Pflanzaktion am Killesberg Rettung für den deutschen Osten

Von Eva Funke 

Drei Bäume am Killesberg sollen die deutsche Einheit symbolisieren. Der Baum, der für den Osten steht, eine Kiefer, ist vertrocknet. Um dem Osten wieder Geltung zu verschaffen, hat ein Stuttgarter jetzt eine neue Kiefer gespendet und zusammen mit einem Gärtner gepflanzt.

Adam-Claus Eckert (li.) und Jörg Seidenspinner hoffen, dass die Kiefer gut anwächst. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Adam-Claus Eckert (li.) und Jörg Seidenspinner hoffen, dass die Kiefer gut anwächst. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Morgens, wenn Adam-Claus Eckert mit seinen Hunden Paul und Moritz Gassi geht, kommt er mit dem Labrador und dem Parson-Russel an einem Naturdenkmal vorbei: einer Eiche, einer Buche und einer Kiefer. Dass es sich bei den jungen Bäumen auf einer Wiese an der Parlerstraße um ein Symbol für die deutsche Wiedervereinigung handelt, fällt kaum auf. Aber auf einer Tafel am Wiesenrand wird’s erklärt: Die Buche steht für den Westen, die Kiefer für den Osten und die Eiche für das vereinte Deutschland. Die Bäume sollen einmal zusammenwachsen – wie Ost- und Westdeutschland. Doch die Kiefer hat den heißen Sommer im vergangenen Jahr nicht überlebt.

Kanzlerin ist Patin

„Es geht doch nicht, dass die Stuttgarter den Osten austrocknen lassen“, stellte Eckert fest und entschloss sich, für rund 500 Euro eine Kiefer zu spenden. Ob er das überhaupt darf, hatte er vorher mit Werner Erhard, dem Erfinder des Naturdenkmals, geklärt. Dessen Einfall, drei Bäume zu pflanzen, hatte am Killesberg vor zwei Jahren anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls Wurzeln geschlagen. „Die Idee hatte ich schon 2009. Aber da hat sich noch niemand dafür interessiert“, erinnert sich der 67-jährige Schuldnerberater. Als er sich mit seinem Konzept an einem Wettbewerb der Bundesregierung beteiligte, wurde schlagartig alles anders. „Ich bekam Post vom Bundeskanzleramt, weil ich mein Projekt vorstellen sollte“, sagt Erhard. Der Bundeskanzlerin hatte die Idee so gut gefallen, dass sie die Patenschaft übernahm. Als sich dann auch noch die Schutzgemeinschaft deutscher Wald einschaltete und die Bäume stiftete, nahm das Projekt Fahrt auf. „Mittlerweile wurden von Schleswig-Holstein bis Lindau 240 solcher Naturdenkmale gepflanzt“, sagt Adam-Claus Erhard.

Dass ein Stuttgarter jetzt das vertrocknete Symbol für den Osten ersetzt, freut Erhard natürlich. „Das zeigt, dass die Menschen das Denkmal wahrnehmen und sich dafür einsetzen.“ Und dass Eckert die Kiefer als Symbol für den Osten so am Herzen liegt, hat viel mit ihm selbst zu tun: Kurz nach der Wende hat sich der Unternehmer im Osten engagiert und dort rund 150 Postfilialen übernommen. „Vor der Wiedervereinigung hat in der DDR die Post auch Presseerzeugnisse vertrieben. Nach der Wende wurden die Filialen verkauft“, sagt er und hat die Läden mit Zeitungen, Büchern und Tabakwaren aus dem roten in den grünen Bereich unterm Strich gesteuert. Die Kiefer erinnert den Unternehmer auch an seine eigene Zeit im Osten.

Das Zusammenwachsen dauert

Unterstützt wurde er beim Pflanzen von dem Gärtner Jörg Seidenspinner. Der geht davon aus, dass das Zusammenwachsen noch sehr lange dauert. Das meint er jedoch nur in Bezug auf die Bäume. Und Eckert will künftig das Naturdenkmal im Blick behalten. „Wenn ein Bäumchen Not leidet, unternehmen wir etwas“, verspricht er.

Paul und Moritz würden am liebsten auch etwas unternehmen und ziehen schon kräftig Richtung der drei Bäume an der Leine. Doch dass die ausgerechnet dort ihr Bein heben, kommt gar nicht in Frage.

Sonderthemen