Parking Day in Stuttgart-Weilimdorf Park statt Parkplatz

Von mab 

An der Köstlinstraße werden drei Stellplätze zur Aktionsfläche. Damit soll zu Diskussionen über die Nutzung des öffentlichen Raums angeregt werden.

Der Parking Day soll weltweit Diskussionen über die Nutzung des öffentlichen Raums anregen – auch in Weilimdorf. Foto: privat
Der Parking Day soll weltweit Diskussionen über die Nutzung des öffentlichen Raums anregen – auch in Weilimdorf. Foto: privat

Weilimdorf - Drei Männer ziehen den Zorn vieler Weilimdorfer Geschäftsleute auf sich: Peter Hanle und Dieter Benz, beide Mitglied bei den Naturfreunden und des Bezirksbeirats, sowie Joachim Schwarz, ehemaliger Bezirksbeirat, beteiligen sich am Freitag, 18. September, am Parking Day. Dafür machen sie drei Stellplätze an der Köstlinstraße vor der Metzgerei Nouvel zur Aktionsfläche: Mit Blumen und Kunstrasen soll aus den Parkplätzen ein kleiner Park werden, erklärt Peter Hanle: „Es soll auf den vielen Raum hingewiesen werden, den das Auto verbraucht.“

Das Parkhaus soll besser genutzt werden

Erstmals fand die Aktion 2005 in San Francisco statt, mittlerweile beteiligen sich Städte auf der ganzen Welt. Seit einigen Jahren ist Stuttgart dabei, und nun erstmals auch Weilimdorf. Offizielle Veranstalter im Bezirk sind die Naturfreunde und der BUND, unterstützt wird die Aktion von den Bezirksbeiratsfraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, SPD und SÖS-Linke-Plus. „Wir haben das als Versammlung beim Ordnungsamt angemeldet“, erklärt Hanle. Von 11 bis 17 Uhr werden die Gruppen an der Köstlinstraße vor Ort sein, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, sagt Dieter Benz. „Es ist uns schon klar, dass es uns nicht gelingt, den Raum dauerhaft zurückzuerobern“, sagt Benz. „Aber wir wollen zumindest zum Nachdenken anregen.“

Dass es kein einfaches Thema ist, ist den dreien bewusst: „Es polarisiert“, sagt Hanle. Ihnen gehe es darum, den Leuten ins Bewusstsein zu rufen, dass man auch im Parkhaus parken könne, das bislang viel zu wenig genutzt werde. Noch besser sei es, die Einkäufe mit dem Fahrrad zu erledigen. Deswegen werden auf der Aktionsfläche am Freitag auch Radanhänger ausgestellt. Vor dem Hintergrund der anstehenden Umgestaltung des Löwen-Markts und des geplanten Kreisverkehrs wolle man aber auch eine Diskussion anstoßen, wie das Weilemer Zentrum attraktiver gestaltet werden könne, ergänzt Joachim Schwarz: „Bei dem Verkehr, den wir hier haben, setzt sich doch keiner hin.“

Viele Händler sehen die Aktion kritisch

Die drei betonen, dass sie weder den Weilimdorfer Händlern etwas Schlechtes noch das Auto aus Weilimdorf verbannen wollen. „Wir sind ja alle selber Autofahrer“, sagt Dieter Benz. Die Geschäftsleute vor Ort sind dennoch nicht begeistert von der Aktion, räumt Eckhardt Binder vom Bund der Selbstständigen ein. Er sehe die Problematik durchaus, Parkraum zu streichen sei für ihn aber keine Lösung. Sigrid Zink von der Metzgerei Nouvel plädiert sogar dafür, noch mehr Parkplätze zu schaffen. Sie befürchtet, dass ihre Kundschaft und damit auch ihr Umsatz unter der Aktion leiden werden. „Sie können von den Älteren nicht erwarten, dass sie ihre Einkäufe mit dem Fahrrad nach Hause schleppen“, hält sie den Organisatoren entgegen. Sie wirft den dreien zudem vor, nicht über die Aktion informiert worden zu sein.

Peter Hanle sagt, das habe er noch vorgehabt. Die Versammlung sei zwar schon länger angemeldet, aufgrund der Sommerferien habe man aber erst Anfang September mit der genauen Planung begonnen. Dennoch konnte Ulrike Zich als Glücksfee für die geplante Tombola gewonnen werden. „Ich gehe da hin, weil ich etwas dazu sagen möchte“, erklärt die Bezirksvorsteherin. Ihr sei es wichtig, dass man für das gemeinsame Ziel, die Nahversorgung in Weilimdorf zu verbessern, mehr den Dialog suche. „Ein Gespräch ist die beste Möglichkeit, um etwas zu verbessern“, so Zich. Genug Zeit und Raum dafür sollte vorhanden sein, am Freitag an der Köstlinstraße.

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