Ostfildern Für sieben Platanen sind die Tage gezählt

Die  Tage der Bäume an der Esslinger Straße in Nellingen sind gezählt. Foto: Horst Rudel
Die Tage der Bäume an der Esslinger Straße in Nellingen sind gezählt. Foto: Horst Rudel

Der Ostfilderner Gemeinderat hat beschlossen, im Stadtteil Nellingen sieben Platanen entlang der Esslinger Straße zu fällen. Damit hat sich das Gremium gegen einen Vorschlag der Verwaltung durchgesetzt, die Bäume lediglich zu kürzen.

Esslingen: Jürgen Veit (jüv)
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Ostfildern - In der Esslinger und der Denkendorfer Straße im Ostfilderner Stadtteil Nellingen röhren in den nächsten Wochen die Kettensägen. Denn seit der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ist es beschlossene Sache, dass dort sieben stattliche Platanen entlang der Durchgangsstraße gefällt und anschließend sechs neue Bäume gepflanzt werden. Damit hat sich im Gremium ein interfraktioneller Antrag der Freien Wähler, der CDU und der SPD gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung durchgesetzt, lediglich die Kronen der Bäume um 20 Prozent zu stutzen.

Ursprünglich hatten die drei Fraktionen gefordert, weitere zehn Bäume an der Hindenburgstraße in Nellingen ganz zu entfernen oder zumindest „auf den Stock zu setzen“. Doch hier folgten die Stadträte dem Ansinnen der Verwaltung, lediglich die Kronen um 50 Prozent zu kürzen. „Auf den Stock setzen“ bedeute nichts anderes, als die Bäume zu kappen, heißt es in der Verwaltungsvorlage, wodurch die Platanen nicht mehr als solche zu erkennen seien. Denn dabei handle es sich um eine unfachmäßige Baumpflegemaßnahme „ohne Rücksicht auf ein arttypisches Erscheinungsbild“, so die Kritik.

Der Bürgermeister ist von der Sicherheit der Bäume überzeugt

Die Verantwortlichen im Rathaus hatten sich entschieden gegen eine Fällung der sieben Bäume in der Esslinger Straße ausgesprochen, da diese zu einer „erheblichen städtebaulichen Abwertung des Straßenraums“ führe. Zudem könnten neu gepflanzte Bäume erst nach Jahrzehnten den Beitrag der gestandenen Platanen zur Verbesserung des Stadtklimas, zur Sauerstoffproduktion und als Feinstaubfilter leisten.

Im Gegensatz zu dem Baubürgermeister Michael Assenmacher ist eine Mehrzahl der Stadträte von der Standfestigkeit der alten Bäume offenbar nicht überzeugt. Drei der Platanen neigten sich bedrohlich zur Straße hin, erklärte Theo Hartmann, der Vorsitzende der Freien Wähler, stellvertretend für die drei Fraktionen. Dadurch bestehe eine Gefahr für den Verkehr und die Bevölkerung. Wären in Ostfildern im vergangenen Oktober so heftige Schneefälle wie in Garmisch-Partenkirchen niedergegangen, „hätte sich diese Diskussion von selbst erledigt, und es hätte womöglich Unfälle gegeben“, ist Hartmann überzeugt.

Sind Platanen neben verkehrsreichen Straßen sinnvoll?

Deshalb seien diese drei Platanen direkt über dem Boden abzusägen und die weiteren vier „aus städtebaulicher Sicht“ ebenfalls, da es „nicht gut aussehen“ würde, nur einzelne Bäume in einem ganzen Straßenzug zu fällen. Ein weiterer Vorteil der Fällaktion: Bei einer Neupflanzung könne nun eine Baumart gewählt werden, „die eine schöne gestalterische Begrünung ergibt und schwach wachsende Eigenschaften hat“, erklärte Hartmann und wies damit gleichzeitig auf die seiner Ansicht nach von Platanen ausgehenden Nachteile hin.

Eine Meinung, die Michael Assenmacher nicht teilt. Bei Platanen handle es sich um „Straßenbegleitbäume“, so der Bürgermeister in reinstem Verwaltungsfachjargon, die durchaus für Bereiche wie in Nellingen geeignet seien und in vielen Kommunen entlang stark befahrener Straßen gepflanzt würden. Denn sie seien der Vorlage zufolge sehr robust und klimafest und sie würden selbst an Standorten und unter Bedingungen gedeihen, die für viele andere Baumarten sehr problematisch seien.

Dennoch muss sich die Verwaltung nun dem Votum des Gemeinderats beugen und eine Firma mit der Beseitigung der Bäume beauftragen. Zudem drängt die Zeit. Um nicht in die Brutzeit der Vögel zu geraten, müssen die Platanen noch vor dem 28. Februar gefällt werden. Am besten am Wochenende, so Assenmacher, um die Verkehrsbeeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten: „Um eine Sperrung der Straße werden wir nicht herum kommen.“




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