Petition gegen Markus Lanz Im Netz bricht ein Shitstorm los

Von Antje Hildebrandt 

Mit einer Online-Petition hat der Shitstorm gegen den Moderator Markus Lanz einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Initiatorin Maren Müller fühlt sich vom Echo überrollt. Sie schläft jetzt schlecht.

Stein des Anstoßes: Markus Lanz befragt aggressiv Sahra Wagenknecht. Foto: ZDF
Stein des Anstoßes: Markus Lanz befragt aggressiv Sahra Wagenknecht. Foto: ZDF

Stuttgart - Diese Geschichte fängt damit an, dass Maren Müller nicht schlafen kann. Sie endet damit, dass Maren Müller nicht schlafen kann. Dazwischen liegen über 130 000 Unterschriften für den Rauswurf von Markus Lanz beim ZDF - und ein Shitstorm, wie man ihn in dieser Form noch nicht erlebt hat.

Maren Müller ist die Frau, die die Online-Petition gegen den umstrittenen ZDF-Moderator initiiert hat. Sie ist 54 , Betriebswirtin und alleinstehend. Eine Frau, die ohne Punkt und Komma redet und sich politisch im Stadtbezirksbeirat engagiert. „Einen gelernten Ossi“, so nennt sie sich selber. Abends vor dem Zubettgehen schaut sie sich gerne Politik-Talks an.

Am Abend des 16. Januar war Sahra Wagenknecht zu Gast bei Markus Lanz. Es war ein gespenstisches Szenario: ein Moderator, der versuchte, die Vorzeige-Linke als Alt-Stalinistin zu enttarnen. Wagenknecht versuchte, die Verbalattacken zu ignorieren. Nach der Show sagt sie der „Bild“-Zeitung: „Das ist sicher keine Sternstunde der Streitkultur gewesen“ Ihr Bedarf an Auftritten bei Lanz sei vorerst gedeckt.

Online geht es ganz leicht

Maren Müller sagt, sie habe danach nicht schlafen können, so sehr habe sie der respektlose Umgang mit der Politikerin aufgeregt. Es sei nicht das erste Mal gewesen. Lanz schleime sich bei FDP-und CDU-Politikern ein, doch die Linke jenseits der Mitte bekomme Kloppe.

Sie hatte deswegen schon einen Leserbrief an den ZDF-Fernsehrat geschrieben. Es kam keine Antwort. Im zweiten Anlauf versuchte sie es mit einer Online-Petition.

Das geht kinderleicht. Auf der Seite www.openpetition. de kann jeder ein Formular ausfüllen und ins Internet stellen. Und jeder, der will, kann es kommentieren, ohne dass ein Moderator seinen Beitrag vorher gegenliest.

Hohn und Spott gegen Lanz

Ein Mausklick nur, eine Stimme, ein Schnellschuss. Es ist ein beliebtes Instrument für Lokalpolitiker, um sich eine Lobby für ihre Projekte zu schaffen. Für die Aufhebung der Sperrzeit in Gaststätten. Gegen den Bau einer Moschee. So war es gedacht. Jetzt hielt die Online-Petition plötzlich als Waffe im Kampf gegen einen Prominenten her, obendrein gegen einen, den die Internet-Gemeinde schon lange mit Hohn und Spott verfolgt.

Lanz-Bashing ist so etwas wie eine Trendsportart geworden, seit Lanz 2008 von RTL zum ZDF gewechselt ist und sich dort als Mann für alle Fälle empfahl, erst als Talker und dann als Moderator von „Wetten, dass . . ?“ Es ging nicht gut. Die Quote sinkt. Hollywood lachte ihn aus. Die Presse ätzt, er könne es eben nicht.

Die Twitterer lauern schon auf den nächsten Patzer. Der Hashtag #Lanz rangiert schon seit Wochen in den Top Ten der Twitter-Charts. Das muss man wissen, um zu verstehen, warum binnen einer Woche über 130 000 Menschen die Online-Petition unterschrieben: „Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!“

„Wetten, dass.  . ?“ profitiert nur kurzfristig

Es ist eine merkwürdige Koalition von frustrierten Gebührenzahlern, von „Wetten, dass . . ?“-Nostalgikern und Twitter-Piraten, die sich unter diesem Schirm versammelt. Man ist geneigt, von einer Hasskampagne zu sprechen. „Arroganter Gockel“ ist noch einer der schmeichelhafteren Kommentare über Lanz.

„Da hat sich einiges aufgestaut“, sagt Christian Scherg, der Autor des Buches „Rufmord im Internet“. Er sagt, Lanz sei nicht gut beraten, sein Image als Mann für alle Fälle zu kultivieren. Kein Mensch wisse, wofür die Marke Lanz stehe. Das fordere die Internet-Gemeinde heraus, „so lange am goldenen Panzer zu kratzen, bis sie rostige Stellen findet.“ „Wetten, dass . . ?“ würde jetzt zwar kurzfristig vom Rummel um die Causa Lanz profitieren, doch der Imageschaden für den Moderator sei kaum noch reparabel. „Man kann jetzt eigentlich nur noch die Scherben zusammenkehren:“

Maren Müllers Stimme zittert ein bisschen, wenn man sie fragt, ob sie geahnt habe, was sie mit ihrer Online-Petition ausgelöst hat. Sie sagte, sie kämpfe ja „um mehr Niveau“ im Fernsehen, nicht gegen die Person. Es wird ihr jetzt alles ein bisschen zu viel. Das ZDF hat sich zwar immer noch nicht gemeldet. Aus der Pressestelle verlautet in dürren Worten, man stehe hinter Lanz. Doch sonst haben schon fast alle Medien angerufen, sogar die „Neue Post“. Maren Müller schläft jetzt nicht mehr besonders gut. Sie sagt: „Die Geister, die ich rief, die werde ich nicht mehr los.“