Nicht jeder Computervirus ist wirklich eine Bedrohung. Mancher Schädlingsalarm ist nur ein übler Verkaufstrick für kommerzielle Virenscanner.
Anfang der Woche hat es Besucher der deutschen Seiten erwischt, im September Leser der "New York Times". Die Methode war in allen Fällen die gleiche. "Handelsblatt", "Zeit" und das ebenfalls betroffene Online-Portal golem.de haben den gleichen Werbevermarkter. Diese Firma hatte das Pech, an unlautere Kunden zu geraten. So landeten auf den drei Internetseiten Werbebanner mit dunklem Hintergrund. Erste Beschwerden seien am Dienstagmorgen gekommen, berichtet golem.de. Wer so ein Banner anklickte, sah plötzlich ein angebliches Virenschutzprogramm vor sich, das ihm mitteilte, sein PC sei verseucht. Weil das nicht stimmt, nennt man solche Software auch Scareware, zu Deutsch Schreckware oder Nörgelware. Denn die Programme fordern penetrant zum Download eines Virenschutzprogramms auf, verlangen dafür Geld und transportieren in einigen Fällen ganz nebenbei weitere Schädlinge auf den PC. Die betroffenen Firmen brauchten bis Dienstag um Mitternacht, den Übeltäter auszumachen, da der nur bei etwa jedem tausendsten Klick aktiv wurde.
Scareware hat sich in den letzten zwei Jahren offenbar zu einem einträglichen Geschäft entwickelt. US-Sicherheitsexperten sprechen von einer Zunahme von 22.000 auf 152.000 Schädlinge dieser Art allein im ersten Quartal 2009. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät zu Besonnenheit. Manche Scareware lässt sich einfach deinstallieren. Für schwierige Fälle gibt zum Beispiel heise.de/security technisch Kundigen Tipps fürs Entwanzen. Zum Eindringen nutzen die Programme bekannte Sicherheitslücken, für die es oft längst Aktualisierungen gibt. Oberstes Gebot sei deshalb, so das BSI, sämtliche Software stets auf dem neuesten Stand zu halten.