Peter Muffin Trio im Wizemann Musik zum Ausrasten
Rock’n Roll geht nicht bloß laut, sondern auch rücksichtsvoll, wie das Peter Muffin Trio im Wizemann in Stuttgart beweist.
Rock’n Roll geht nicht bloß laut, sondern auch rücksichtsvoll, wie das Peter Muffin Trio im Wizemann in Stuttgart beweist.
Stuttgart - Ein bisschen mulmig ist es doch, nach anderthalb Jahren Konzertabstinenz wieder im Publikum in der großen Halle im Wizemann zu sein. „Schön, dass wir spielen dürfen! Es fühlt sich gut an, auch wenn ihr sitzen müsst“, strahlt Julian Knoth, in erster Funktion Bassist und Sänger der Stuttgarter Band Die Nerven, am Mittwochabend aber als Bandleader seines neuen Projektes Peter Muffin Trio von der Bühne auf die überschaubare Menge unter ihm.
Völlig sicher, dass das stimmt, wirkt er nach den ersten drei Songs allerdings noch nicht. Es sind harte, schnelle, rhythmusbetonte Stücke, die er mit seinem Bruder Philipp an den Drums und Caroline D’Orville am Bass und zweitem Mikro dem erwartungsvollen Publikum vor den Latz geknallt hat, Musik, die gemacht ist, um auszurasten, zu tanzen, die Sau rauszulassen. „Ihr dürft, glaube ich, stehen, euch aber nicht groß bewegen – so Nena-mäßig“, sagt Caroline D’Orville und grinst, „Nein, Quatsch!“
Vor Abbruch des Konzerts wie beim Berliner Open-Air-Konzert der NDW-Ikone Nena muss man beim Peter Muffin Trio keine Angst haben, die Fans sind diszipliniert und haben auf den Stühlen Platz genommen. Erst nach und nach stehen ein paar Leute auf und zappeln vorsichtig auf der Stelle. In der ersten Reihe deuten zwei Enthusiasten einen kurzen Pogo an. Es ist rührend, wie das Publikum die Balance hält zwischen Achtsamkeit und purer Freude, endlich wieder Livemusik in einem Club erleben zu können.
Nach und nach lockert sich die Stimmung, auch, weil Julian Knoth seine innere Rampensau hervorkehrt, scherzt, sich mit Caroline D’Orville kurze Verfolgungsjagden über die Bühne liefert. Anders als auf dem vielschichtigeren, Ende Juni erschienenen Album „Stuttgart 21“ serviert die Band Songs wie „Immer im Weg“ und „Fehler“ als druckvollen Gitarrenkrach. Das auf dem Album eingesetzte Saxofon fehlt, live dominiert Punk als Spielart. Julian Knoth drischt, reißt, schrammelt und kratzt die Saiten seiner Gitarre mit Furor, zum Schluss prügelt er an der Seite seines Bruders noch virtuos auf die Drums ein. Caroline D’Orville unterm goldenen Super-Girl-Cape spielt lässig federnde Bassläufe und springt in die Luft. Nach siebzig Minuten ist alles vorbei, ein kurzer, aber guter Rausch.