Aline John (Mitte) und ihre Mitarbeiterinnen Anna-Theresa Struck (links) und Nina Stein feierten 2022 das zehnjährige Bestehen von Tarte & Törtchen. Foto: Kriebernig
Die Pâtisserie Tarte & Törtchen im Stuttgarter Westen gibt es nur noch bis Ende März. Seit mehr als zehn Jahren wird dort süße Handwerkskunst verkauft. Warum Inhaberin Aline John aufgeben muss – und wie es mit dem Eckladen weitergehen könnte.
Im vergangenen Jahr hatte die Stuttgarter Pâtisserie Tarte & Törtchen noch ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Nun schließt das Geschäft von Inhaberin Aline John im Stuttgarter Westen zum Ende dieses Monats. „Wir verabschieden uns zum 26.03.2023“, steht dort auf einer Tafel geschrieben. Wer an dem Eckladen vorbeiläuft, kann die handgeschriebene Tafel lesen, auf der sich das Team von Tarte & Törtchen bei seinen Kunden, den „lieben Genussmenschen“, für die langjährige Treue bedankt. „Danke dafür, dass ihr verstanden habt, was uns immer angetrieben hat“, heißt es unter anderem.
Für das Team von Tarte & Törtchen war die Pâtisserie ein Ort, an dem „Leidenschaft, hochwertige Rohstoffe, Handwerkskunst, faire und nachhaltige Unternehmensstrukturen, ein familiäres Miteinander und Genuss an oberster Stelle“ standen. Mehr als zehn Jahre hatte Aline John mit feinen Produkten wie Eclairs, Macarons, Tartelettes und Quiches die Kunden in ihre Pâtisserie gelockt, in der zeitweise bis zu 16 Mitarbeiter beschäftigt waren.
Tarte & Törtchen verkündet seine Schließung. Foto: Köhler
Es ist ein Abschied auf Raten, ein Abschied der John schmerzt. Gleichzeitig ist sie aber stolz „auf das, was wir geschaffen haben“, wie sie sagt. Ende Januar musste die Stuttgarter Pâtisserie aus Kostengründen bereits ihren Cáfebetrieb schließen. Die Inhaberin hatte schon damals die gestiegenen Rohstoff-, Miet-, Energie- und Lohnkosten als Gründe genannt. Diese sind auch für die endgültige Schließung entscheidend, wie sie sagt. Hinzu komme, dass „wir in der Corona-Pandemie sehr viel Geld verloren haben“. Die finanziellen Rücklagen seien komplett aufgebraucht. Auch dass die Stadt „die Außengastro erst für ab Mai 2022 und damit sehr spät bewilligt habe“, sei ein Problem gewesen, erläutert John.
Berichte übers Tarte & Törtchen als Schaufenster-Deko. Foto: Köhler
Gleichzeitig habe man die deutlich gestiegenen Kosten nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben können. „Aus unseren Produkten wollte ich nie eine Luxusmarke machen“, so John. Abgesehen davon, dass man die Törtchenpreise auch nicht unbegrenzt erhöhen könne, wenn die Kunden selbst immer weniger Geld im Portemonnaie hätten. An der „Qualität der biologischen Zutaten und den hohen handwerklichen Standards zu sparen, ist nie eine Option gewesen“, betont die Inhaberin.
Nun beschäftigt sie sich mit der „Kunst des Aufgebens“, wie John es nennt. Dabei hegt die Unternehmerin auch Groll gegen die Politik. Der Ärger bezieht sich auf so manche Restriktion während der Corona-Pandemie, hat aber auch mit der nach ihrer Ansicht mangelnden Unterstützung für selbstständige Frauen zu tun. „Angestellte werden in der Zeit des Mutterschutzes finanziell unterstützt, Selbstständige haben keine Absicherung“, sagt John. Mit 25 hat sie Tarte & Törtchen gegründet, in den vergangenen etwa zehn Jahren hat sie zwei Kindern bekommen, heute ist John 36 Jahre alt.
„Wir haben wahnsinnig um unsere Pâtisserie gekämpft“, sagt sie und schaut aber bereits wieder nach vorne. „Das, was ich gelernt habe, nehme ich mit.“ Wohin, das werde sich noch zeigen, „ich stürze mich aber nicht nahtlos ins nächste große Projekt“.
Insolvenzverwalter sucht Investor
Zumal ihr aktuelles Projekt auch noch nicht abgeschlossen ist. Wegen der finanziellen Probleme musste die 36-Jährige Anfang Februar vorläufige Insolvenz anmelden. Insolvenzverwalter Axel Kulas versucht derzeit, einen Investor zu finden, der das Geschäft weiterführt – und am besten auch die Mitarbeiter übernimmt. Aktuell sind es zwölf überwiegend in Teilzeit Beschäftigte, von denen einige ab April bereits andere Jobs gefunden haben, wie Kulas von der Stuttgarter Kanzlei Kulas Rechtsanwälte und Insolvenzverwaltung sagt. Bis Ende März bekommen die Beschäftigten noch Insolvenzgeld. Einige Investoren hätten bereits Interesse gezeigt, aber für sich angesichts hoher Kosten keine langfristige Perspektive gesehen. „Wir haben noch einen ganzen Monat Zeit, vielleicht findet sich noch ein Investor für diese Perle“, sagt Kulas. „Die Mitarbeiter der Pâtisserie jedenfalls engagieren sich bis zum Schluss.“ Und das bedeutet: bis Sonntag, 26. März, 17 Uhr.