Paketdienst zieht Pläne zurück Waldenbuch hofft vergeblich auf DHL-Zentrum

So hätte das DHL-Zentrum aussehen sollen – es bleibt bei den Plänen. Foto: Corporate Real Estate

Es kommt kein Zustellzentrum nach Waldenbuch. DHL zieht die Option zum Grundstückskauf im Gewerbegebiet Bonholz zurück. Die Stadt muss sich jetzt einen neuen Investor suchen.

Das hatte sich Waldenbuch anders vorgestellt: Eigentlich hatte die DHL angekündigt, ein neues Zustellzentrum im Gewerbegebiet Bonholz zu bauen. Daraus wird nun nichts. Die Post-Tochter zieht zurück aufgrund rückläufiger Umsatzzahlen. Die Folgen sind dramatisch für die klamme Kommune. Sie muss nun – eiligst, da mit den Einnahmen kalkuliert worden war – einen neuen Investor suchen.

 

Dabei sah im vergangenen Herbst alles recht rosig aus. In einem DHL-Zustellstützpunkt werden Briefe und Pakete sortiert, in die Fahrzeuge eingeladen und dann an die Empfänger zugestellt. In Waldenbuch hat die Post für diese sogenannte Last-Mile-Zustellung (also die letzten Meter bis zur Haustür) seit dem Jahr 1952 ein Gebäude im Stadtkern in der Stuttgarter Straße angemietet. Sowohl organisatorisch als auch gebäudetechnisch entspreche dieser Standort nicht mehr den Zielsetzungen des gelben Unternehmens.

Für eine optimale Versorgung der Region sollte dieser daher mit dem Standort in Filderstadt in einem Neubau zusammengelegt werden. Am neuen CO2-neutralen Zustellstützpunkt in Waldenbuch mit Photovoltaik, Luft-Wasser-Wärmepumpe, Batteriespeicher und E-Fahrzeugen sollten 50 Menschen Arbeit finden. Zudem sollten damit die Bestandstützpunkte in Holzgerlingen und Köngen entlastet werden.

Zumindest hatten die beiden DHL-Vertreter Carina Selbach und Thomas Schlatterer das Bauvorhaben im September 2022 dem Waldenbucher Gemeinderat zunächst so vorgestellt. Bebaut werden sollte das gut 8600 Quadratmeter große Flurstück „Westlich Bauhof“ in der Betzenbergstraße im Waldenbucher Gewerbegebiet Bonholz. Die Post prüfte lange und kam Ende März dann zum Entschluss doch nicht bauen zu wollen.

Ein Schlag für Waldenbuch

Der Schlag für Waldenbuch: „Ein halbes Jahr war die Fläche zur Vermarktung reserviert. Kaufvertragsentwurf und Notartermin lagen bereits abgestimmt vor. Die Deutsche Post AG hat aufgrund der gesunkenen Paketmengen in der Region sowie des unsicheren globalen Wirtschaftsausblicks, vom Ankauf des Grundstücks Abstand genommen“, erläuterte Waldenbuchs Bürgermeister Micheal Lutz die Situation.

Die DHL selbst wollte zu den Hintergründen ihres Rückzugs keine näheren Angaben machen. Jedoch teilte Klaus-Dieter Nawrath, Pressesprecher der Deutschen Post DHL mit: „Zunächst einmal gilt festzuhalten, dass unsere Zustellerinnen und Zusteller weder in Holzgerlingen, in Köngen noch sonst wo überlastet waren oder sind. Bei der Überlegung, in Waldenbuch einen Zustellstützpunkt zu bauen, ging es um Bau- und Flächenoptimierungen in der Region.“ Weiter bestätigte er, dass es für einen Stützpunkt in der näheren Umgebung keine alternativen Planungen gebe und die beiden Standorte Waldenbuch und Filderstadt wie bisher bestehen bleiben würden.

Jetzt herrscht Ungewissheit

Während man bei der Stadtverwaltung Filderstadt noch gar nichts von den DHL-Plänen gehört hatte, herrscht in Waldenbuch nun auch nur Ungewissheit. Erst kürzlich hatte das Landratsamt die finanzielle Situation der Stadt gerügt. Nun fällt auch noch ein sicher geglaubter großer Investor weg. Denn der Wert des Gesamtgrundstücks, mit einem vom Gemeinderat festgelegten Quadratmeterpreis von 200 Euro, soll immerhin knapp über 1,7 Millionen Euro in die flaue Stadtkasse spülen. Nachdem diese Einnahmen im Haushalt bereits eingeplant waren, schmerzt die Absage umso mehr. „Bisher wurden aktuelle Anfrager auf das Optionsrecht von DHL hingewiesen. Die Reaktion auf die neue Ausschreibung bleibt daher abzuwarten“, so Lutz. Nun gelte es, die Fläche zunächst rasch neu auszuschreiben.

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