Performance im Theater Rampe Von Teppichen, Lampen und Krisen

Wohnzimmeratmosphäre im Theater Rampe. Foto: Dominique Brewing

Mit den Apokalyptischen Tänzerin*nen inszeniert das Theater Rampe das Stück „Alles was schön ist“. In einer interaktiven Performance richten sich Fragen ans schöne Zusammenleben in Krisenzeiten.

Will man ins Theater eintauchen, dann doch lieber gleich. Diesmal vielleicht etwas schöne Welt zelebrieren? Aus größerem buntem Angebot gibt es am Einlass Bademäntel anzuziehen. Obwohl es um 20 Uhr losgehen soll, sind die Räumlichkeiten zum Spiel bereits zuvor geöffnet, gerne dürfe man eintreten. Im Theatersaal sind noch Puschen anzuziehen, und dann geht es hinein ins Bühnenwohnzimmer. Dort stehen Lampen, von klassisch über retro bis hin zu modern, illuminieren den Raum, über den weite Teppichlandschaften ausgebreitet sind.

 

Dreiecksbeziehung unter der Lupe

Entweder man lässt sich auf Sitzkissen oder direkt auf weichem Boden nieder. In einer Ecke wird gekocht und es duftet nach Zwiebeln. Alles wunderbar wohlig hier. Überall scheint was im Gange. Wer will, kann sich ein wenig im Bademantel schwingen üben. In jedem Fall gibt es eine Einweisung der Apokalyptischen Tänzerin*nen, die zur interaktiven Perfomance geladen haben.

Das hat etwas von einem Sit-In, ist aber das Stück „Alles was schön ist“, das am Donnerstagabend unter der künstlerischen Leitung von Mona Louisa-Melinka Hempel, Jasmin Schädler & Calendal Premiere im Theater Rampe feierte. Es ist der letzte Teil ihrer Trilogie, bei der die Künstler und Künstlerinnen die Dreiecksbeziehung zwischen Publikum, Performenden und Bühne unter die Lupe nehmen. In den beiden Vorläuferstücke „Phasen der Rührung“ und „The most consumable Show on Earth“ beschäftigten sie sich bereits mit dem Erzählen in einem Jahrzehnt der Krisen.

Charmant und humorvoll

Weiche pulsierende Klänge und Nebelfronten, fließende Stoffe und Matsch - als somatische Erweiterung, so heißt es. Im Dunkeln werden Geräusche gemacht, tierische, menschliche, was das Herz begehrt. Sowieso geht es mitunter ums Herz im Stück. Was fühlt der Mensch in Zeiten, in denen wir uns gemeinsam ins wohlige Wohnzimmer zurückziehen wollen, eine Schnulze im Radio läuft, und draußen Krisen und Gewalt vor sich gehen.

Die apokalyptischen Tänzerin*nen tanzen sich, im Zitat Pina Bauschs, ein wenig davon frei. Charmant, humorvoll und mit großer Umarmung führen uns die Performenden an unser Bedürfnis nach dem Schönen und einer tieferen Traurigkeit heran. Gäste im Raum erhalten eine Träne. Wie lebt man gut im 3. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts? Eine Antwort gibt es nicht, die Tänzerin*nen experimentieren. Vielleicht, so eine Botschaft im Stück, gibt es aber ein Zusammenkommen und am Ende eine Suppe mit einem Manifest für das gemeinsame Überwinden.

Termine: 8. bis 10. März

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