Pascal Stenzel vom VfB Stuttgart „Wir versuchen viel zu kochen“
VfB-Profi Pascal Stenzel spricht im Interview über den Gehaltsverzicht seiner Mannschaft – und wie er die fußballfreie Zeit mit Leben füllt.
VfB-Profi Pascal Stenzel spricht im Interview über den Gehaltsverzicht seiner Mannschaft – und wie er die fußballfreie Zeit mit Leben füllt.
Stuttgart - Pascal Stenzel ist der Fußballer des VfB Stuttgart mit den meisten Einsatzminuten (2211) in dieser Saison, mit 2644 Ballkontakten führt er sogar die gesamte zweite Liga an. Wann weitere dazukommen, ist offen. Zurzeit muss auch er sich – zu Hause – in Geduld üben.
Herr Stenzel, am Freitag hat auch der VfB einen Gehaltsverzicht bekanntgegeben. War für Sie sofort klar, das zu machen?
Ich denke, dass wir in dieser Zeit alle ein bisschen zusammenrücken müssen. Wir Spieler verzichten auf einen Teil unseres Gehalts, damit es allen weiterhin gut geht. Wir haben im Kreise der Mannschaft darüber gesprochen und helfen gerne.
Fußballprofis sind Sie es ansonsten gewohnt, täglich an der frischen Luft im Kreis der Teamkollegen zu trainieren. Wie geht es Ihnen jetzt ohne die gewohnten Abläufe?
Derzeit fühlt sich vieles schon ein wenig komisch an – auch im Fußball. Die neue Lage mit dem Trainingsstop kam ja ziemlich plötzlich – es ging alles Schlag auf Schlag. Wenn man nun eine längere Zeit daheim ist und ohne Ball trainiert, dann merkt man schon, dass einem sozusagen das tägliche Brot fehlt. Dazu gehört auch, in der Kabine mit den Jungs zu sprechen, sich zu sehen. Aber aktuell macht ein Gruppentraining einfach keinen Sinn. Wir haben als Spieler und Verein in Bezug auf das Training aber die bestmöglichen Lösungen gefunden, um fit zu bleiben.
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Wo halten Sie sich gerade auf?
Ich bin in Freiburg, wo ich noch eine Wohnung mit einem kleinen Balkon und einer Terrasse habe. Hier verbringe ich die Zeit gemeinsam mit meiner Freundin. Unsere Tage sehen noch recht abwechslungsreich aus. Wir versuchen, viel zu kochen. Dann haben wir auch ein Puzzle ausgepackt. Wir sind gesund und hoffen, dass wir es auch bleiben. Es geht uns gut – die Decke fällt uns bisher nicht auf den Kopf.
Wie halten Sie sich denn als Fußballer fit?
Mit dem Ball beschäftige ich mich derzeit auf jeden Fall deutlich weniger als im normalen Trainingsbetrieb. Es ist eben ein bisschen wie in der Sommerpause, wo man an der Fitness und der Grundlagenausdauer arbeitet. Wir haben jeder individuelle Trainingspläne bekommen. Unsere Läufe werden mit der Puls-Uhr und mit dem Puls-Gurt aufgezeichnet, so dass ermittelt werden kann, wer auf welchem Stand ist. Ich kann hier in Freiburg dafür von meiner Wohnung aus eine schöne Laufrunde nutzen.
Nutzen Sie auch die digitalen Möglichkeiten, um zumindest virtuell in der Gruppe zu trainieren?
Wir hatten schon einige Male Kraft- und Athletiktraining, bei dem sich alle Spieler in einer Konferenz über das Internet zusammen geschaltet haben. Unsere Athletiktrainer Matthias Schiffers und Martin Franz sind dann per Video zu sehen. Ich habe die Übungen zuletzt im Wohnzimmer mitgemacht. Solche Aktionen sorgen für Abwechslung und schweißen auch zusammen, weil man sich zwischendurch untereinander sehen und auch miteinander unterhalten kann. Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen.
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Wie halten die VfB-Spieler abseits des Trainings untereinander Kontakt?
Wir haben bei WhatsApp einen Mannschafts-Chat, über den man sich auf dem Laufenden hält, sich austauscht. Mit den Kollegen, mit denen ich mich sonst auch außerhalb des Trainings treffe, mit denen schreibe und telefoniere ich intensiver. Aktuell habe ich mich etwa mit Philipp Klement unterhalten, wie er die Lage so empfindet, oder mit Mario Gomez. Das läuft so ab wie im Familienkreis. Man erkundigt sich regelmäßig, ob alles in Ordnung ist.
Sie haben ja noch eine andere Möglichkeit, um für Abwechslung zu sorgen, denn Sie betreiben ein Fernstudium. Nutzen Sie die freie Zeit dafür jetzt intensiver?
Ich studiere Sportmanagement und hätte eigentlich in der nächsten Woche meine Prüfung in Nürnberg gehabt. Die ist natürlich ausgefallen. Meine Hausarbeit habe ich schon abgegeben. Ich war also auch bereits vor der Coronakrise verstärkt mit dem Studium beschäftigt. Dadurch, dass sich nun alles verschiebt, kann ich die Dinge aber noch intensiver bearbeiten. Es hilft, etwas für den Kopf zu machen. Auch, um die Zeit schneller rumzukriegen.
Wie wird es mit dem Fußball beim VfB Ihrer Einschätzung nach weitergehen?
Das ist recht schwer zu sagen – und zwar nicht nur im Fußball. Natürlich hoffen auch wir Profis wie alle Menschen, dass schnellstmöglich wieder der Alltag, die Normalität einkehrt. Dass dies in ein, zwei Wochen aber noch nicht geschehen wird, ist klar. Wir sollten nicht unvernünftig sein. Aber es wäre schon schön, wenn es zeitnah wieder losgehen würde. Für die Fans und für die Spieler – wir wollen natürlich gerne die Saison beenden.
Wenn es wieder losgeht, dürften Geisterspiele zu einem großen Thema werden. Haben Sie schon einmal vor leeren Rängen gespielt?
Bisher habe ich das noch nicht erlebt – und habe mich natürlich auch nicht danach gesehnt. Aber wenn es um die Sicherheit der Menschen geht und wir auf diesem Weg die Saison beenden können, dann muss man das Beste daraus machen. Natürlich wäre das nicht optimal: Auch die Fans vor den Bildschirmen sehen lieber Partien, in denen man nicht jeden Spieler einzeln auf dem Platz rufen hört. Das primäre Ziel muss jetzt aber sein, wieder auf den Platz zu kommen. Wie dabei die Rahmenbedingungen aussehen werden, ist zunächst zweitrangig.