Pferdemarkt in Leonberg Die Zahl der Hufe ist gesunken
Für den traditionellen Handel beim Pferdemarkt sind in diesem Jahr weniger Händler und Tiere angemeldet als in der Vergangenheit. Für die, die da sind, hagelt es aber erste Preise.
Für den traditionellen Handel beim Pferdemarkt sind in diesem Jahr weniger Händler und Tiere angemeldet als in der Vergangenheit. Für die, die da sind, hagelt es aber erste Preise.
Ist das etwa Kaffee? Das Pferd mit der Nummer 5 am Zaum streckt neugierig den Hals in Richtung eines dampfenden Bechers, an dem gerade eine Besucherin schlürft. In letzter Sekunde zieht sie das Getränk doch noch weg – sie braucht es wohl dringender als das Tier vor ihr. Um 8 Uhr morgens sind auf dem Leonberger Marktplatz, wo am Pferdemarktsdienstag noch gemäß der Tradition gehandelt wird, die Vierbeiner in der Überzahl. Das soll sich bald ändern, spätestens, wenn in Schloß- und Klosterstraße die Tiere prämiert werden.
Trotzdem, leerer ist es auf dem Marktplatz als in früheren Jahren. Rund 30 Tiere sind an hölzernen Balken angeleint, wo es früher, je nach Wetter, auch mal gut doppelt so viele waren. Angemeldet hatten sich laut Stadtverwaltung sieben Händler mit 54 Tieren, weniger als im vergangenen Jahr.
Warum? Liegt wahrscheinlich an der Konkurrenz, vermutetet Preisrichter Helmut Kayser. Denn in Herrenberg ist ebenfalls Pferdehandel angesagt, dort immer traditionell am Fasnetsdienstag, ein Termin, der in diesem Jahr nur zufällig auf den selben Tag wie der Pferdemarkt fällt. Laut Sebastian Küster, Pressesprecher der Stadt Leonberg, sind die Gründe für die schrumpfende Zahl an Pferden vielzählig. So müssten die Pferdehändler für den Transport der Tiere zahlen, auch Verkäufe über das Internet hätten zugenommen. Darüber, was gut und was im kommenden Jahr besser laufen könnte, wolle man im Nachgang des Pferdemarktes sprechen.
Immerhin: „Heute haben wir sehr gutes Material“, kommentiert Kayser per Mikrofon, während gerade eine vierjährige Warmblutstute die Klosterstraße entlang trabt. „Gerade Gliedmaßen und schöner Gesichtsausdruck, aber im Trab nicht ganz so schwungvoll“, kommentiert der Preisrichter. Das soll aber nichts schlechtes heißen. „Das Pferd muss mitspielen“. Das tut die Stute – und bekommt prompt den ersten Preis.
Überhaupt verteilen Kayser und seine Kollegen an diesem Tag fast ausschließlich erste Preise. „Im Durchschnitt ist die Qualität besser geworden“, sagt Tierarzt Hans-Peter Philippin, der die Tiere beim Pferdehandel seit 36 Jahren begutachtet. „Besonders in den letzten fünf Jahren.“ Beim Beurteilen der Pferde achtet Philippin etwa auf den Zustand der Pferde oder Lahmheit im Schritt. In der Vergangenheit habe er Tiere auch mal weggeschickt, beispielsweise wegen mangelhafter Hufpflege. Inzwischen passiert das kaum noch, auch in diesem Jahr nicht. „Keine Mängel“, bestätigt Kayser.
Während in Schloß- und Klosterstraße ein ums andere Pferd über die Pflastersteine marschieren, werden auf dem Marktplatz besonders die kleinen Artgenossen begutachtet – das ein oder andere mutige Kind streckt sogar die Hand aus, um samtige Nasen zu streicheln. Besonders beliebt: Mini-Shetty Maxi, das kleinste Pony auf dem Markt. Von seinen vielen Bewunderern lässt sich Maxi nicht verunsichern und kaut genüsslich auf seinem Heu herum. 850 Euro muss bezahlen, wer Maxi haben will. „Verhandlungsbasis“, sagt sein Besitzer.
Mitgebracht haben die Händler allesamt eine große Bandbreite an Tieren, vom kleinen Shetlandpony bis hin zu den richtig großen Wallachen. Mit Knoten- oder Flechtfrisuren in der Mähne, samt Schleifchen oder Perlen, wurden sie für diesen Anlass aber alle herausgeputzt. „Man nimmt überwiegend brave Tiere mit“, erklärt Sabine Nonnenmann. Ihre Familie handelt in Pforzheim mit Pferden, Senior Berthold Nonnenmann ist schon sein ganzes Leben beim Pferdemarkt dabei, also seit gut 70 Jahren. Was sich in der Zeit verändert hat? „Die Leute, die Pferde, die Menschen“, sagt er. Alle Tiere der Nonnenmanns werden heute nicht verkauft werden – die Menschen kommen eher zum schauen. Werbung sei die Teilnahme am Pferdemarkt also, so Sabine Nonnenmann. „Wir führen Gespräche. Die Kundschaft kommt dann zu uns nach Pforzheim“, sagt sie. Denn im Stall lässt sich das Pferd besser begutachten als auf dem engen Markt.
„Die Generation, die auf dem Pferdemarkt kauft, gibt es nicht mehr“, sagt auch Händler Robert Maier aus Riedlingen. Seit 48 Jahren kommt er mit seinen Tieren zum Pferdemarkt. Einen Interessenten aus Rutesheim muss er vertrösten, als dieser nach einem Quarter Horse fragt – das hat er heute nicht dabei. Wie die denn im Preis lägen, fragt der Rutesheimer. „Kommt drauf an“, sagt Maier. Bis zu 10 000 Euro kosten seine Tiere. Dem Interessenten geht es klar um die Kosten, „so billig und so gut wie möglich“ soll das neue Pferd sein. Da können die Kulleraugen noch so süß daherschauen und die Mähnen noch so wallend im Winde wehen: Am Ende zählt beim Handel eben doch der Preis.