Parken rings ums Kino in Leonberg Nach Filmende droht der Park-Horror

  Foto: Jürgen Bach/Jürgen Bach

Wer bei einem Besuch im Traumpalast nicht ins Parkhaus fahren kann oder möchte, sollte bei der Wahl des Stellplatzes aufpassen. Vielerorts ist das Parken verboten, bei Geze wird sogar rigoros abgeschleppt.

So ein bisschen Nervenkitzel, das gehört zu einem guten Kinobesuch dazu. Aber auf dem Weg zum Parkplatz? Darauf hätte Martin M. gerne verzichtet. Als er zu seinem Auto zurückwill, wird es gerade von einem Abschleppunternehmen aufgeladen. Wie ihm ergeht es an demselben Abend noch zwei jungen Familien. Denn auf dem Gelände der Firma Geze, die 2010 in der Breitwiesenstraße 8 ein neues Distributionszentrum eröffnet hat und 2020 ein Bürogebäude in der Ramtelstraße 3, wird regelmäßig abgeschleppt, auch nachts und am Wochenende. Denn dort gibt es auch ein Fitnessstudio, dessen Mitglieder ständig vor überfüllten Parkplätzen stehen.

 

Insgesamt ist die Parkplatzsituation rings um den Leonberger Traumpalast recht angespannt. Denn zwar gibt es ein Parkhaus, das ist jedoch kostenpflichtig, die Schlangen oft lang, und an gut besuchten Tagen kann es auch ausgelastet sein. Das Gewerbegebiet ringsum ist voll von Stellflächen. Doch nur wenige davon sind öffentlich, an den anderen reiht sich ein Parkverbotsschild an das nächste, oft mit dem Hinweis, dass Falschparker kostenpflichtig abgeschleppt werden.

Nach Schildern und Knöllchen kommen die Abschlepper

Gerade nachts und am Wochenende macht davon kaum jemand Gebrauch – die meisten Firmenparkplätze werden nur unter der Woche tagsüber benötigt. Anders bei Geze. Denn die Stellflächen gehören ebenfalls zu einem Fitnessstudio, das bis nachts und auch am Wochenende offen hat. „Seit 2020 wird ein erhöhtes Aufkommen an Falschparkern auf den Parkplätzen und in den Zufahrtsstraßen des Geländes festgestellt“, sagt ein Sprecher von Geze. Diese Falschparker würden die Parkplätze für die zahlenden Fitnessstudio-Kunden belegen und unter anderem auch die An- und Abfahrt von Geze-Lastwagen behindern, die zu allen Tag- und Nachtzeiten ankommen.

Das bestätigt ein Mitarbeiter des Fitnessstudios auf unsere Nachfrage hin. „Hier war oft alles zugeparkt von Traumpalast-Gästen, wir haben regelmäßig Beschwerden von Kunden bekommen, die keinen Platz mehr bekommen haben.“ Man habe es daher eine Zeit lang mit dem Verteilen von Knöllchen versucht, um das Parkverbot zu unterstreichen – vergeblich. „Das hat leider überhaupt nichts gebracht.“ Daher entschied sich Geze letztlich zur Beauftragung eines Abschleppunternehmens.

Kritik an Geze und am Abschleppunternehmen

Für Martin M. trotzdem ein klarer Fall von Abzocke: Abgesehen davon, dass viele den Bereich noch als öffentliche Straße kennen, seien die Schilder in der Dämmerung leicht zu übersehen gewesen. „Mir geht es nicht darum, das Geld zurückzubekommen, Geze ist hier sicherlich im Recht“, sagt er. „Mir geht es darum, dass man an dieser Stelle nicht damit rechnet, etwas Falsches zu tun.“ Das müsse seiner Ansicht nach sehr viel deutlicher unterstrichen werden. Inzwischen hat Geze an dem betreffenden Parkplatz die Schilder tatsächlich gegen deutlich größere ausgetauscht.

