Bei ihrem Liederabend im Opernhaus Stuttgart hat Christiane Iven Werke von Wagner und Messiaen gesungen. Es wurde ein großer Erfolg für die künftige Isolde.

Stuttgart - Im vierten Liedkonzert der Saison an der Staatsoper trafen am Montagabend die Sopranistin Christiane Iven und der Pianist Stefan Schreiber aufeinander – unter dem Motto „Liebestode“. Die Veranstaltung gab sich damit als Vorspiel zur Neuinszenierung von Richard Wagners „Tristan und Isolde“ im Juli zu erkennen, in der Iven als Isolde debütieren wird.

Folgerichtig begann der Abend mit Wagners „Wesendonck-Liedern“. Iven legte den Zyklus ganz intim an, jeder Verführung zur opernhaften Geste widerstehend. Was hat man in den „Träumen“ nicht schon für Vibrato-Orgien gehört! Die Sängerin raunte die „Dilettanten-Gedichte“ (Wagner), den Ton zuweilen bis an die Hörschwelle gesenkt und Pausen zwischen Töne und Schlusskonsonanten einschiebend, wie magische Botschaften in den Raum. Sie beherrschte gleichermaßen sich, die Musik und die Zuhörerschaft. Man darf auf ihre Isolde gespannt sein. Bei deren Liebestod wird sie allerdings ganz anders zur Sache gehen müssen, schließlich kommt da einiges aus dem Orchestergraben.

Stefan Schreiber war der kongeniale Pianist

Die „Wesendonck-Lieder“ sind für den Pianisten recht undankbar. Ganz anders das Hauptstück des Abends, Olivier Messiaens Zyklus „Harawi“ (1945) auf eigene Gedichte, im Untertitel ein „Gesang von Liebe und Tod“. Hier durfte sich Stefan Schreiber sowohl im Duett mit der Sängerin als auch in ausgedehnten Vor-, Zwischen- und Nachspielen austoben und erwies sich als kongenialer, zeitweise gar übergeordneter Partner. Die Ingredienzien der Partitur sind für Messiaen typisch, wobei die Exotismen hier aus den Anden stammen. Wie in der verwandten „Turangalîla-Sinfonie“ fehlt aber ausnahmsweise der religiöse Bezug. Christiane Iven, die nur selten in die Noten schaute, irrlichterte souverän zwischen Schöngesang und Deklamieren, zwischen Schreien, Lallen und perkussiven Wirkungen. So möchte man den „Harawi“-Zyklus öfter hören.

Erheiterung des Publikums

Im Gegensatz zu manch anderem Avantgarde-Komponisten schreibt Messiaen nie wirklich gegen die Stimme. Nichtsdestoweniger wohnt auch „Harawi“ eine unfreiwillige Komik inne. Die häufigen Kaskaden von Nonsens-Silben (etwa „Doundou tchil“), als lautmalerische Wiedergabe von Vogelstimmen vermutlich ernst gemeint, trugen zur Erheiterung des Publikums bei, und am Ende der elften Nummer, „Katchikatchi les étoiles“, wo Girlanden des Klaviers einen im Blut rollenden Kopf darstellen, brach schallendes Gelächter aus. Es waren die vergleichsweise traditionellen, tonal verankerten Lieder, in denen der Ernst wieder einkehrte.

Christiane Iven schob den Mann am Klavier beim tosenden Schlussbeifall demonstrativ nach vorn. Und dieser bedeutete ihr, den Klavierdeckel zuzumachen: Eine Zugabe würde es nach diesem 55-minütigen Kraftakt nicht geben.

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