musikstil dieses Abends gut. Er werde aber auch in den nächsten Wochen wiederkommen, wenn zum Teil ganz andere Musikrichtungen zum Besten gegeben werden. Heavy Metal zum Beispiel am nächsten Mittwoch, wenn die Tribute-Band Iron Maidnem Songs von, man ahnt es, Iron Maiden spielt.
Eine junge Zuschauerin als Verstärkung
Nach der Hälfte des Konzerts entscheidet sich das Wetter dann endgültig dazu, mitzuspielen. Den Regenbogen hinter dem Marktplatz möchte auch der Sänger mit einem Selfie inklusive Publikum festhalten. Immer wieder macht er zwischen den Songs kleine Ansprachen, fragt die Zuschauer nach ihrer Stimmung. Die ist gut, belebt auch von der bunten Auswahl der Songs. Klassiker wie „Supreme“ und „Millennium“ performt die Band genauso wie neuere Lieder wie „Candy“. Bei „She’s the one“ holt sich der Sänger eine junge Zuschauerin auf die Bühne, die mit ihm gemeinsam das Publikum zum Mitsingen animiert.
Drei Konzertbesucherinnen schauen sich das Konzert von weit vorne an, trotzdem stehen sie sicherheitshalber unter einem Vordach. „Ich bin wegen Robbie Williams gekommen“, sagt eine von ihnen. Sie seien letztes Jahr da gewesen und haben die Veranstaltung nett gefunden. „Da haben sie noch herumposaunt, dass es noch nie geregnet hat“, erzählt ihre Begleiterin. Das habe jetzt ja kommen müssen. Mit dem Konzert seien sie trotzdem zufrieden. Etwas Deutsches zum Mitsingen wäre im Programm dieses Jahr noch nett gewesen. Letztes Jahr war eines der Konzerte beispielsweise Udo Jürgens gewidmet gewesen. Trotzdem werden sie auch in den nächsten Wochen wiederkommen.
„Wichtig ist, dass alle Spaß haben“
Zufrieden mit dem Konzert ist auch der Veranstalter Uwe Hanselmann. „Erstaunlich, wie viele Leute trotz des Regens geblieben sind.“ Voll ist der Marktplatz an diesem Abend nicht, er schätzt das Publikum auf ungefähr 1000 Personen. „Wichtig ist, dass alle Spaß haben“, sagt er. Er rechnet nach. Schon seit acht Jahren mache er die Veranstaltung hier. „Schon verrückt“, sagt er dann und lacht. In der Zeit habe sich das ein oder andere getan: „Das Publikum ist deutlich jünger geworden“, stellt er zum Beispiel fest.
Den fulminanten Abschluss muss bei einem Robbie Williams-Tributkonzert natürlich „Angels“ bilden. Das fordert auch das Publikum lautstark als letzten Song. Laut grölt die Meute mit, Hunderte zücken ihre Handys, sogar aus den anliegenden Häusern winken Handylichter heraus. Um Punkt 22 Uhr endet das Konzert – und Sänger Daniel Renner „garantiert, dass wir nächstes Jahr vielleicht wiederkommen“.