Pflanzen und Möbel für den Balkon Schöner wohnen auf dem Balkon
Auch der kleinste Balkon ist zu schade, um als Rumpelkammer missbraucht zu werden. Ideen für Möbel, Pflanzen und Bodenbeläge.
Auch der kleinste Balkon ist zu schade, um als Rumpelkammer missbraucht zu werden. Ideen für Möbel, Pflanzen und Bodenbeläge.
Stuttgart - Leere Bierkästen, gelbe Säcke, kaputte Blumentöpfe, dazwischen ein Wäscheständer. Viele Balkone sehen aus, als wären sie ein gläserner Abstellraum. „Es ist unfassbar, wie viele Leute ihren Balkon einfach zumüllen“, sagt Gregor Faubel. Der Designer hat beobachtet, dass dieses Chaos umso größer wird, je kleiner der Balkon ist, der es aushalten muss. Offenbar fehlt vielen Besitzern eine Idee, was sie mit dem Draußen-Raum machen sollen – abgesehen vom Müllabstellen.
„Aber gerade bei den sehr kleinen Wohnungen in den Großstädten ist doch wichtig, jeden Quadratzentimeter Platz sinnvoll zu nutzen, sei es als Minibüro, Essplatz oder Kräutergarten“, sagt Julia Romeiß, Partnerin von Gregor Faubel und Autorin des gemeinsamen Buches „tiny balcony“. Bloß, wie wird aus einer Rumpelkammer ein zusätzlicher Wohnraum?
„Weniger ist mehr“ – das gilt Gregor Faubel und Julia Romeiß zufolge auch auf dem Balkon. Ungeliebte Deko-Geschenke, ausrangierte Weihnachtssterne oder Säcke mit Blumenerde gehören nicht auf den Balkon – zumindest nicht offen. Wer mit dem Ausmisten fertig ist, sollte sich überlegen, wann, mit wem und wofür der Balkon gut zu gebrauchen wäre, und dann einen einfachen Grundriss zeichnen.
Wer einen Balkon betritt, tut dies meist auf tristem, grauem Betonboden oder hässlichen, alten Fliesen. Das ist praktisch, aber furchtbar ungemütlich. Als Alternative bieten sich Dielen aus Holz an, bevorzugt aus Lärche. Wem das zu aufwendig oder zu teuer ist, kann zu einem Outdoor-Teppich greifen. Mit den Rasenimitat-Teppichen von früher haben die Bodenbeläge für draußen nur noch gemein, dass sie das Balkongrau bei jedem Wetter abdecken – aber schön modern, farbenfroh und mit Materialien, die sich kaum mehr nach Plastik anfühlen.
Die Designer Gregor Faubel und Julia Romeiß haben für ihr Buch viele Balkonbesitzer nach ihren Wünschen für den Draußen-Raum befragt. Einig waren sich alle bei einem Punkt: Sie wollen mehr Stauraum. „Also haben wir unter anderem einfach Hocker-Kisten entworfen, zum Sitzen und Verstauen. Je kleiner der Platz ist, umso sinnvoller sind grundsätzlich Möbel mit mehr als einer Funktion“, sagt Gregor Faubel und nennt auch gleich noch ein weiteres Beispiel: Ein Regal, in dem sowohl Platz für Pflanzen ist als auch für Kisten mit Balkon-Krimskrams wie Schaufel, Teelichter oder leere Blumentöpfe.
Da es solche Möbel nicht unbedingt in Gartenmärkten und Möbelhäusern gibt und wenn, dann in Größen, die nicht für kleine Balkone gemacht sind, empfiehlt es sich, sie selber zu bauen. Großes handwerkliches Können ist dafür Julia Romeiß zufolge nicht erforderlich: „Im Baumarkt findet man oft Grundmodule, die man individualisieren und nach den eigenen Wünschen weiterentwickeln kann, am besten mit ganz unkomplizierten Lösungen und vielleicht auch mal als Klappmöbel.“ Als Material eignen sich Holz, Aluminium und Edelstahl.
