Performance in der Rampe Wenn weibliche Freiheitsliebe tödlich endet

Lulu Obermayer wandelt auf den Spuren einer großen Bühnenfigur, mit der sie den Vornamen teilt. Foto: Rampe/Julian Baumann

Die Performerin Lulu Obermayer heißt nach einer berühmten Bühnenfigur. Bei einem Gastspiel in der Rampe beschwört sie das dramatische Vorbild und seine Wurzeln.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Ein Aufsteller erinnert an der Treppe zum Theater Rampe ans neue Spielzeitmotto. Ja, warum ist eigentlich alles so ungerecht verteilt? Die Vornamen zum Beispiel. Jeder hat zwar einen, aber manche sind ungleich spannender als die meisten anderen.

 

„Ich heiße nach einem Theaterstück, einer Oper, einem Film“, wird die Performerin Lulu Obermayer, die mit ihrem Solo „Lulu“ an zwei Abenden in der Rampe zu Gast ist, später auf der Bühne sagen. Darum, wie und warum sie zu ihrem Namen kam, geht es darin eine Stunde lang.

Zwischen Schönheit und Übeln

Eine Einführung aus dem Off macht klar, während sanft blinkendes Licht die Bühne in einen gemütlichen Ort verwandelt, dass es auch im Fall des Vornamens Lulu um ungerechte Verteilung geht. Inspiriert hat Frank Wedekind zu seinem berühmten Stück die Figur der Pandora. Und der hatten die Götter alle Schönheit und alle Übel der Welt zugleich mitgegeben.

Lulu Obermayer Foto: Rampe/Julian Baumann

Für eine wie Lulu lässt dann auf der Bühne jeder und jede Reichtum und Ansehen sausen. Die Freiheit, die sich diese Frau deshalb nimmt, faszinierte und irritierte die Mutter der Performerin bei der ersten Begegnung mit Alban Bergs Oper. Ganz „grundsätzliche Frauenfragen“ spiegelten sich für sie in dieser Figur. „Für mich ist das der souveränste Frauencharakter.“ Auch der Vater spricht als trickreiche Projektion aus dem Bühnennebel zu uns über seine Lulu-Begeisterung und wabert wie ein Geist. „Können wir uns es trauen?“, fragt die Mutter. Bei Wedekind nehme Lulu schließlich ein schreckliches Ende.

Schließlich haben sie es getan – das mit dem Vornamen. Und so beschwört ihre Tochter, mit riesiger Perlenkette bewaffnet, in einer Art Performance-Séance aus den rauschenden Nebeln andere Lulus herauf. Opernsängerinnen und Schauspielerinnen treten auf, verführerische rote Lippen sprechen, Wedekinds Frau Tilly wird aus „Lulu, die Rolle meines Lebens“ zitiert und Louise Brooks aus ihren Memoiren „Lulu in Hollywood“. Facetten erster Daseinsformen weiblicher Emanzipation fallen wie später große Perlen in Lulu Obermayers Performance und kullern ins Leere der Bühne.

Brücke in die Gegenwart

Wie fühlt man sich als Trägerin eines großen Vornamens? Was macht er mit einer 1989 geborenen Frau? Die eigene Befindlichkeit spart die Münchner Performerin leider aus. So rauschen in „Lulu“ die Dialoge wie Geister an uns vorbei. Den Sprung in die Gegenwart, in der die Freiheitsliebe von Frauen nach wie vor tödlich enden kann, muss jeder selbst im Kopf unternehmen.

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