Paar aus dem Remstal Nach nur zwei Treffen zieht sie zu ihm

Gaby und Klaus Kötzle in ihrer Wohnung im Remstal. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Gaby und Klaus Kötzle lernen sich als junge Erwachsene am Strand in Spanien kennen. Durch ihre Unerschrockenheit vergeht kein Jahr, bis sie zu ihm nach Stuttgart zieht.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

Ihre Hündin Sina liegt auf ihrem Kissen und träumt, ihre Pfoten zucken immer wieder als würde sie im Traum der Nachbarskatze hinterherjagen. Klaus (77) und Gaby Kötzle (75) sitzen sich schräg gegenüber, die Sonne fällt durch das gläserne Wintergartendach. An den Wänden hängen Fotos von Kindern und Enkelkindern. Mit 19 Jahren unternimmt Gaby Kötzle mit einer Freundin den ersten Urlaub. Zwei Wochen Spanien, die Leben maßgeblich verändern werden.

 

Im Hotel lernen die zwei Frauen eine Alleinreisende kennen, die sich am Meer von ihrem Liebeskummer ablenken will. Zu dritt am Strand werden sie von drei Männern angesprochen, die im nah gelegenen Campingplatz zelten. Drei Frauen, drei Männer – die Rechnung geht auf. Ob sich Klaus Kötzle seine heutige Frau an diesem Tag ganz bewusst ausgesucht hat, daran erinnert sich der damals 21-Jährige nicht mehr. Doch die wendet ein: „Du hast gesagt, ich wäre dir direkt aufgefallen.“ „Ja wahrscheinlich dachte ich, dass du am besten zu mir passt“, erklärt Klaus Kötzle.

Er besucht sie an ihrem Geburtstag

Eine Woche verbringen sie zu sechst, sitzen am Strand oder am Kiosk um die Ecke. Den Kiosk gibt es nicht mehr, genauso wenig wie den Campingplatz. Vor sechzehn Jahren war das Ehepaar mit ihren beiden Kindern wieder dort, um zu zeigen, wo sie sich kennengelernt haben.

Nach einer Woche reisen die drei Männer ab, Gaby und Klaus Kötzle tauschen Adressen aus und fangen an, sich Briefe zu schreiben. Im September fährt er nach Nordrhein-Westfalen zu ihrem Geburtstag, an Silvester besucht sie ihn in Stuttgart. Aus dem Plan groß feiern zu gehen wird nichts, sie landen im Sportheim seines Fußballvereins. Gaby Kötzle trägt trotzdem ihr schickes Tanzkleid.

Gaby und Klaus Kötzle in jungen Jahren in Bozen. Foto: privat

Zwischen den Treffen telefonieren sie viel. „Damals noch mit dem Schnurtelefon!“, konkretisiert Klaus Kötzle die Erzählung seiner Frau. Drei Monate später zieht sie zu ihm nach Stuttgart. „Ich springe immer ins kalte Wasser und schaue dann was daraus wird“, erklärt Gaby Kötzle ihre Entscheidung. Er lebt noch bei seinen Eltern, sie bezieht in einem Mädchenheim ein spärliches Zimmer. Unter der Woche wird um 22 Uhr kontrolliert, ob die Bewohnerinnen zuhause sind, am Wochenende um Mitternacht.

Keine bösen Überraschungen

Um schlussendlich eine gemeinsame Wohnung zu bekommen, müssen sie heiraten. In einer Telefonzelle ruft er ihren Vater an, um sein Eingeständnis einzuholen. Später macht er ihr in seinem kleinen Zimmer einen Heiratsantrag - nicht auf den Knien, dafür ist er nicht der Typ, wie er selbst sagt. „Wir wussten ja, dass wir irgendwann heiraten und Kinder wollen“, sagt Klaus Kötzle.

Zwischen ihrer ersten Begegnung am Strand und ihrem Umzug nach Stuttgart liegt kein ganzes Jahr und trotzdem wussten beide, worauf sie sich einlassen. „Da gab es eigentlich keine großen Überraschungen. Auch nach der Hochzeit nicht. Oder wie war das bei dir?“ fragt Gaby Kötzle ihren Mann und sagt zugleich in einem scherzhaften Ton „Sag nichts anderes!“ – „Alles gesprochen“, sagt der lächelnd.

Man muss sich auch mal zusammenraufen

Heute leben die beiden im Remstal und genießen ihre Rente. Beide kegeln, er spielt Tennis, sie hat eine Walking-Gruppe. Ab und an gehen sie mit Freunden wandern. Immer mit dabei ist ihre Hündin Sina. Und das, obwohl Gaby Kötzle nie einen Hund wollte und lieber Katzen mag. Aber in einer Ehe muss man Kompromisse eingehen, sich auch mal „zusammenraufen“, wie sie sagen und nicht zu früh aufgeben.

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