Personalvorständin gibt Tipps So punkten Bewerber bei der EnBW

, aktualisiert am 23.07.2023 - 16:48 Uhr
Der EnBW-Personalvorständin Colette Rückert-Hennen ist es wichtig, dass Bewerber Veränderungsfähigkeit mitbringen. Foto: /Catrin Moritz

Die EnBW ist ein großer und vielseitiger Arbeitgeber in der Region. Personalvorständin Colette Rückert-Hennen verrät, worauf es bei der Bewerbung ankommt.

Karlsruhe - Der Energiekonzern EnBW sucht aktuell mehr als 600 neue Mitarbeiter mit den verschiedensten Profilen. Bewerber müssen nicht zuletzt Lust auf Wandel und Veränderung haben, sagt die Personalvorständin, Colette Rückert-Hennen, und erklärt, was der EnBW sonst noch wichtig ist und worauf es im Bewerbungsverfahren ankommt.

 

Frau Rückert-Hennen, die EnBW sucht nach wie vor zahlreiche neue Mitarbeiter. In welchen Bereichen?

Wir wollen in der Tat weiterwachsen und suchen die verschiedensten Profile. Mit Blick auf unsere strategischen Wachstumsfelder vor allem in den Bereichen Stromnetze, Elektromobilität und erneuerbare Energien, aber natürlich auch beim Thema der Digitalisierung.

Was macht die EnBW zu einem interessanten Arbeitgeber für Bewerber?

Wir sind ein Unternehmen mit einer klaren Vision und strategischen Ausrichtung, mit flachen Hierarchien und einer offenen Unternehmenskultur. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vereint der Anspruch, Zukunft gestalten zu wollen. Denn bei uns kann man einen direkten Beitrag zur Energiewende, zu nachhaltiger Mobilität und zu vielen weiteren Themen unserer Zukunft leisten. Bei uns treffen spannende Aufgaben auf eine moderne Arbeits- und Führungskultur: Wir arbeiten in vielen Bereichen agil und bereichsübergreifend. Mobil von zuhause aus zu arbeiten ist ebenso willkommen wie der feste Arbeitsplatz im Büro, und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern wir beispielsweise durch Führungsmodelle in Teilzeit. Es gibt also viele gute Gründe, zur EnBW zu kommen.

Und was macht Bewerber interessant für die EnBW?

Wir suchen Talente, die gestalten und verändern wollen, die offen für Neues sind und Themen aktiv anpacken. Die EnBW hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert, und diese Veränderungsfähigkeit wünschen wir uns auch von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

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Welche Rolle spielen Schul- und Uninoten?

In der Zukunft möchten wir noch viel mehr auf das Potenzial der Menschen schauen. Natürlich spielen der akademische oder fachliche Hintergrund eine Rolle, aber der Fokus liegt klar auf den Inhalten und Fähigkeiten, weniger auf den Noten. Denn es sind vor allem überfachliche Kompetenzen wie Veränderungsbereitschaft, Kundenorientierung oder auch der Wille, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, die stärker ins Gewicht fallen werden und nach denen wir entsprechend suchen.

Wie sieht es mit Bewerbern aus, die einen Bruch im Lebenslauf haben?

Es gibt verschiedenste Gründe für so genannte Brüche im Lebenslauf, das ist keineswegs ein Ausschlusskriterium. Ganz im Gegenteil. Uns interessieren die Hintergründe, die zu bestimmten Entscheidungen in der Vergangenheit geführt haben, wie jemand damit umgegangen ist und was daraus mitgenommen wurde. Eine Offenheit für Veränderungen und neue Wege, die dazu geführt haben, dass ein Lebenslauf nicht linear verlaufen ist, kann eine Kompetenz für sich sein.

Haben ältere Bewerber jenseits der 50 bei der EnBW eine Chance?

Eindeutig ja. Wir suchen den besten Match beziehungsweise den besten Kandidaten für unsere Stellen. Dabei spielt es für uns keine Rolle, welche Geschlecht- oder geschlechtliche Identität, welche sexuelle Orientierung, welches Alter, welche Herkunft, Religion oder Weltanschauung die Person hat oder ob sie eine Beeinträchtigung hat. Wir stehen für Vielfalt, und das soll man in unseren Teams auch spüren.

Der Bewerbungs- und Einstellungsprozess der EnBW läuft mittlerweile virtuell ab. Wie kann man sich das vorstellen? Werden Bewerbungen bei der EnBW noch von Menschen gelesen, oder erledigt das eine Recruiting-Software?

