InterviewPaula Beer aus „Bad Banks“ „Alle sind nur mit ihrem Handy beschäftigt“

Von Bettina Aust 

Spätestens seit ihrer Rolle als junge Bankerin in der deutschen Fernseh-Serie „Bad Banks“ sind alle von Paula Beer begeistert. Im Interview erzählt die Berlinerin, warum sie heute keinen Facebook-Account mehr hat und was sie alles immer in ihre Hefte kritzelt.

Paula Beer („Bad Banks“) ist vom 5. April als leidenschaftliche Liebende an in dem deutschen Kinofilm „Transit“ zu sehen. Foto: Verleih
Paula Beer („Bad Banks“) ist vom 5. April als leidenschaftliche Liebende an in dem deutschen Kinofilm „Transit“ zu sehen. Foto: Verleih

Berlin - Gleich in ihrem ersten Film spielt Paula Beer mit 14 Jahren die Hauptrolle. Ein Casting-Agent hatte sie auf der Straße angesprochen – der Beginn einer steilen Karriere. In Francois Ozons Drama „Frantz“ überzeugt sie deutsche und französische Kritiker. Spätestens seit der Erfolgs-Serie „Bad Banks“ spricht ganz Deutschland über die 23-jährige Wahlberlinerin. Vom 5. April an ist Paula Beer nun in Christian Petzolds Kino-Adaption „Transit“ zu sehen.

