Osterjazz im Theaterhaus Afrob rappt zum geschmeidigen Jazz

Von Bernd Haasis 

Der Pianist Roberto Di Gioia und seine Band Web Web haben beim Osterjazz Grenzen überschritten, geschmeidigen Jazz mit Weltmusik verbunden und mit den Stuttgart-Raps des Hiphoppers Afrob.

Seine Reime passen so gut zum Jazz, dass man sich ein entsprechendes Album gut vorstellen kann Foto: Label
Seine Reime passen so gut zum Jazz, dass man sich ein entsprechendes Album gut vorstellen kann Foto: Label

Stuttgart - Eingängig und komplex zugleich sind die Kompositionen der Combo Web Web um den Münchner Pianisten Roberto Di Gioia, geschmeidig schmiegt sich dieser lebendige, frische Jazz am Donnerstagabend im Theaterhaus in die Gehörgänge. Die Musiker – Tony Lakatos am Saxofon, Christian Kaphengst am Kontrabass, Peter Gall am Schlagzeug – bilden eine vor Energie strotzende Einheit und entfalten eine starke Dynamik. Wie ein Schlangenbeschwörer verzaubert Lakatos die Zuhörer mit verwunschenen Melodien und einer dramaturgisch perfekt eingesetzten Tongestaltung: Lyrisch lässt er sein Instrument singen, zwitschern, fiepen und tröten.

Der in Mailand geborene und in Pfaffenhofen aufgewachsene Di Gioia ist nicht nur am Piano ein starker Erzähler. Immer wieder streut er Geschichten ein über seine Zeit in den Bands von Till Brönner, Klaus Doldinger und Udo Lindenberg, doch die Anekdoten tragen: Beim Warten auf den Auftritt in der Abschiedsshow von Thomas Gottschalk bei „Wetten dass...?“ habe er das folgende Riff geschrieben, sagt er, und imitiert näselnd, wie Lindenberg darauf eingestiegen sei.

Brückenschläge zur Weltmusik und zum HipHop

Als ersten Gast bittet Di Gioia den Marokkaner Majid Bektas auf die Bühne, der mit den schwebenden Klängen seiner Basslaute und seinem hellen, wilden Gesang das Tor zur Weltmusik weit aufstößt; die Band geht wie selbstverständlich mit ihm hindurch. Nicht minder gut gelingt ihr kurz darauf der Brückenschlag zum Hiphop, in dem gerne Jazz-Samples verwendet werden – hier nun verjazzen Web Web sehr elegant Stücke des Rappers Afrob, der in den 90er Jahren ein Studio gleich neben dem jetzigen Festivalort hatte.

Johlend goutiert das Publikum die weite Reise durch sein Schaffen. In „Geschichten aus der Nachbarschaft“ von 1999 schildert der Rapper eritreischer Abstammung in einem geschmeidigen Wortfluss seine Beobachtungen in der Sozialsiedlung Pfaffenäcker in Weilimdorf, in „Ich bin Dieser“ von 2016 fordert er sanft, aber bestimmt zum Swing der Band: „Lass mich sein, wie ich bin“. Allerdings ist Robbe, wie er in der Stuttgarter Hiphop-Kolchose hieß und wie auch Di Gioia ihn nennt, wahnsinnig nervös. Vielleicht haben sie nicht genug geprobt – jedenfalls verliert Afrob seinen Heidenrespekt vor den Musikern bis zum Schluss nicht. Dabei funktioniert die Kombination so gut, dass man sich ein Album sehr gut vorstellen kann.

Zum Finale kommt dann noch ein Gast auf die Bühne: Der Ulmer Trompeter Joo Kraus bildet mit Lakatos einen Bläsersatz, der Funken schlägt, und spielt ein flammendes Solo. Die unausgesprochene Botschaft dieses Theaterhaus-Abends lautet: Wunderbares kann entstehen, wenn man sich für das Andere interessiert, anstatt es als fremd zu fürchten.