Das Screening, also die Sichtung der Bewerbungen, übernehmen selbstverständlich weiterhin Menschen. Gerade in einem digitalen Umfeld ist die menschliche Kompetenz besonders wichtig. Dafür setzen wir auf einen hybriden Ansatz, der digitale und physische Elemente vereint und die Möglichkeit bietet, individuell auf die Kandidaten und Kandidatinnen und die Anforderungen der jeweiligen Stelle zu reagieren. Der Prozess des Einreichens der Bewerbung sowie die Sichtung der Unterlagen läuft schon lange Zeit papierlos ab. Wenn es nach der Sichtung durch die Personalbereich und den Fachbereich zu einem Interview kommt, findet dieses in Form eines Live-Videointerviews statt. Optional können daraufhin weitere Berührungspunkte zwischen der EnBW und dem Bewerber auch in physischer Form stattfinden. Im Anschluss geht es bei einer Einstellung direkt weiter in den digitalen sogenannten Pre- und Onboardingprozess, der die Vertragsanbahnung inklusive der Angebotsverhandlung und des digitalen Vertragsversands bis hin zu virtuellen Onboarding-Events umfasst. Bei letzterem werden die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der EnBW willkommen geheißen. Der erste Arbeitstag findet wiederum in der Regel in physischer Form vor Ort statt – unter Corona mag es hier Ausnahmen gegeben haben – um einen guten Start zu gewährleisten.

In angloamerikanischen Ländern ist es unüblich geworden, der Bewerbung ein Foto hinzuzufügen – ist bei der EnBW ein Bild ein Muss?

Nein, auf das Foto darf sehr gerne verzichtet werden. Gerade im Hinblick auf eine faire und objektive Auswahl plädieren wir sogar dafür, kein Foto zu verwenden. Im Übrigen verlangen wir auch kein klassisches Anschreiben mehr.

Worauf achten Sie bei dem Motivationsschreiben?

Da wir kein klassisches Anschreiben mehr verlangen, stellen wir alternativ bei Bedarf individuelle Fragen. Dabei ist uns wichtig, auf den Punkt zu kommen: Was treibt jemanden an, sich für die Stelle zu bewerben?

Wie sieht das weitere Verfahren nach einer Bewerbung aus?

Bewerber erhalten eine Eingangsbestätigung, die Bewerbung wird gesichtet und durch den Personalbereich an den rekrutierenden Fachbereich weitergeleitet. Optional gibt es ein kurzes virtuelles Vorab-Gespräch, dann ein Vorstellungsgespräch per Videointerview mit Personalbereich und Fachbereich. Es folgt die Benachrichtigung zur Entscheidung und gegebenenfalls die Unterbreitung eines Angebots. Nach Zustimmung des Betriebsrats wird der Vertrag digital versendet, mit elektronischer Signatur unterzeichnet und zurückgesendet und es folgt ein nahtloser Übergang in die Pre- und Onboarding-Phase.

Kann man sich auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten, oder ist davon eher abzuraten?

Wir möchten den Kandidaten/die Kandidatin authentisch kennenlernen. Häufig sind Situationen aus der bisherigen Laufbahn interessant, um den Menschen hinter der Bewerbung besser kennenzulernen. Eine persönliche Reflexion der letzten Stationen kann hilfreich sein. Ansonsten bedarf es keiner besonderen Vorbereitung.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass eine Bewerberin, ein Bewerber sich mit dem Unternehmen EnBW im Vorfeld beschäftigt hat?

Uns ist wichtig zu verstehen, was jemanden dazu motiviert, bei der EnBW zu arbeiten und was ihn oder sie antreibt. Dafür muss ein Kandidat kein Energiebranchen-Experte sein oder die EnBW im Detail kennen. Kandidaten und Kandidatinnen sollten aber für sich abwägen, ob die EnBW und das, wofür sie steht, als potenzieller neuer Arbeitgeber in Frage kommt und welchen Beitrag zum Unternehmenserfolg sie selbst leisten wollen.

Was außer der beruflichen Qualifikation macht Mitarbeiter aus, nach denen Sie suchen?

Werte und Einstellungen, die die Person ausmachen. Der Wille, die Zukunft mitzugestalten, Offenheit für Veränderungen, der Wunsch, sich selbst weiterzuentwickeln und zu lernen, mutig neue Dinge auszuprobieren. Wir sagen gerne, dass es bei der EnBW menschelt, denn die gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung ist uns sehr wichtig.

In welchem Ausmaß werden Stellen für Fach- und Führungskräfte nicht intern, sondern mit externen Bewerbern besetzt?