Gärtnern ohne Garten? Wer einen Balkon hat, muss auf Obst, Gemüse und Blumen nicht verzichten. Nur einen Fehler sollte man nicht machen: „Wer denkt, ich habe wenig Platz, also kaufe ich kleine Kübel und Kästen, wird mit dem Balkongarten wenig Freude haben“, sagt Marianne Scheu-Helgert, die als studierte Gärtnerin an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau arbeitet.
Ein Balkonkasten sollte ihrer Meinung nach mindestens 20 Zentimeter breit und 20 Zentimeter tief sein, ein Kübel mindestens 15 Liter Erde fassen. „Sonst kommt man mit Gießen und Düngen nicht hinterher im Sommer.“ Auch bei der Gartenerde gilt: nicht sparen, sondern hochwertiges Substrat kaufen.
Platzsparend untergebracht werden können die Töpfe in einem Regal an der Wand. Auch Euro-Paletten lassen sich ganz einfach als Pflanzgefäße nutzen – und bieten zugleich einen Sichtschutz an Balkonen mit offener Brüstung.
Wer das erste Mal Gemüse auf dem Balkon pflanzt, dem empfiehlt Marianne Scheu-Helgert, in einen Blumenkasten abwechselnd Setzlinge von Eichblatt- Salat sowie zwei Samenkörner Radieschen zu säen. „Auch Kresse macht sich wunderbar in den 20 Zentimeter breiten Pflanzlücken, die der Salat zum Wachsen braucht.“
Einen klaren Vorteil haben Besitzer von Südbalkonen bei Paprika, weil diese an geschützten, sonnigen Plätzen eher reif wird als im Garten. Und bei Tomaten, wenn der Balkon überdacht ist, denn Tomaten mögen keinen Regen.
Auch Kräuter pflanzt Gärtnerin Marianne Scheu-Helgert am liebsten auf dem Balkon, obwohl sie einen Garten hat. „Hier kommen nämlich keine Schnecken und fressen mein Basilikum oder meine Petersilie auf.“ Mit einem Kräutertöpfchen aus dem Supermarkt kann man bis in den Sommer einen ganzen Kasten voll Basilikum oder Petersilie bekommen – wenn man die Pflanze beim Einsetzen in mehrere Teile teilt.
Erdbeeren werden eigentlich schon im August gepflanzt. „Wer sogenannte Frigo-Pflanzen bei einer Erdbeer-Gärtnerei im Internet bestellt, kann das aber auch jetzt noch machen und ab Juni ernten“, sagt Marianne Scheu-Helgert. Da Erdbeeren keine zu nährstoffreiche Erde mögen, empfiehlt es sich, Balkonpflanzenerde mit Aussaaterde zu mischen.
Bei den Balkonblumen heißt der pflegeleichte Klassiker nach wie vor Geranie, weil man sie selbst im Hochsommer mal beim Gießen vergessen darf. Moderner und vor allem bienenfreundlicher sind Strohblumen, Husarenköpfchen oder Lavendel. Ist der Balkon eher schattig, sollten die Pflanzen auch danach ausgewählt werden.
Nicht jeder mag es, wenn die Nachbarn ständig mit den Augen zu Gast sind im Draußen-Zimmer. Sichtschutzmatten aus Stoff oder Holz sind wirkungsvoll, sorgen aber nur bedingt für Gemütlichkeit. Besser schaffen das Rankgerüste, Bambus oder ein lebendes Weidengeflecht. Hierzu aus Weidenruten (gibt es in Gartenmärkten) einen Zaun flechten und diesen in einen langen, schmalen Pflanzkübel setzen. So bilden die Ruten Wurzeln und kriegen neue Triebe.
Es muss nicht immer nur das Basilikumtöpfchen sein: Wie wäre es, Pilze auf dem Balkon anzubauen, Melonen zu pflanzen oder Artischocken zu ernten? In „Dein fantastischer Balkongarten“ (19,90 Euro) gibt ein Autorenteam des Löwenzahn-Verlags viele neue Anregungen, gut erklärt und wunderhübsch bebildert.
Ob Sichtschutz, Balkonküche oder Draußen-Arbeitsplatz: Die Designer Gregor Faubel und Julia Romeiß haben in „tiny balcony“ (Graefe und Unzer Verlag, 26 Euro) großartige Selbermach-Ideen für kleine Balkone gesammelt, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Zuschnittpläne inklusive.