Pferde-Osteopathie Damit das Pferd wieder rund läuft

Von Mara Gill 

Pia Senkowski hilft den Vierbeinern, wieder den richtigen Tritt zu finden – ganz ohne Schmerzen.

Pia Senkowski erspürt mit den Händen, wo dem Pferd der „Schuh“ drückt. Foto: privat
Pia Senkowski erspürt mit den Händen, wo dem Pferd der „Schuh“ drückt. Foto: privat

Rutesheim - Wer kennt das lästige Gefühl nicht: Ein kleiner piksender Stein ist in den Schuh geraten und macht sich Schritt für Schritt bemerkbar. Ganz automatisch nehmen Menschen in solch einer Situation eine etwas andere Haltung ein oder laufen eingeschränkter, bis das Übel entfernt ist. Sie kompensieren das Problem, dies ist ein natürlicher Mechanismus des Körpers. Genau diesen Mechanismus gibt es auch bei Pferden. Doch nicht immer ist diese Funktion von Nutzen. Vor allem, wenn man seine Beschwerden nicht mitteilen kann. Das Überspielen von körperlichen Einschränkungen beim Pferd hat oft zur Folge, dass ernsthafte Probleme erst spät erkannt werden. Die Störungen können beim Pferd auf Dauer sogar zu Blockaden führen.

Bei der Osteopathie geht es nicht nur darum, solche Pro­bleme zu behandeln, wenn es schon fast zu spät ist. Sie hat außerdem den Anspruch, Vorsorge zu betreiben. „Im Grunde geht es darum, Probleme im Keim zu ersticken, bevor sie überhaupt auftreten“, erklärt Pia Senkowski. Die Rutesheimerin ist Pferde-Osteopathin. Osteopathie gehört zum Bereich der Alternativmedizin. Ein Leitsatz ist das Arbeiten mit den Händen und das Betrachten des gesamten Körpers. Immer mehr Pferdehalter und Turnierreiter setzen ihr Vertrauen in solche ganzheitlichen Methoden, die auch das Zusammenspiel von Pferd und Reiter berücksichtigen.

Arbeiten mit den Händen

Pia Senkowski ist mit Pferden aufgewachsen, ihr Großvater war Züchter. So ist es der Pferdeliebhaberin ein besonderes Anliegen, bei den Menschen ein Bewusstsein für die Anatomie des Pferdekörpers zu schaffen. Idealerweise werden durch ihre Hilfe Anzeichen künftig früher erkannt.

Die junge Frau hat ihre Ausbildung beim Deutschen Institut für Pferde-Osteopathie (DIPO) gemacht. Um die pferdeosteopathische Ausbildung zu absolvieren, ist erst einmal eine Basisausbildung als Tierarzt, Arzt oder Physiotherapeut notwendig. Bei Senkowski ist Letztgenanntes der Fall.

„Der Ursprung der Osteopathie sieht das Arbeiten nur mit den Händen vor. Bei einer Erstbehandlung gehe ich ähnlich vor.“ So lässt sich zum Beispiel ein Befund wie eine Muskelverspannung, die Blockaden auslöst, durch reines Fühlen feststellen. Massagen und Impulse am Gelenk führen zu einem Lösen der Verspannungen. Anschließend werden natürlich je nach Prognose auch andere Methoden angewandt. Bei akuten Schmerzen kommt die Akupunkturnadel zum Einsatz. „Dry Needling“ (trockenes Nadeln) nennt sich das. Eine Sitzanalyse per Video während des Reitens ist ebenfalls oft notwendig. Für viele ist es neu, dass ein Problem beim Pferd auch am Reiter selbst liegen könnte, sagt die Pferde-Osteopathin. Schon eine schiefe Rückenhaltung hat Auswirkungen auf den Vierbeiner. Umgekehrt kann eine Fehlhaltung beim Pferd auch negative Folgen für den Reiter haben.

Vom Kiefer bis zum Schweif

Die Betrachtung des ganzen Körpers spielt in der Osteopathie eine wichtige Rolle. So untersucht Pia Senkowski das Tier vom Kiefer bis zum Schweif. „Da das Kiefergelenk anatomisch mit dem Kreuzgelenk zusammenhängt, sind faulige Zähne eventuell ein Auslöser für Rückenbeschwerden“, weiß sie aus Erfahrung.

Aktuell im Kommen ist neben den bewährten Behandlungsansätzen auch eine, die keinen speziellen osteopathischen Befund erfordert: Arbeit mit Blutegeln. Sie bewirken durch ihren Speichel einen natürlichen Aderlass. Denn der Speichel enthält entzündungshemmende, schmerzlindernde und gewebelockernde Enzyme. „Die arzneimittelpflichtigen Blutsauger kommen bei offenen Wunden oder Narben zum Einsatz“, erklärt sie.

Mittlerweile wurde nachgewiesen, dass krankes Wild sich bei frischen Verletzungen gezielt Gewässer mit Blutegeln sucht, berichtet Senkowski. Gerade bei frischen Verletzungen seien sie eine gute Alternative zu Schmerzmitteln. Gut kombinierbar sei dies auch mit einer tierärztlichen Behandlung.

Die Zusammenarbeit mit Tierärzten ist der Osteopathin sehr wichtig, sagt sie. „Ich arbeite eng mit den Ärzten zusammen. Der Gedanke in der Osteopathie und auch meine Wunschvorstellung ist ein interdisziplinäres Zusammenarbeiten von allen, die am Wohl des Pferdes beteiligt sind. Da sind vom Tierarzt über den Reiter bis zum Hufschmied alle mit dabei“.