Patrick-Henry-Village in Heidelberg Das Ankunftszentrum soll bleiben

Die Verlegung des Ankunftszentrums in Heidelberg ist im Bürgerentscheid gekippt worden. Foto: dpa/Uwe Anspach

Zwar hat ein Bürgerentscheid die Verlagerung des Ankunftszentrum aus dem Patrick-Henry-Village in Heidelberg verhindert. Aber wo die Einrichtung für Flüchtlinge hinkommen soll, ist noch völlig offen.

Heidelberg - Mit einer unerwartet deutlichen Mehrheit von gut 70 Prozent haben die Heidelberger vor einer Woche in einem Bürgerentscheid die Pläne zur Verlagerung des Landesankunftszentrums für Flüchtlinge von der ehemaligen US-Wohnsiedlung Patrick-Henry-Village (PHV) auf eine andere – deutlich ungünstiger gelegene - Fläche am westlichen Stadtrand zu Fall gebracht. Wie es weitergeht, ist noch offen. Der parteilose Oberbürgermeister Eckart Würzner, einer der großen Verfechter einer Verlegung, hat aber bereits kurz nach der Abstimmung ein Einlenken seitens der Verwaltungsspitze angedeutet. Er sei zwar „ein bisschen enttäuscht“, erklärte er nach der Bekanntgabe des Ergebnisses. Die Diskussionen im Vorfeld der Abstimmungen hätten aber gezeigt: „Es gibt eine klare Bereitschaft, das Ankunftszentrum zu behalten“, erklärte er. Die Akzeptanz dafür sei hoch. Unterschiedlicher Meinung sei man lediglich über den am besten geeigneten Standort, versicherte der OB.

 

Patrick-Henry-Village als Stadtteil der Zukunft

Die Stadtspitze hatte die Pläne zur Verlegung des Ankunftszentrum im PHV ursprünglich in Angriff genommen, um die ehemalige US-Wohnsiedlung in den kommenden Jahren mit Hilfe der Internationalen Bauausstellung (IBA) zu einem großen „Stadtteil der Zukunft“ für 10 000 neue Einwohner weiter zu entwickeln. Das Flüchtlingszentrum, das bisher in der Mitte des Quartiers liegt, sei in ein solches Quartier leider „nicht integrierbar“, hatten die Planer wiederholt erklärt. Dem hatte zunächst eine Mehrheit im Gemeinderat widersprochen und die Entwicklung des neuen Stadtteils mit einer lediglich internen Verschiebung des Ankunftszentrums vorgeschlagen. Mitte 2020 waren dann aber überraschend die Grünen als größte Fraktion umgeschwenkt und hatten so den Weg für die Auslagerung des Zentrums freigemacht.

Das dafür vorgesehene Gelände im Gewann „Wolfsgärten“ auf freien Feldflächen zwischen zwei viel befahrenen Autobahnen und einer Bahnlinie gelegen, war allerdings von Anfang an sehr umstritten. Per Bürgerbegehren schmiedeten daher 21 Gruppen und Initiativen – vom Asylarbeitskreis über die Fridays for Future bis zum NABU und der SPD – ein breites Bündnis gegen die Verlegung. Flüchtlingsärzte kritisierten die Pläne ebenso wie Landwirte. Nur die Grünen fehlten.

Bis zum Sommer soll es eine Lösung geben

Sie sollten nun „endlich umdenken“ und sich zusammen mit den übrigen Gruppen des Bündnisses für einen neuen Stadtteil „mit Flüchtlingen in PHV einsetzen“, forderte die SPD-Fraktionsvorsitzende Anke Schuster. „Eigentlich bleibe nach der Ablehnung der „Wolfsgärten“ nur noch dort Raum für das Zentrum“, gestand auch der OB. Man sollte sich deshalb jetzt auf eine oder zwei noch vorstellbare Flächen konzentrieren „und nicht zwei Jahre mit einer neuen Standortsuche verschwenden“, sagte er. Sein Ziel sei es, bis zum Sommer eine Lösung zu erreichen. Ein Sprecher des Innenministerium versicherte, man sei „jederzeit“ zu Gesprächen und Diskussionen über neue Rahmenbedingen mit der Stadt bereit. Nachdem sich PHV als Standort in den vergangenen Jahren „hervorragend bewährt“ habe, setze auch das Land auf die Bereitschaft der Heidelberger, das Zentrum zu behalten.

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