Peter Kraus über das Alter und seine Ehe „Ich bin kein Grübler“
Deutschlands erster Rockstar geht mit 83 Jahren wieder auf Tournee. Ein Gespräch über junge und alte Männer, gute Weine und alte Autos.
Deutschlands erster Rockstar geht mit 83 Jahren wieder auf Tournee. Ein Gespräch über junge und alte Männer, gute Weine und alte Autos.
Und er singt immer noch: Auch mit 83 Jahren geht Peter Kraus wieder auf Tour. Ein Gespräch über das Alter, das Geheimnis seiner Ehe und seine Oldtimer.
Herr Kraus, mögen Sie es eigentlich, wenn man über Ihr Alter spricht?
Wie alt bin ich denn?
83 Jahre. Müssen Sie da selbst manchmal überlegen?
Ja. Das interessiert mich selbst nicht wirklich. Interessant ist, wie es mir geht. Und mir geht’s gut.
Sind Sie Akzeptierer oder Verdränger?
Beides, ich verdränge und akzeptiere es. Mein Geburtstag ist mir nicht wichtig. Ich habe auch einmal vergessen, wie alt ich eigentlich wurde. Das war sehr, sehr lustig.
Wer hat Sie daran erinnert?
Meine Frau. Wir waren in Salzburg, schön essen, nur wir zwei. Und ich sagte: „Ui, jetzt bin ich auch schon 47.“ Meine Frau lachte und korrigierte mein Alter um ein Jahr nach oben.
Sie feiern nun Ihre sechste Abschiedstour.
Das stimmt. Vor Corona haben wir drei Jubiläen gefeiert: 80. Geburtstag, 50 Jahre verheiratet und meine fünfte Abschiedstournee. Das scheint lange her. In der Coronazeit haben wir per Telefon und Internet sehr viel Musik gemacht. Und dann haben wir diese Platte entwickelt und die Plattenfirma wollte die unbedingt haben. Und wenn man eine neue Platte hat, will man die ja auch live präsentieren. Und nicht nur seinen Freunden schenken, damit sie die zu Hause anhören können.
Aber warum tun Sie sich das Touren noch an? Das ist ja auch Stress.
Dieses Mal hat es sich einfach ergeben. In dieser trostlosen Coronazeit habe ich mich mit der Musik beschäftigt, mit der ich aufgewachsen bin. Das war das American Songbook, das war Sinatra, Sammy Davis Jr. Und so weiter. Das waren meine Idole, bevor der Rock ’n’ Roll kam. Und so ist die Idee entstanden, dass man so etwas auf Deutsch machen sollte. Das interessiert die älteren Leute.
Auf „Idole“ sind Leute wie Helge Schneider, Annett Louisan oder auch Götz Alsmann dabei. Wie kam es dazu?
Ganz einfach per Telefon. Egal ob Till Brönner, Götz Alsmann oder Helge Schneider – alle waren sofort dabei. Das ist aber ganz logisch. Diese Musik ist die Basis unserer ganzen Unterhaltungsmusik. Und ich muss sagen, dass das alles damals wertvoller war, gerade in Sachen Komposition. Heute ist Musik von der technischen Seite brillant gemacht. Aber ich finde, dass ein Song dann gut ist, wenn man die Melodie auf einem Kamm spielen kann und es ein Hit ist.
Lassen Sie uns musikalisch noch weiter zurückgehen: Welche Rolle spielte denn Ihr Vater in Ihrer musikalischen Erziehung?
Er war ein Operettensänger, und wir haben schon früh miteinander gesungen. Ich hätte das Ganze gar nicht geschafft, wenn ich nicht durch meinen Vater eine musikalische Erziehung genossen hätte – auch mit hochwertiger amerikanischer Musik, die mein Vater in Bars gesungen hat. Ich war schon früh Amerika-Fan. Nebenan war eine riesige Villa von Amerikanern besetzt. Die Soldaten kamen mit Jeeps und hatten immer eine Tafel Schokolade und Kaugummi für mich. So träumte ich schon mit sieben Jahren von Amerika, weil ich dachte, dass dort die tollen Menschen herkommen. Sonst hätte ich ja gar nicht gewusst, dass es dort auch die gute Musik gab. Mein erstes Idol war Les Paul.
Sie wurden schnell zum Teenieschwarm. Ihr Schicksal war, dass junge Mädchen in Ohnmacht fallen.
Ein fürchterliches Schicksal. Ich habe gelitten (lacht).
Heute passiert das bei Harry Styles.
Den kenne ich nicht. Woher kommt der?
Aus England.
Da kommen die letzten großen Stars ja alle her. So wie Ed Sheeran.
Sie haben sich musikalisch immer schon an Amerika orientiert. Warum das?