Scharfe Kritik übt Martin M. auch am Abschleppunternehmen, das die Situation derart für sich ausnutze. Tatsächlich wird das Unternehmen nicht nur situativ auf den Plan gerufen, sondern hat einen Vertrag mit Geze und kontrolliert die Stellflächen eigenständig. Es kann also jeder Falschparker jederzeit abgeschleppt werden, egal, ob die Parkplätze voll sind oder dort nur zwei Autos stehen. „Interessanterweise schleppen sie immer kurz vor dem Vorstellungsende ab“, sagt Martin M. „Man kommt aus dem Kino raus und hängt frisch dran am Haken.“ Die Gebühr von 250 Euro werde dann vor Ort direkt einkassiert.

Lochmann: „Parkhaus entspricht den Vorgaben“

Gegen diesen Vorwurf verwehrt sich das Abschleppunternehmen. „Es kann natürlich mal passieren, dass wir aufladen, wenn gerade jemand aus dem Kino kommt“, sagt ein Mitarbeiter gegenüber unserer Zeitung. „Aber dass wir extra bis zum Vorstellungsende warten würden, ist völliger Unsinn, das könnten wir uns zeitlich gar nicht leisten.“ Zudem kämen die Fahrzeuge nicht allein zur Kontrolle raus zu Geze, sondern auch auf Anfrage der Anlieger hin, wenn die Parkplätze mal wieder völlig überfüllt seien.

Der Betreiber des Traumpalastes, Marius Lochmann, kennt das Problem, sieht die Verantwortung aber nicht beim Kino. „Das Parkhaus wurde nach den Kriterien der Stadt gebaut“, sagt er. Die Stadt hat einen festen Schlüssel für Freizeitstätten, wie viele Parkplätze dort vorgehalten werden müssen. „Da liegen wir sogar drüber.“ Ungefähr 300 Plätze hat das Traumpalast-Parkhaus bei 1800 Kinositzen. Dass trotzdem einige Besucher anderweitig ausweichen wollen, manchmal sogar müssen, ist ihm bekannt. Für diesen Fall gebe es öffentliche Parkplätze in der Umgebung, zum Beispiel am Kreisverkehr bei Lidl oder bei Tesla. „Vielen ist das aber zu weit, sie wollen lieber mehr in der Nähe parken.“

Anbindung mit Öffentlichen ist sehr eingeschränkt

Mit dem benachbarten Unternehmen DMG Mori habe er dankbarerweise eine Absprache treffen können, dass Kinobesucher nachts und am Wochenende dort parken dürfen, ohne Bedenken zu haben, dass sie plötzlich abgeschleppt werden. Weitere Absprachen mit anderen Unternehmen sind aber nicht vorgesehen, so Lochmann. Denn das Kino stünde dann auch in der Pflicht, die Parkplätze sauber zu halten, falls die Besucher dort unerwünschten Müll hinterlassen.

Mit dem Verhalten von Geze zeigt er sich nicht besonders glücklich, vor allem nicht in dem Ausmaß, das das Ganze angenommen habe. „Gefühlt wird da quasi im Minutentakt abgeschleppt“, bedauert er. „Wir weisen deshalb sogar extra auf unseren Monitoren darauf hin, dass man dort auf keinen Fall parken sollte.“

Nun könnte man natürlich sagen: Wieso kommen die Besucher nicht einfach mit den Öffentlichen? Einige tun das, weiß Marius Lochmann. Doch die Verbindung ist sehr eingeschränkt. Immer nur eine Buslinie hält vor dem Traumpalast an der Haltestelle „Eltingen Leonberger Dreieck“. Tagsüber ist das die Linie 92 (von Stuttgart über Gerlingen nach Leonberg und zurück). Unter der Woche fährt der letzte Bus die Haltestelle gegen 20 Uhr an, am Wochenende sogar nur bis 19.30 Uhr. Danach wird die Haltestelle einzig vom innerstädtischen Bus 640 (Ramtel – Bahnhof – Blosenbergkirche) bedient und auch nur in eine Fahrtrichtung und nur stündlich. Immerhin: Auf diese Weise ist eine Rückkehr vom Kino zum S-Bahnhof bis 24 Uhr möglich.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Leonberg Parkverbot Parkhaus