Otto-Dürr-Straße in Zuffenhausen Porsche möchte die Otto-Dürr-Straße kaufen

Die Otto-Dürr-Straße führt vom Porscheplatz zwischen Museum und Porsche Zentrum Foto: Werner Kuhnle
Die Otto-Dürr-Straße führt vom Porscheplatz zwischen Museum und Porsche Zentrum Foto: Werner Kuhnle

Seit einigen Monaten ist die Otto-Dürr-Straße für den öffentlichen Autoverkehr gesperrt. Radfahrer und Fußgänger nutzen die Verbindung nach wie vor. Fragt sich nur, wie lange das noch geht: Der Sportwagenbauer möchte die Straße von der Stadt kaufen und für seine Zwecke nutzen.

Nordrundschau: Chris Lederer (cl)
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Zuffenhausen - Brauchen Sie es auf den Meter genau?“, fragt der Mitarbeiter im Stadtmessungsamt. „Zusammengenommen ist die Otto-Dürr-Straße rund 1030 Meter lang.“ An diesen rund 1030 Metern ist der Zuffenhäuser Sportwagenbauer interessiert. Die Straße beginnt am Porscheplatz vor dem Museum, verläuft vorbei an der Bahnlinie, an Firmengebäuden und Firmenparkplätzen und endet an der Nordseestraße vor den Toren von Neuwirtshaus. Täglich nutzen Schulkinder und andere Bewohner des Stadtteils die Route zur S-Bahn-Haltestelle und zurück. Für den öffentlichen Auto- und Lastwagenverkehr ist die Straße schon seit längerem durch eine Schranke gesperrt. Künftig droht auch den Fußgängern und Radfahrern ein Umweg, sofern die Stadt die Straße an Porsche verkauft und sie damit zur Privatstraße wird. Im diesem Falle müssten Neuwirtshäuser auf ihrem Weg zur S-Bahn die Schwieberdinger Straßen nutzen, eine rund 300 Meter längere Strecke. Vor einigen Tagen hatte Porsche wieder einmal Anwohner und interessierte Bürger ins firmeneigene Museum geladen, um die Gäste über die Zukunftspläne am Standort zu informieren. Stichwort „Mission E“, milliardenschwere Investitionen, umfangreiche Baumaßnahmen und hunderte neue Arbeitsplätze. Unter den rund 50 Gästen im Museum war auch der Heimatforscher Winfried Schweikart. „Mich hat interessiert, was aus der Otto-Dürr-Straße wird, wenn sie an Porsche verkauft wird“, sagt er. „Eine zufriedenstellende Antwort habe ich auf meine Frage hin nicht bekommen.“ Daraufhin habe er das Thema auch in der Zuffenhäuser Bezirksbeiratssitzung angesprochen, um die Stadt um Klärung gebeten. „Bislang gab es auch da noch keine Antwort“, bedauert Schweikart.

Porsche-Sprecher Lukas Kunze bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Sportwagenhersteller die Otto-Dürr-Straße kaufen möchte. „Wir stehen seit längerer Zeit in Verhandlungen mit der Stadt Stuttgart bezüglich eines Erwerbs der Straße“, sagt Kunze. Etwa im Mai vergangenen Jahres habe man die Straße für den öffentlichen Autoverkehr durch eine Schranke sperren lassen, damit die Bauarbeiten am Karosseriewerk und der damit verbundene Lastwagenverkehr reibungslos und sicher abgewickelt werden können. Ende 2018 sollen die Bauarbeiten fertig sein. Ob bis dahin auch die Verkaufsverhandlungen mit der Stadt abgeschlossen sind, ist derzeit offen.

Thomas Zügel, der Leiter des Amtes für Liegenschaften und Wohnen, bestätigt seinerseits, dass es zwar Verhandlungen mit Porsche gibt, dass der Verkauf der Otto-Dürr-Straße allerdings noch nicht vollzogen sei. Es ginge nicht nur um die Straße, sondern auch um andere Grundstücke.

Nur wenig erfährt man von Seiten Porsches über die Gründe für den gewünschten Kauf: „Im Zuge der Neustrukturierung des Unternehmens würde es uns helfen, wenn die Straße zum Firmengelände gehört“, äußert sich der Porsche-Sprecher knapp. „Wir sind generell an einer guten Infrastruktur für unsere Mitarbeiter und die Bürger interessiert.“ Dieses Interesse beziehe sich nicht nur auf Bereiche innerhalb des Firmengeländes, sondern gelte auch für umliegende Straßen. Man befinde sich auch in dieser Sache in Gesprächen mit der Stadt.

Dies bestätigt auch Stephan Oehler, stellvertretender Leiter des Amtes für Stadtplanung- und Stadterneuerung: „Die Firma Porsche hat das Interesse, die gesamte Otto-Dürr-Straße zu kaufen, einschließlich des dortigen Geh- und Radweges“, sagt Stephan Oehler. Man sei sich der daraus resultierenden möglichen Nachteile für Fußgänger und Radfahrer durchaus bewusst und darum auch nicht glücklich über das Ansinnen von Porsche. Dennoch wolle man sich der Entwicklung des Unternehmens nicht per se entgegenstellen, fordere aber im Gegenzug eines Verkaufes der besagten Straße, dass auf der dann erforderlichen Alternativroute über die Nordsee- und Schwieberdinger Straße bauliche Verbesserungen erfolgen. „Wir denken an deutlich breitere Wege für Fußgänger und Radfahrer, als sie heute vorhanden sind.“ Noch vor der Sommerpause soll das Thema auch im Bezirksbeirat Zuffenhausen diskutiert werden.




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