Dazu kann ich nur sagen, dass die Ausländer erfinderischer sind. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen, dass der deutsche Schlager für mich immer dasselbe ist, er wird nur von neuen Leuten interpretiert, aber es wird keine neue Musik gemacht. Das ist das Tragische. Und das wird natürlich immer tragischer werden. Früher gab es im Radio noch einen Menschen, der eine Platte ausgewählt hat. Der hat sie kritisiert und am Mikro zerrissen, wenn sie ihm nicht gefallen hat. Heute wird nur noch das gespielt, was sowieso schon gut ankommt. Es ist wahnsinnig schwer geworden, etwas Neues zu machen. Der Rock ’n’ Roll wurde ja zu Beginn als Untergang des Abendlandes bezeichnet. Die Eltern haben es den Kindern verboten. Dann hat man es heimlich gehört. Ich habe Briefe bekommen, dass Mädchen ihre Petticoats mit meinen Platten versteckt haben.
Sie waren sehr populär bei jungen Frauen. Sie sind seit mehr als 50 Jahren mit Ihrer Frau verheiratet.
Das eine schließt das andere nicht aus. Bei mir ist das alles schon sehr gut gelaufen. Das hat sich aufgrund meines Erfolgs etwas verschoben. Ich habe mit der Flirterei und den Mädchen etwas früher angefangen. Dann habe ich meine Frau kennengelernt. Und da war das Gefühl da, dass es die Richtige ist.
Was ist der Trick, dass eine Ehe so lange Bestand hat?
Da gibt es keinen Trick. Ich kann da keine Tipps geben. Das können nur Leute, die ihre Ehe gerettet haben. Und die sich vielleicht stundenlang hinsetzen und Gespräche führen und dann wieder den richtigen Weg einschlagen. Ich habe mit meiner Frau nie über unsere Ehe gesprochen.
Sie haben nie über Ihre Ehe gesprochen?
Nein, das haben wir nie gemacht. Wir haben uns auch nie gestritten. Ich finde streiten total unsinnig.
Sie haben sich 2013 ein altes Bauernhaus in der Südsteiermark gekauft und bauen Wein an. Sind Sie ein Rotwein- oder Weißwein-Trinker?
Eigentlich Rotwein. Doch die Erde ist ideal für Muskateller. Da bin ich jetzt nicht so penibel, dass ich dann nicht umsteigen kann.
Und Sie besitzen eine Oldtimer-Sammlung. Ab wie vielen Autos darf man denn von der Sammlung sprechen?
Ich weiß es gar nicht. Ich habe momentan acht oder neun.
Haben Sie einen besonderen Schatz darunter?
Der, mit dem ich die meisten Oldtimer-Rallyes und Bergrennen gefahren bin. Das ist ein AC Bristol.
Welches Baujahr?
Der ist von 1957. Ich habe aber auch einen Jaguar 600 von 1936. Den habe ich selber zerlegt und wiederaufgebaut. In vier Jahren.
Vier Jahre sind eine lange Zeit. Also sind Sie auch ein geduldiger Mensch?
Das war eine verrückte Zeit. Der war sehr gut. Ich bin noch eine Rallye in Sizilien gefahren, dann auch noch die Mille Miglia. Da hat er schon etwas gezittert. Dann ist meine Tochter an Krebs gestorben. Und ich habe etwas gebraucht, was mich ablenkt. Also bin ich in die Garage gegangen und habe das Auto zerlegt. Man stellt sich dann natürlich vor, dass man es schnell zusammenbaut. Doch das funktioniert natürlich nicht.
Es gibt das berühmte Lied „Je ne regrette rien“. Bereuen Sie etwas?
Ganz ehrlich gesagt, ich vermeide es, über so etwas nachzudenken. Ich habe wichtige Dinge zu denken, was morgen und übermorgen passiert. Ich bin mit meinem Leben voll beschäftigt. Ich bin kein Grübler.
Der Mann
Peter Kraus wurde am 18. März 1939 in München als Sohn des Schauspielers und Kabarettisten Fred Kraus geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in München, Salzburg und Wien. Mit 14 wurde er für die Verfilmung des Romans „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner zum ersten Mal vor die Kamera geholt. Mit 17 trat er als Rock’n’Roller bei einem Konzert in München auf und gals fortan mit Songs wie „Sugar Baby“ als der deutsche Elvis. In zahlreichen Musikfilmen spielte er an der Seite von Cornelia Froboess. 1969 heiratet er seine Frau Ingrid. 2013 kaufte er sich einen Hof in der Südsteiermark.
Die Tour
Seine „Meine Hits - meine Idole“-Tour startet am 4. Februar in Stuttgart in der Liederhalle. Er spielt aber auch in Ulm, Leipzig, Berlin, Baden-Baden und vielen anderen Städten.