Frau Beer, haben Sie den gleichnamigen Roman von Anna Seghers vor den Dreharbeiten gelesen?
Ich habe angefangen, aber dann nach der Hälfte auch sehr schnell wieder damit aufgehört. Schon Hitchcock hat doch gesagt, man kann Romane eigentlich gar nicht verfilmen, weil sie so viele Worte brauchen und eine ganz andere Struktur haben. Ich glaube, wenn man dann zu sehr am Text dran ist, verliert man sich in diesen Bildern und will sie genau reproduzieren. Und dann wird es ein Krampf. Ich habe mich letztendlich auf das Drehbuch konzentriert.
Wie erarbeiten Sie sich Rollen wie die „Marie“ in „Transit“?
Ich bin ein sehr praktischer und manueller Typ. Ich habe ein großes Vorbereitungsheft und da steht dann alles zu meinen Rollen drin.
Was steht da genau in diesen Heften drin?
Manchmal ist das ganz spießig eine Auflistung der Szenen, die an Exel-Tabellen erinnert. Damit ich weiß, in welcher emotionalen Kategorie sich die Szene abspielt, welche wichtigen Wendepunkte schon passiert sind und was noch kommt. Manchmal liest es sich wie das Tagebuch meiner Figur. Oder es geht um Texte, mit denen ich mich auseinandergesetzt habe. Sie finden alles darin, von Kreisen, die ich gemalt habe, weil mir langweilig war bis zu sehr intensiven Gedanken.
Was passiert mit dem Heften nach Ende der Dreharbeiten?
Ich hebe die Hefte auch auf. Manchmal habe ich so melancholische Momente, und dann schaue ich noch einmal, was ich da geschrieben habe. Es ist, als würde ich in einem Fotoalbum zurückblättern. Es ist gut zu wissen, ich habe die noch. Denn es ist ja alles Wissen, Recherche und Forschung. Vielleicht will ich ja in zehn Jahren mal wissen, was mir zu „Transit“ durch den Kopf ging.
Wie erinnern Sie die Zeit im Jugend-Ensemble des Berliner Friedrichstadt Palasts?
Das war toll. Mit zwölf Jahren habe ich einen Aufnahmetest und ein Casting gemacht. Ich hatte das Glück, dass ich gleich in einer Produktion mitspielen durfte. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Moment, als ich zum ersten Mal auf der Bühne hinter dem großen Vorhang stand. Wir waren im ersten Bild 40 Kinder, standen alle in einer Reihe und hielten uns die vor Aufregung patschnassen Hände. Erst hört man noch die schnatternden Schulklassen, dann beginnt die Musik, plötzlich ist es mucksmäuschenstill, der Vorhang geht auf und das Stück beginnt. Das war aufregend.
Da war dann klar, dass Sie Schauspielerin werden wollen?
Der Wunsch war schon früher da. Mit acht Jahren hatte ich bei einem Tanztheater-Stück mitgemacht. Das hat mir schon damals große Freude bereitet.
Sie haben in der Schule Klassen übersprungen. Sind Sie eine Überfliegerin?
Das war unfreiwillig und lag an meinem Umzug nach Berlin. Ich hatte auf meiner vorherigen Schule schon Französisch gelernt. Auf dem Berliner Gymnasium, das für mich in Frage kam, hieß es plötzlich, wir machen das Abi in elf statt in 13 Jahren. Deswegen habe ich dann sehr begeistert zwei Klassen übersprungen.
In ihrem ersten Film „Poll“ haben Sie dann gleich die Hauptrolle gespielt. Woher nehmen Sie den Mut sich in solche Abenteuer zu stürzen?
Für „Poll“ hatte ich plötzlich diese Rolle. Erst im Flieger auf den Weg zu den Dreharbeiten nach Estland dachte ich: Was bedeutet es eigentlich, einen Kino-Film zu machen? Ich wusste gar nicht, was da genau auf mich zukommt. Meine kindliche Naivität hat mir dabei sehr geholfen. Je älter ich werde, desto mehr denke ich jetzt nach, werde mir der Konsequenzen bewusst. Deswegen hatte ich auch viel mehr Muffensausen vor „Bad Banks“ als vor „Poll“. Damals hatte ich einfach Bock drauf und habe einfach ohne Angst drauflos gespielt.
Warum haben Sie eigentlich keinen Facebook-Account?
Ich hatte ihn in der Schulzeit, um dort Nachrichten zu schreiben. Irgendwann hat niemand mehr auf meine E-Mails geantwortet, weil es einfach out war. Aber ich fand es auch nicht richtig. Wenn man es nicht mal mehr schafft, einen anzurufen und lieber über Facebook schreibt. Es ist erschreckend, wie viel auf dieser medialen Ebene passiert. Ich erlebe manchmal so tolle Sachen. Dann sehe ich mich um und alle sind nur mit ihrem Handy beschäftigt. Deshalb bin ich ein bisschen provokativ und mache es gar nicht, weil ich das so schade finde. Denn dadurch geht so viel verloren. Es gibt aber andere Leute, die damit gut umgehen.
Suchen Sie Ihre Outfits selbst aus?
Das ist natürlich eine kleine Herausforderung. Wie oft zieht man schon so eine Art von Kleid an? Da habe ich zum Glück eine ganz tolle Stylistin, Nina Jensen, die mir dabei hilft. Auch das macht Spaß, wenn ich denke, darauf wäre ich selber gar nicht gekommen, in diesem Outfit fühle ich mich wohl und spaziere dann so fröhlich durch den Abend.
Sie verbringen viel Zeit in Paris. Wollen Sie sich etwa nach Frankreich absetzen?
Ich hatte während meines Abiturs eine Hassliebe zur französischen Sprache, weil das nie so gut funktioniert hat mit uns beiden. Dann habe ich mit Volker Schlöndorf in Paris gedreht und dachte schon vorher, ich bleibe dann dort einfach mal. Ich war vorher noch nie in Paris, kannte niemanden dort und mein Französisch war so mittelmäßig-schlecht. Dann bin ich ein Jahr geblieben und habe dadurch schon einmal die Angst verloren, die Sprache zu sprechen. Ich war gerade 18 Jahre alt, habe alleine gelebt und mich in dieser fremden Stadt zurechtgefunden. In dieser Zeit habe ich viel von meiner Selbstständigkeit bekommen. Ich habe jetzt auch wieder einen Film ganz auf Französisch gedreht. Und so holt mich Paris immer wieder zu sich zurück.



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