Para-Kugelstoßer Niko Kappel „Es ist Zeit für den nächsten großen Titel“

Niko Kappel freut sich über seinen zweiten Platz bei der Para-WM in Paris. Foto: Imago/Mika Volkmann

Niko Kappel ist nach Platz zwei bei der WM noch motivierter: Der kleinwüchsige Kugelstoßer vom VfB Stuttgart will endlich wieder Gold gewinnen – 2024 gibt es zwei perfekte Gelegenheiten.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Weltrekordler Niko Kappel war vor der Para-WM der große Favorit. Am Ende holte er Silber – was seinen Ehrgeiz nur noch mehr angestachelt hat.

 

Herr Kappel, vor zwei Wochen haben Sie in Paris WM-Silber im Kugelstoßen gewonnen. Sind Sie immer noch enttäuscht?

Ich bin nie richtig enttäuscht gewesen.

Sondern?

Neu motiviert.

Sie waren doch nach Paris gereist, um Weltmeister zu werden.

Das stimmt. Meine Leistung hat auch gepasst, sie war richtig stark. 14,49 Meter hatte bis dahin noch nie jemand bei einer großen Meisterschaft gestoßen, meine persönliche Bestleistung bei internationalen Titelkämpfen lag bei 13,87 Metern. Mit meiner Weite war ich folglich sehr zufrieden, mit meinem Ergebnis nicht ganz.

Weil der Usbeke Bobirjon Omonov erneut vor ihnen lag.

Ja. Er hat in einem echt krassen Wettkampf mit 14,73 Metern Asien-Rekord gestoßen.

Was zeichnet ihn aus?

Er ist ein sehr guter Techniker und im Ring zudem sehr schnell. Er hat in Paris einen super Job gemacht. Ich halte mit 14,99 Metern zwar weiterhin den Weltrekord, aber dieses extrem hohe Niveau kann man eben leider nicht in jedem Wettkampf abrufen.

Sie haben gesagt, Platz zwei würde Sie neu motivieren. Wie sieht das aus?

Ich habe in den vergangenen Tagen richtig hart trainiert, zudem viel Datenmaterial gesammelt. Ich überlege gemeinsam mit meinem Trainer Peter Salzer, wie ich meine Bewegung technisch weiter optimieren kann. Und am besten wäre es, zusätzlich im Ring noch schneller zu werden, damit ich meine Power auch wirklich komplett umsetzen kann. Es geht noch besser!

Welche Wettkämpfe stehen in dieser Saison noch an?

Am Samstag findet das erste internationale Stuttgarter Leichtathletik-Meeting statt, Anfang September dann das Istaf in Berlin. Vielleicht kann ich bis dahin schon den nächsten Schritt machen.

Ihre großen Ziele . . .

. . . sind im nächsten Jahr die WM im japanischen Kobe und die Paralympics in Paris. Zuletzt lautete ja die Schlagzeile ‚Kappel holt schon wieder Silber’. Das war eine tolle Leistung, doch jetzt liegt es an mir, dass 2024 das Wörtchen ‚Gold’ in den Titelzeilen auftaucht.

Was braucht es dazu?

Das Niveau ist sehr hoch, die Wettkämpfe sind eng. Ich muss mich weiter steigern, um an Omonov vorbeizukommen. Er ist der Konkurrent, den es zu schlagen gilt. Das wird nicht einfach, aber ich habe nach meinem Paralympics-Sieg 2016 in Rio und WM-Gold 2017 keinen großen Titel mehr gewonnen. Es ist an der Zeit, dies zu ändern.

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