Herz der Staatstheater Stuttgart: Opernhaus Foto: dpa/Bernd Weißbrod
Die Projektgesellschaft für die Sanierung und Erweiterung der Staatstheater Stuttgart hat einen Chef – Christoph Niethammer. Das heißt aber nicht, dass sich Stadt und Land nun wegducken können.
Nikolai B. Forstbauer
06.07.2023 - 00:11 Uhr
Es ist eine Herkulesaufgabe. Christoph Niethammer, zum 15. September berufener Geschäftsführer der Projektgesellschaft Württembergische Staatstheater, hat die Verantwortung für die Realisierung des Opernhaus-Interims bei den Wagenhallen, die Erweiterung der Kulissenwerkstätten an der Zuckerfabrik sowie für die Generalsanierung und bauliche Neuordnung des Littmann-Baus am Oberen Schlossgarten und die Erweiterung des Staatstheater-Areals am Stammsitz. Der Architekt und erfahrene Projektleiter soll es richten.
Die gute Nachricht: Das „Jahrhundertprojekt“ (Ministerpräsident Kretschmann) nimmt weiter Fahrt auf. Was indes nicht mehr heißt, als dass die Planungen vorangetrieben werden. Die bequeme Nachricht: Land und Stadt nehmen sich viel Verantwortungsgewicht von den Schultern. Läuft es nicht, wird man in erster Linie auf die Projektgesellschaft schauen – und also auf Niethammer. Genau dies aber darf nicht passieren. Noch weniger dürfen die Staatstheater-Verantwortlichen und Mitarbeitenden als eigentliche Experten in Frage gestellt werden.
Christoph Niethammer lenkt als Geschäftsführer der Projektgesellschaft die Sanierung Foto: pr
Auf die Nagelprobe muss man nicht lange warten – der Umfang städtebaulicher und architektonischer Wettbewerbsverfahren für die bauliche Neuordnung des Staatstheater-Areals entscheidet nicht nur über das künftige Erscheinungsbild der Staatstheater als Forum der Stadtgesellschaft wie als möglicher architektonischer Leuchtturm. Er entscheidet über ein zentrales Scharnier der Metropole und ist nicht von einer Neuordnung der Stadtautobahn B14 zu trennen.
Das Projekt hat nun sein Gesicht
Kurz: Christoph Niethammer entlässt als Geschäftsführer der Projektgesellschaft Württembergische Staatstheater die Politik in Stadt und Land nicht aus ihrer Verantwortung und braucht zugleich Beinfreiheit. Kein leichter Spagat für alle Beteiligten. Und doch kann genau dieser Spagat der ersehnte Rückenwind für die Sanierung des Opernhauses und die Erweiterung des Staatstheater-Areals sein. Das Projekt hat nun sein Gesicht. Was fehlt, ist eine Projektidentität. Diese aber ist notwendig, wenn der nationale und internationale Rang der Staatstheater Stuttgart auf der langen Projektstrecke nicht Schaden nehmen soll.