Parken in Leonberg Alles wieder nur Abzocke, oder?
Ein neues Parkraumkonzept kann Sinn machen. Dann muss es aber kreativ durchdacht sein und faire Preise haben, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.
Ein neues Parkraumkonzept kann Sinn machen. Dann muss es aber kreativ durchdacht sein und faire Preise haben, meint unser Leonberger Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.
Das Schmähwort „Abzocke“ dürfte nicht wenigen durch den Kopf gehen, angesichts der Nachricht, dass in der Leonberger Kernstadt künftig nicht mehr umsonst geparkt werden soll. Und in der Tat sind Parkgebühren oder Strafmandate bei Kommunen eine überaus beliebte Einnahmequelle. Die kontinuierliche Aufstockung der Kontrolleure, im Amtsdeutsch Gemeindevollzugsdienst genannt, ist ein deutliches Indiz, dass sich damit gut Geld in die leeren Kassen holen lässt.
Andererseits ist es tatsächlich so, dass das Thema Parken in Leonberg bisher recht lax behandelt wurde. Viele Städte haben ihre historischen Zentren für Autos komplett abgeriegelt. Unter dem Engelberg ist das nicht der Fall, wiewohl mit der Tiefgarage unter der Altstadt ein großflächiges wie preisgünstiges Parkhaus kurze Wege garantiert. Auch in den zentrumsnahen Wohnquartieren bis hinein nach Eltingen gibt es noch etliche Abstellflächen, die schlicht gar nichts kosten. Es liegt in der Natur der Menschen, erst einmal nach solchen Plätzen zu suchen.
In den Nachbarstädten Böblingen, Sindelfingen oder Ludwigsburg ist die sogenannte Parkraumbewirtschaftung üblich. Dort gibt es auch das Anwohnerparken, indes mit höchst unterschiedlichen Tarifen. In Ludwigsburg muss ein Bewohner im Jahr 120 Euro berappen, in Böblingen sind in den Anwohnerzonen lediglich 30 Euro fällig. In Leonberg können die Einwohner eine Ausnahmeparkgenehmigung beantragen, die jährlich 100 Euro kostet.
Es ist also erst einmal keine garstige Aktion der Stadtverwaltung, wenn sie ihr Parkkonzept ordnen möchte. Bestimmte Punkte der jetzt vorgestellten Pläne passen aber noch nicht ganz zusammen. In der Altstadt etwa ist ein Halbstundentarif von 1,50 Euro vorgesehen. Im Moment zahlt man in der Tiefgarage wie oberhalb in der ersten halben Stunde überhaupt nichts. Das erhöht nicht nur die Motivation der Kurzparker, sondern schmälert auch den Gesamtpreis länger parkender Kunden. Oder soll die 1,50-Regel nur oberirdisch, nicht aber in den Parkhäusern gelten? Das ist nur eine von vielen Fragen und Themen, die im weiteren Prozess zu beachten sind.
Ein besonderes Augenmerk ist auf die Parkhäuser in der Altstadt und am Bahnhof zu richten. Sie werden von den Stadtwerken betrieben, sind also in öffentlicher Hand. In beiden ist die Auslastung, sagen wir mal, nicht optimal. Dabei haben beide hohe Qualität und eine jeweilige Toplage.
Das Parkhaus am Bahnhof, erst vor knapp acht Jahren eröffnet, ist nicht nur für Pendler ideal, sondern auch für Menschen, die im gewerblichen Dreieck Römerstraße, Poststraße Brennerstraße arbeiten. Nicht umsonst hat Bosch einen Großteil der Plätze für die eigene Belegschaft angemietet.
Das Parkhaus Altstadt wiederum ist großzügig und hell, hat aber immer noch ein Imageproblem. Viel wollen in die „Parkkaverne“ nicht hineinfahren, obwohl die Zufahrt auch nicht steiler ist als in den meisten anderen Parkhäusern. Vor Jahren hatte das Citymanagement kreative Vorschläge gemacht, wie das Altstadt-Parkhaus mit Farbe und Kunst attraktiver gemacht werden kann. Doch nicht zuletzt wegen interner Führungsprobleme bei den Stadtwerken wurden diese guten Ideen nicht weiterverfolgt.
Will die Stadt verhindern, dass an einem neuen Parkraumkonzept am Ende nicht tatsächlich das Schmähwort „Abzocke“ haften bleibt, ist sehr viel mehr nötig als nur Parkzonen und Tarife festzulegen. Ein überzeugendes Angebot braucht faire Preise, aber auch Kreativität, die Emotionen erweckt.