„Ich hab gestapelt, hab verhandelt, hab gebettelt und gedealt, an der Börse, unter Tage, Enkeltrick und Pokerspiel“ – hat alles nichts gebracht, so der Text weiter, und so drucken wir uns jetzt lieber selbst das Geld! So lauten die ersten Zeilen des zuletzt veröffentlichten Deichkind-Stücks „Drucker“ (featuring Drunken Masters), das auf dem aktuellen Album „Neues vom Dauerzustand“ zu hören ist. Die Hamburger Elektropunk-Formation um Sänger und MC Philipp Grütering, Henning Besser alias DJ Phono und Sebastian „Porky“ Dürre lässt sich auch mit ihrem achten Studioalbum einmal mehr nicht lumpen, was eine klug-gesellschaftskritische Texterei angeht, die mit jede Menge Spaß und Sarkasmus gespickt ist.
Mal zu siebt, zu sechst oder auch zu zehnt stehen sie dann auf der Bühne und folgen dem Rhythmus ihrer harten Bässe mit Hip-Hop Sound in roboterartiger Manier. Die Farben auf der Bühne sind pastellig, wie auch die Outfits, und die tretraederförmigen meterhohen Obelisken kreisen von links nach rechts und wieder zurück. Leuchtstäbe, Konfettiregen oder Nebelschwaden, alles dabei.
Ein großes Fest ist auch Bonny Tylers „Total Eclipse oft the Heart“ als Einspieler zu Konzertbeginn. Später folgt noch „The Power of Love“ von Frankie Goes to Hollywood, mit Deichkind zusammen gesungen. Referenzen ohne Ende. Die Band befasst sich in ihren Songs viel mit gesellschaftlicher Ungleichheit und menschlichen Absurditäten im Stil von Dada. Da fragt man sich, was diese Tetraeder auf den Köpfen der Band, die auch der ein oder andere Fan begeistert trägt, bedeuten, und stellt fest, da steckt ganz viel Kunst und Freude drin.
Als sie zu dem Song „Auch im Bentley wird geweint“, den sie zusammen mit Clueso herausgebracht haben, auf einer riesigen roten Chanel-Handtasche über die Bühne reiten, sind Jubel und Ovationen groß. Auch der gewaltige Rucksack zu dem Song „Richtig gutes Zeug“, der an Steampunk erinnert, macht Eindruck.
Das Schlauchboot gibt es als Zugabe
Ab der Hälfte des gut zweistündigen Abriss-Konzerts geben Deichkind noch mal so richtig Gas. Da wird auf dem Feld eigentlich nur noch gesprungen. Im Repertoire haben sie auch „Bon Voyage“ oder „In der Natur“. Und natürlich: Als Zugabe kommt es, das Schlauchboot, mit dem sie durchs Fanmeer treiben zu „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“.
Eine krachende Show und ein Spektakel, das seines Gleichen sucht. Und beim Blick über den Neckar, wo immer noch der grüne Laserstrahl der Firma Trumpf zu sehen ist, fragt man sich, ob Deichkind vielleicht irgendwo daher gebeamt wurden, um uns diesen Abend zu bescheren, definitiv „Leider geil“.