Ortsbelebung in Oeffingen Fellbach kauft Volksbank die Filiale ab
Mit dem neuen Filialkonzept hat die Volksbank am Württemberg auch in Oeffingen die Schalterstunden massiv reduziert. Jetzt will die Stadt mehr Service bieten.
Mit dem neuen Filialkonzept hat die Volksbank am Württemberg auch in Oeffingen die Schalterstunden massiv reduziert. Jetzt will die Stadt mehr Service bieten.
Bei der geplanten Einrichtung eines barrierearmen Bürgerbüros im Stadtteil Oeffingen will sich die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull nicht auf ein Mietverhältnis einlassen. Die als zentraler Baustein der Ortsbelebung geltende Filiale der Volksbank am Württemberg wird von der Stadt gekauft: 1,1 Millionen Euro, von einem Gutachter als angemessener Kaufpreis ermittelt, fließen an das Kreditinstitut.
Volksbank-Vorstand Volker Mengeringhausen nennt den überraschenden Grundstücksdeal eine „Win-win-Situation“. Und auch die Rathauschefin selbst bezeichnet den Immobilienkauf als „für beide Seiten gewinnbringende Lösung“. Hintergrund des Erwerbs sind Überlegungen, in dem gut 7000 Einwohner zählenden Teilort eine attraktive Anlaufstelle zu schaffen. Theoretisch wäre ein barrierefreies Bürgerbüro zwar auch im Alten Rathaus möglich, in dem auch die Stadtbibliothek untergebracht ist. Doch der Umbau der denkmalgeschützten und nur über eine Treppe zugänglichen Immobilie würde wohl einen Millionenbetrag kosten.
Eine konkrete Kostenschätzung gibt es laut der Rathauschefin für das immer wieder diskutierte Sanierungsprojekt zwar nicht. Mindestens ebenso wie der finanzielle Aufwand schreckt die Stadt aber die zeitlichen Dimensionen einer Umgestaltung. Kurz: Im Alten Rathaus wird es aus Sicht der Verwaltung schwierig mit der Barrierefreiheit. Schon deshalb kam bereits vor Jahren die Idee auf, bei der Belebung des Ortskerns gemeinsame Sache mit der Volksbank am Württemberg zu machen.
Das Kreditinstitut hatte 2018 sein neues Filialkonzept vorgelegt, das auch in Oeffingen massiv reduzierte Schalterstunden und Beratungsgespräche nur noch nach Terminvereinbarung vorsah. Neben dem Wunsch nach mehr Effizienz und einer verbesserten Kostenstruktur wurde der Schritt zum eingeschränkten Service mit dem veränderten Kundenverhalten begründet. Eine Finanz-App fürs Smartphone und der telefonische Kundendialog seien gerade jüngeren Menschen deutlich wichtiger als ein Ansprechpartner vor Ort.
Das bis auf den Geldautomaten und einen Kontoauszugsdrucker leer stehende Untergeschoss der Oeffinger Niederlassung ließ spätestens in der Coronakrise die Idee reifen, den Volksbank-Bau als Bürgertheke zu nutzen. Im Frühjahr nahm die Stadt außerdem die schlecht laufende Postagentur unter ihre Fittiche – ein weit über die Region hinaus für Interesse sorgendes Modell. Der Service wird laut Stadtteilbürgermeisterin Verena Bieg auch so gut angenommen, dass die Stadt die Postgeschäfte dauerhaft betreiben will.
Für die Stadt eröffnet sich mit dem Kauf der Volksbank-Filiale allerdings noch eine ganz andere Option. Weil am Stammsitz am Berliner Platz ab 2024 große Sanierungsarbeiten anstehen, mietet die Bank für mindestens zwei Jahre noch die obere Etage an. In absehbarer Zeit aber stehen die Büros leer – was der seit Jahren über den Platzmangel im Fellbacher Rathaus klagenden Stadtverwaltung die Chance bietet, ihr internes Raumproblem künftig in Oeffingen zu lösen.