Wo immer möglich, besetzen wir Stellen intern nach – und geben so unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Chancen, sich weiterzuentwickeln und neue Dinge zu lernen. Wir haben eine Belegschaft, von der viele Menschen über Jahrzehnte bei der EnBW arbeiten, da sind interne Veränderungen eine Bereicherung für das Unternehmen und die Menschen. Da wir aber auf Wachstumskurs sind, stellen wir auch extern verstärkt ein. Bei jeder Stelle geht es für uns darum, die bestmögliche Besetzung zu finden.

Stellen Sie die Frage danach, was eine Bewerberin, ein Bewerber persönlich für seine größte Schwäche hält?

Wir fragen lieber nach Entwicklungsfeldern und -potenzialen. Beispielsweise, welches Feedback man schon einmal erhalten und was man daraus mitgenommen hat. Es geht nicht darum, die größte Schwäche zu identifizieren, sondern herauszufinden, wie selbstreflektiert ein Kandidat/eine Kandidatin ist. Ob er/sie sich mit den eigenen Entwicklungsfeldern beschäftigt, sich diesen bewusst und bereit ist, zu lernen und sich zu verbessern.

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Welche Antwort auf die Frage nach der größten Schwäche können Sie nicht mehr hören?

Um ehrlich zu sein, gibt es da keine falschen Antworten. Es kommt immer auf die individuelle Situation der Kandidatin oder des Kandidaten an und darauf, wie stark sich jemand reflektiert. Jedes Gespräch und jede Antwort ist anders. Uns ist Authentizität der Person und eine ehrliche Antwort wichtig.

Die EnBW ist ein Unternehmen, das sich – auch kulturell – nach wie vor in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Hat dieser Wandel einen Einfluss darauf, welche Eigenschaften der EnBW bei Mitarbeitern besonders wichtig sind?

Wir sind stolz auf unsere Transformation, die als grundlegender Wandel unseres Geschäftsmodells sowie unserer Kultur auch immer mit Unsicherheit verbunden ist. Personen, die einen solchen Wandel mitgestalten, mittreiben und ihre eigenen Impulse setzen wollen, sind hier natürlich besonders wichtig. Außerdem erfordert der Wandel des Unternehmens auch Veränderungsfähigkeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sie sollten offen sein für Neues, Chancen im Neuen erkennen und gleichzeitig mutig sein, auch kritisch zu hinterfragen.

Welche Qualifikationen und Ausbildungsrichtungen sind bei Fach- und Führungskräften angesichts des Wandels besonders gefragt?

Die genannten überfachlichen Kompetenzen sind insbesondere in Zeiten der Transformation wichtig. Darüber hinaus werden digitale Fähigkeiten und Kenntnisse zunehmend wichtig und eine gewisse Affinität, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen. Durch die Digitalisierung verändern sich Berufs- und Jobprofile nahezu in allen Segmenten. Die Fähigkeit, mit Daten umzugehen und sie zu analysieren, wird dabei gefragt sein.Aber auch unsere Zusammenarbeit ist in einigen Bereichen immer stärker von Technologien und Digitalisierung geprägt und erfordert auch hier eine gewisse Bereitschaft sich darauf einzulassen und auseinanderzusetzen.

Lässt sich der berufliche Aufstieg bei der EnBW planen?

Durch den Wandel des Unternehmens und unsere vielfältigen Bereiche ergeben sich immer wieder neue Möglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich weiterzuentwickeln. Das muss nicht die klassische Karriereleiter sein. Es gibt sowohl die Entwicklung in eine Führungsrolle als auch die Laufbahn eines Fachexperten. „Planen“ im klassischen Sinne kann man dies in meinen Augen nicht. Man muss wissen, was man möchte, hart an sich arbeiten, das entsprechende Netzwerk aufbauen und dann die Chancen, die sich ergeben, nutzen. Dafür kann es aber auch einmal nötig sein, einen Schritt zur Seite zu machen. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aktiv dabei, sich zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

Kann aus einer qualifizierten Fachkraft ohne weiteres eine gute Führungskraft werden?

Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter den Wunsch verfolgt, eine Führungsrolle zu übernehmen, wird sie/er dabei unterstützt, sich in diese Rolle hinein zu entwickeln. Häufig braucht es dafür zunächst gezielte Entwicklungsschritte, um Kompetenzen auszubauen, die für eine gute Führungskraft von Bedeutung sind. Der fachliche Hintergrund ist für Führungsaufgaben nicht im Vordergrund, sondern die Führungsfähigkeiten. Darüber hinaus entwickeln wir in vielen Bereichen agile Strukturen mit agilen Führungsrollen. Für eine gut qualifizierte Fachkraft kann daher auch eine fachliche Führungsposition spannend sein.

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