Oskar-Beck-Kolumne Der Strippenzieher

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Viele kommen aus den ehrbarsten Berufen, waren also ursprünglich beispielsweise Gebrauchtwagenhändler, Sportjournalisten oder Nachtclubbesitzer wie Jorge Mendes. Der Strippenzieher von Ronaldo, Falcao, di Maria, Mourinho und Co. soll schon Transfers im Gesamtumfang von anderthalb Milliarden Euro abgewickelt haben. Auch Mino Raiola, in der Szene der „Pizzabäcker“, backt große Brötchen, er betreut Ibrahimovic, Balotelli, Mkhitaryan oder den Franzosen Paul Pogba, bei dessen 105-Millionen-Euro-Transfer von Juventus zu Manchester United er 49 Millionen kassiert haben soll. Angesichts solcher Ziffern drehen die Agenten das Schwungrad des Millionenkarussells verständlicherweise immer rasanter, jeder Wechsel verspricht Kies und Kohle.

Wechselspekulationen um Lewandowski machten die Runde

Sobald der verlängerte Arm eines Superstars öffentlich redet, rattert bei den Clubs die Alarmsirene, wie unlängst beim FC Bayern. Für alle völlig überraschend beschrieb Maik Barthel, der Berater von Robert Lewandowski, den inneren Zustand seines Starstürmers nach dem Verpassen der Bundesliga-Torjägerkanone als höchst unglücklich. „Wie mir Robert erzählt hat, gab es keine Unterstützung und keinen Appell des Trainers, Robert im letzten Spiel zu unterstützen, um Torschützenkönig zu werden“, wurde Barthel im „Kicker“ zitiert, „er war so was von enttäuscht, wie ich ihn noch nie erlebt habe.“ Sofort machten Wechselspekulationen die Runde. Erst als die Bayern der Konkurrenz für den Fall der unerlaubten Annäherung an ihren langfristig gebundenen Polen mit Fifa-Daumenschrauben drohten, kehrte wieder Ruhe ein, und Lewandowskis anderer Berater Cezary Kucharski drückte den Reset-Knopf: Der FC Bayern sei „der beste Verein für Robert“.

Ein zeitgemäßer Star hat inzwischen zwei Agenten: Der eine lässt die Pferde los – und der andere fängt sie notfalls mit dem Lasso wieder ein.

Berater sprechen oft mit den Zeitungen

Die Branche brummt, aber wenn das Geschäft überhitzt, droht Gewitter. Wie Blitz, Donner und Hagelschlag hat Bayerntrainer Carlo Ancelotti dieser Tage zurückgeschlagen, hören wir kurz rein: „Es ist nicht das erste Mal, dass Berater den Zeitungen etwas Falsches sagen. Es wäre gut, wenn sie mit mir oder dem Club sprechen würden.“

Oder vor Gericht. So argwöhnt der spanische Fiskus, dass ein paar der berühmtesten Mendes-Klienten gewisse Einnahmen über Briefkastenfirmen in Steueroasen laufen ließen. Und Mino Raiola hat mit einem Fifa-Disziplinarverfahren gegen Juventus zu tun, über Unregelmäßigkeiten beim Pogba-Transfer wird gemunkelt. Außerdem macht sein Rohdiamant Donnarumma plötzlich einen auf bockig und will doch in Mailand bleiben – bevor ihn die Fans statt mit Falschgeld mit toten Ratten bewerfen.

An der Stelle schließt sich der Kreis, und wir sind wieder bei Augustinsson. Der spielt künftig für Werder Bremen, seine Berater vom Büro Nsky haben den Transfer seriös abgewickelt. Und das ist gut so – denn einen Arschtritt des Schweden wünscht sich kein Agent, der gesehen hat, wie er die Ratten in Bröndby hinter die Eckfahne kickte.

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