Pflegeeinrichtung in Stuttgart-Rohr Das Hans-Rehn-Stift wird zum Wohnquartier

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Die Pflegeeinrichtung entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen und soll neu gebaut werden. Die Vaihinger Bezirksbeiräte sehen den Abriss des erst 39 Jahre alten Hauses kritisch, ebenso den geplanten Anteil an Eigentumswohnungen.

Im neuen Quartier rund um das Hans-Rehn-Stift sollen künftig sowohl ältere als auch jüngere Menschen leben. Zudem wird das betreute Wohnen ausgebaut. Foto: Archiv Rüdiger Ott
Im neuen Quartier rund um das Hans-Rehn-Stift sollen künftig sowohl ältere als auch jüngere Menschen leben. Zudem wird das betreute Wohnen ausgebaut. Foto: Archiv Rüdiger Ott

Rohr - Besonders die Eigentumswohnungen im geplanten Wohnquartier rund um das Hans-Rehn-Stift monierten die Lokalpolitiker in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung. „Mit dem Verkauf von Eigentum verspielt die Stadt ihren Gestaltungsspielraum“, sagte Klaus Spieske (Grüne). „Warum will die Stadt schon wieder Grundstücke verkaufen, die sie irgendwann wieder benötigen wird?“, fragte Gerhard Wick von SÖS-Linke-Plus. Der städtische Eigenbetrieb Leben und Wohnen (ELW), der die Pflegeeinrichtung betreibt, möchte auf dem Areal ein neues Quartier errichten. In der Wohnanlage sollen stationäre Pflege, betreutes und individuelles Wohnen möglich sein. Zudem sollen junge Familien auf das Areal geholt werden. Den Wohnungsbau übernimmt das Siedlungswerk.

Der ELW möchte künftig 45 Pflegeplätze anbieten, dazu 35 Einheiten für heimverbundenes betreutes Wohnen und eine Begegnungsstätte. Das Siedlungswerk möchte zusätzlich 35 betreute Seniorenwohnungen und 40 barrierefreie Generationenwohnungen schaffen, die gemietet oder gekauft werden können. Ein Teil davon sollen Sozialwohnungen sein. „Wir möchten eine Durchmischung haben, wir wollen, dass ein Teil der Wohnungen von jungen Familien bewohnt wird“, erklärte Alexander Kentsch vom Siedlungswerk. „Aber wie kann ein generationenübergreifendes Wohnen gewährleistet werden, wenn die Wohnungen verkauft sind?“, wollte Ulrich Bayer (CDU) wissen. An anderen Standorten, etwa am Seelberg in Bad Cannstatt, funktioniere dieses Konzept sehr gut, versicherte Kentsch.

Die Belegungsquote liegt bei nur 90 Prozent

„Wir veräußern nicht unser Tafelsilber“, sagte Sabine Bergmann-Dietz, die Geschäftsführerin des ELW. „Und der Anteil an Eigentumswohnungen im Bestand des Siedlungswerks ist gering. Der Eigenbetrieb Leben und Wohnen wird gar keine Eigentumswohnungen anbieten“, ergänzte Bergmann-Dietz auf die Forderung von Kristin Wedekind (Grüne), zu schauen, „dass so viele Wohnungen wie möglich in Stuttgarter Hand bleiben“.

Derzeit verfüge das Hans-Rehn-Stift über eine Belegungsquote von knapp über 90 Prozent. „Eine recht schlechte Quote“, sagte Bergmann-Dietz. Normal seien 95 bis 96 Prozent. Ein Grund dafür könnte die hohe Anzahl an Doppelzimmern sein, über die das Stift derzeit verfügt, mutmaßt die ELW-Geschäftsführerin. Diese entsprächen nicht mehr den heutigen Standards. „Außerdem ist der Standort zu weit weg vom pulsierenden Leben und für Menschen außerhalb Rohrs eher unattraktiv“, so Bergmann-Dietz. Das neue Quartier solle, unter anderem mittels einer Begegnungsstätte, Möglichkeiten für kulturelle Angebote und Begegnungen bieten. „Die aktuellen Anforderungen können in den bestehenden Gebäuden nicht realisiert werden“, so Bergmann-Dietz.

Die Nachfrage nach betreutem Wohnen steigt

Den Abriss des Pflegeheims sahen die Lokalpolitiker allerdings kritisch. „Das Haus steht erst seit 39 Jahren, da kommt der Abriss doch recht schnell“, fand Volker Weil von der FDP. „Der Abriss ist eigentlich unsinnig, aber wohl durch Sachzwänge nötig“, ergänzte Gerhard Wick. Die betreuten Wohnungen im Hans-Rehn-Stift seien alle belegt, Leerstand gäbe es nur bei den Pflegeplätzen. „Die Nachfrage nach betreutem Wohnen steigt, die nach stationären Pflegeplätzen sinkt“, erläuterte Bergmann-Dietz. Mit dem Neubau wolle man auf diese Entwicklung reagieren und die ambulante Pflege stärken. Nicht alle Senioren wollten gleich in ein Heim ziehen, merkte Alexander Kentsch an. „Aber die Nähe der Wohnung zu einer Pflegeeinrichtung gibt Sicherheit“, so der Mann vom Siedlungswerk.

Am Ende stimmten neun der Vaihinger Bezirksbeiräte für den Quartiersneubau Hans-Rehn-Stift, fünf Lokalpolitiker dagegen. Als nächster Schritt soll nun ein nicht offener Realisierungswettbewerb ausgerufen werden. Das Ergebnis des Wettbewerbs erwartet Sabine Bergmann-Dietz in einem Jahr.

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