Stuttgart - Bei der Robert-Bosch-Stiftung blicken viele Beschäftigte mit Sorgen ins neue Jahr. Kurz vor Weihnachten überraschte die Geschäftsführung mit schlechten Nachrichten: Bis Ende 2022 soll die 200-köpfige Belegschaft um ein Fünftel schrumpfen. An diesem Donnerstag beginnen interne Gespräche über den in der Geschichte der Stiftung beispiellosen Personalabbau. Nach Auskunft des Betriebsrats herrscht unter den Mitarbeitenden „große Verunsicherung“.
Andere Stiftungen schauten bisher oft neidvoll auf die Bosch-Stiftung, die Hauptgesellschafterin des Unternehmens ist und von dessen Erträgen lebt. Mit Geld und Personal schien diese üppig ausgestattet: Das jährliche Fördervolumen lag lange über 100 Millionen Euro, zuletzt etwas darunter. Um die Verwendung der Mittel kümmerten sich rund 200 Beschäftigte an den Standorten Stuttgart und Berlin. Zum Vergleich: die landeseigene Baden-Württemberg-Stiftung, die von den Erträgen eines milliardenschweren Kapitalstocks zehrt, investiert jährlich 30 bis 40 Millionen Euro und hat gut 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Struktur soll der neuen Strategie folgen
In den vergangenen Jahren war die Belegschaft der Bosch-Stiftung kontinuierlich gewachsen; Personalabbau kannte man nur von anderswo. Mit dem nun verkündeten Schrumpfkurs soll die Struktur an die inhaltliche Neuausrichtung angepasst werden, wie die Geschäftsführer Sandra Breka und Bernhard Straub erläuterten. Die seit 2019 erarbeitete Strategie sieht vor, dass sich die Stiftung künftig auf drei Fördergebiete konzentriert: Gesundheit, Bildung und globale Fragen. Innerhalb dieser Felder wurde die Zahl der Themen von einst 34 auf zehn reduziert. Dabei setze man stärker auf die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren oder in Allianzen und werde deutlich weniger operativ tätig sein. Mit weniger Personal solle die gemeinnützige Fördertätigkeit „noch gezielter und effizienter“ verfolgt werden.
Als Ziel wird intern eine Reduzierung auf 155 Vollzeitstellen genannt. Der Abbau solle „sozialverträglich und über Fluktuation“ erfolgen und bis Ende nächsten Jahres umgesetzt sein, teilte die Geschäftsführung mit. Diese Vorgaben werden in der Belegschaft als ausgesprochen ambitioniert eingestuft. Die erwarteten Instrumente wie Altersteilzeit oder das Auslaufen von Zeitverträgen dürften kaum ausreichen, um das Ziel zu erreichen. Vom Betriebsrat hieß es, man habe noch keine genauen Informationen über die Abbaupläne; daher sei keine Aussage möglich, „wie sozialverträglich der Prozess gestaltet werden kann“. Mit Spannung wird nun unter anderem erwartet, ob Beschäftigte direkt angesprochen werden mit dem Ziel, sie zum Ausscheiden zu bewegen.
Dividende vom Bosch-Konzern stark gesunken
Nach Auskunft einer Stiftungssprecherin ergeben sich die Umbaupläne alleine aus der strategischen Neuausrichtung. Auch wenn die Ausschüttungen des Unternehmens wieder stiegen, bleibe die Stiftung mit der neuen Struktur „zukunftsfähig aufgestellt“. Seit 2016 orientiere sich die Dividende stärker am wirtschaftlichen Erfolg des Bosch-Konzerns. Nach einem Spitzenwert von 216 Millionen für das Jahr 2018 sank sie auf 106 Millionen Euro für 2019 und gerade noch 60 Millionen Euro für 2020. Das Fördervolumen reduzierte sich entsprechend von 153 Millionen auf 80 Millionen Euro; im laufenden Jahr dürften es 88 Millionen Euro werden. In den guten Jahren habe man Rücklagen gebildet, die nun unter anderem für den geplanten Gesundheitscampus rund um das Robert-Bosch-Krankenhaus verwendet würden.
In der Belegschaft werden die Abbaupläne teile als böse „Bescherung“ in der Vorweihnachtszeit gewertet. Ein Aufschub ins neue Jahr hätte aber nichts gebracht, erwiderte die Geschäftsführung: Für solche Einschnitte gebe es nie einen guten Zeitpunkt.