Pendeln ja, aber bitte nur werktags zwischen 6 und 22 Uhr. Foto: Gottfried Stoppel
Ein Pendler, der einen der Park-and-Ride-Parkplätze bei Pflanzen-Kölle in Fellbach benutzt, muss eine Strafe bezahlen, da er den zulässigen Nutzungszeitraum überschritten hat. In Zeiten der Verkehrswende ein Unding?
Luisa Rombach
25.03.2024 - 15:46 Uhr
Wer in Fellbach vom Auto in die Stadtbahn umsteigen will, um mit der U1 in Richtung Stuttgart zu fahren, stellt schnell fest, dass die Parkplatzsuche zur Herausforderung werden kann. Die 107 für Pendler reservierten Park-and-Ride-Parkplätze auf dem Gelände des Gartencenters Pflanzen-Kölle in der Stuttgarter Straße stellen mit ihrer Nähe zur Stadtbahnhaltestelle Esslinger Straße eine der besten Optionen dar. Doch bei genauerem Hinsehen gibt es dort strenge Regeln fürs Parken, wie ein Pendler nun feststellen musste.
Klar ausgeschildert oder Kleingedrucktes?
Es steht zwar schwarz auf weiß auf einem Schild bei den Pendlerparkplätzen, dass das Parken ohne zeitliche Begrenzung nur montags bis freitags zwischen 6 und 22 Uhr erlaubt ist. Ansonsten gilt die Höchstparkdauer von drei Stunden, bei Verstoß drohen 35 Euro Strafe. Dieses „Kleingedruckte“, so der Pendler in einer E-Mail an unsere Zeitung, sehe man beim Hineinfahren aber nicht, oder würde ihm keine Beachtung schenken, da man nicht damit rechne, dass dort etwas Außergewöhnliches stünde. „Eine zeitliche Begrenzung kennt man normalerweise von Park-and-Ride-Parkplätzen nicht, so war es mir wenigstens bisher bekannt.“
Die Nutzungsregeln für die Pendlerparkplätze sind klar ausgeschildert. Foto: privat
In seinem Fall parkte sein Wagen zwölf Minuten zu lange auf einem der Parkplätze, als er es an einem Samstag dort abstellte, um mit der Stadtbahn zu einer Veranstaltung in Stuttgart zu fahren. Nun muss er die volle Strafe bezahlen. Er bemängelt die fehlende Kulanz des Unternehmens Park and Control, das für die Abwicklung zuständig sei und hält fest: „Für mich grenzt dieses System ein bisschen an Abzocke.“
Parkraumüberwachung im Komponistenviertel erhöht den Druck zusätzlich
Die Stadt verweist auf Anfrage unserer Redaktion wiederum auf die klare Ausschilderung der Regeln und betont, die Besonderheit des eingeschränkten Nutzungszeitraums sei bereits mehrfach kommuniziert worden. Doch sie räumt auch ein, dass die Kooperation mit dem Gartencenter vor 20 Jahren eingegangen wurde, um die Menschen zum Umstieg in den ÖPNV zu motivieren und dass Park-and-Ride-Parkplätze weiterhin wichtig seien, um das Ziel zu erreichen. Verfügbare Flächen für Pendlerparkplätze seien in der Nähe der Fellbacher Stadtbahnhaltestellen begrenzt. Weiter verschärft wird die Situation wohl durch die Parkraumüberwachung im sogenannten Fellbacher Komponistenviertel, die Ende 2022 eingeführt wurde. Wer nicht Anwohner ist, darf auf dem Gebiet zwischen Stuttgarter Straße und Tainer Straße sowie zwischen Esslinger Straße und Pfarrer-Sturm-Straße maximal drei Stunden parken. Grund für die Maßnahme war der Mangel an Parkplätzen für Anwohner. Dieser wurde durch die hohe Anzahl an Pendlern verursacht, die die Nähe zur Stadtbahnhaltestelle und die günstige Parkmöglichkeit nutzten.
Stadt hat Verständnis für beide Seiten
Pflanzen-Kölle pocht derweil auf die korrekte Nutzung seiner Pendlerparkplätze, damit sichergestellt sei, dass Kundinnen und Kunden des Gartencenters am Wochenende und zu Stoßzeiten Parkplätze finden könnten. In der Vergangenheit sei es zunehmend zu Verstößen gekommen, bei denen Pendler die Zeitbeschränkung überschritten oder normale Kundenparkplätze genutzt hätten. Deshalb installierte das Unternehmen Ende vergangenen Jahres eine Parkplatzüberwachung. Ein externer Dienstleister führe die Kennzeichenerkennung per Videokamera durch. Das habe zu einem erheblichen Rückgang der Verstöße geführt.
Die Stadt Fellbach zeigt Verständnis für beide Seiten. „Wir können den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger nach einer erweiterten Nutzung nachvollziehen“, heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus. Schließlich habe der Verkehr seit Einführung der Parkplätze zugenommen, genau wie das Bestreben vieler Menschen, dem Klima zuliebe öfter auf die Stadtbahn umzusteigen.
Großer Kundenandrang am Wochenende
Gleichzeitig seien aber auch die Resonanz und das Angebot des Gartencenters nicht mehr dieselben wie vor 20 Jahren, und insbesondere am Wochenende sei der Kundenandrang oft groß. Laut Ralf Nowatzki, dem Leiter von Pflanzen-Kölle in Fellbach, sei das Dauerparken – besonders vor dem Installieren der Videokameras – so außer Hand geraten, dass seine Kunden Probleme gehabt hätten, Parkplätze zu finden. Bis zu der Hälfte der Parkflächen sei durch Dauerparker belegt gewesen.
Die Fellbacher Stadtverwaltung werde nun prüfen, ob und wie sich die Kooperation mit Pflanzen-Kölle erweitern lassen könnte. Der Pendler mit der Geldstrafe möchte den Parkplatz auf dem Gelände des Pflanzencenters künftig nicht mehr nutzen, um von dort aus auf die Stadtbahn umzusteigen. Die Suche nach Pendlerparkplätzen geht also fürs Erste weiter.