InterviewPfiffige Idee von Hoteliers in Stuttgart Wohnmobil-Dinner: „Was ist unser Beruf? Gastgeber zu sein!“

Das Menü   fürs fahrbare Wohnzimmer: Mit Handschuhen und FFP2-Maske wird in Möhringen serviert. Foto: Lg/Ferdinando/ Iannone 5 Bilder
Das Menü fürs fahrbare Wohnzimmer: Mit Handschuhen und FFP2-Maske wird in Möhringen serviert. Foto: Lg/Ferdinando/ Iannone

Birgit Wegener und ihr Mann betreiben ein Hotel Garni in Möhringen, das sich auf Musicalgäste und Messebesucher spezialisiert hat. Musicals und Messen gibt es seit einem Jahr nicht mehr. Nun gehen sie eben fremd – und bieten ein Wohnmobil-Dinner an.

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Stuttgart - Im früheren Frühstücksraum hängen die Poster aller Musicals. „Miss Saigon“, „König der Löwen“ . . . Birgit Wegener und ihre Mann haben sich auf die Gäste genau dieser Veranstaltungen spezialisiert – und genau in diesem Sektor geht seit einem Jahr gar nichts mehr. Mit einer findigen Idee setzen sie der Perspektivlosigkeit etwas entgegen. Im Interview stellen sie ihr Wohnmobil-Dinner vor.

Frau Wegener, wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen? Als Hotel Garni bieten Sie nun ein Menü an, das Ihre Gäste im eigenen Wohnmobil auf dem Parkplatz zu sich nehmen.

Wir haben unsere Gäste schon immer auch mit einer kleinen Karte verköstigt. Grundsätzlich haben wir uns eben gefragt: Was ist unser Beruf? Und der ist es, Gastgeber zu sein! Und dem können wir zum Teil wieder nachkommen.

Vom Frühstück zum Menü ist es aber schon eine Umstellung?

Ja, das stimmt. Schon das Geschirr ist ein anderes. Am Anfang haben wir uns überlegt, mit To-go-Essen anzufangen, aber zunächst wollten wir das nicht. Später haben wir es probiert, aber da war die Konkurrenz schon sehr groß, und uns assoziiert man eben nicht mit Essen. Dann haben wir es doch angefangen, aber mit To-go-Essen kann keiner Geld verdienen.

Wie kam der Gedanke an Wohnmobile?

An Weihnachten sind wir im Internet auf die Seite gestoßen mit dem Wohnmobil- Dinner und fanden das eine schöne Idee.

Und wie läuft so was dann ab?

Die Leute melden sich vorher an, kommen dann am Freitagabend, samstags und sonntags am Mittag und Abend. Sie kommen an die Rezeption, bezahlen und nehmen die Box mit allen Utensilien mit. Wir bringen dann das Essen ans Fahrzeug, alles nach bestehenden Hygienevorschriften mit FFP2-Maske und Handschuhen. Und wenn unsere Gäste dann bereit sind für den nächsten Gang, dann schreiben sie uns eine Whatsapp.

Sie sind ja eigentlich keine Köchin, wie klappt denn das?

Wenn man drei Kinder hat, dann muss man auch kochen können. Wir haben eine gut schwäbische Küche. Bisher waren alle unsere Gäste glücklich und zufrieden.

Dann lohnt sich das Geschäftsmodell?

Fürs Herz! Was diese Perspektivlosigkeit menschlich mit einem macht, ist doch schrecklich. Und da ist es einfach schön, wenn etwas zurückkommt. Wir machen das in erster Linie für die Wertschätzung. Das ist es, was unseren Beruf ausmacht.

Zur Person

Birgit Wegener ist 1963 in Geislingen an der Steige geboren und in Gruibingen aufgewachsen. Sie stammt aus der Familie der Familienbrauerei Hilsenbeck, die zum Beispiel das bekannte Gruibinger Brunnenbier herstellt. Sie lernte Restaurantfachfrau, arbeitete unter anderem im Steigenberger Hotel Graf Zeppelin. Birgit Wegener ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Im Jahr 1998 hat sie zusammen mit ihrem Mann den Möhringer Hof übernommen, zunächst als Pächter, später haben sie das Hotel gekauft. Das Akzent Hotel Möhringer Hof gehört zu einer Hotelkooperation für privat geführte Hotels mit Eigentümern und Inhabern, die sich aus Marketingzwecken zusammengeschlossen haben. Mit dem Hotel Garni haben sie sich vor allem auf Musicalgäste und Messebesucher spezialisiert.




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