Auf einer Brachfläche in Leinfelden soll ein Pflegeheim gebaut werden. Dagegen hat sich eine Initiative formiert. Kritik gibt es vor allem an der Größe und am Autoverkehr. Die Stadt hält mit einem demografischen Argument dagegen.

Leinfelden - Es herrscht großes Unverständnis. Die Pläne der Stadt, auf dem brachen Grundstück an der Markomannenstraße in Leinfelden den Bau eines Pflegeheims zu ermöglichen, stoßen vielen Anliegern bitter auf. Vor allem die Massivität und Höhe des geplanten Baukörpers und die damit einhergehende Verschattung der umliegenden Wohnungen treibt viele Nachbarn um. Mehr als hundert Menschen haben sich inzwischen in einer Interessengemeinschaft organisiert. Das Pflegeheim werde „als massiver Klotz eine erschlagende Wirkung“ haben, meinen sie. Sollte die Stadtverwaltung an ihren Plänen festhalten, wollen die Nachbarn juristisch gegen die Pläne vorgehen.

Nichts gegen ein Seniorenheim

„Wir sind schockiert.“ Jens Marschalt wohnt mit seiner Familie gegenüber des jetzigen Brachgeländes. Er ist einer der Sprecher der Interessengemeinschaft. Dass auf dem Grundstück gebaut werde, sei in Ordnung. Auch an einem Seniorenheim störe er sich nicht, stellt er klar. Er befürchtet aber, wie viele seiner Nachbarn auch, dass das neue Gebäude kaum noch direktes Sonnenlicht in seine Wohnung lassen werde. „Das geplante Gebäude ist riesig“, meint Marschalt. Geplant sind an der Markomannenstraße vier Stockwerke plus ein Staffelgeschoss.

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Die Interessengemeinschaft Anlieger Markomannenstraße beklagt, dass das Pflegeheim in seiner aktuell geplanten Dimension erheblich von der Umgebungsbebauung abweiche. „Wir haben nichts gegen eine Bebauung, aber nicht in dieser Form“, bringt Marschalt die Stimmung auf den Punkt. Es stehe derzeit die maximale Wirtschaftlichkeit des Gebäudes im Vordergrund, sagt er.

Neben der Kubatur des Komplexes wird bemängelt, dass der Verkehr die vorhandenen Straßen stark belasten könnte. Ein Gutachten geht von 340 Fahrten pro Tag zusätzlich aus. Die geplanten Tiefgaragenplätze genügten vielleicht den gesetzlichen Anforderungen, in der Realität reiche das aber kaum aus, befürchtet die Interessengemeinschaft. „Das Parken ist schon jetzt ein Problem“, weiß der Anwohner Marschalt. Die Hoffnung, dass viele Mitarbeiter des Pflegeheims den ÖPNV nutzen werden, sei vor allem Wunschdenken. „Es wird ein extremer Parkdruck entstehen. Man wird in ein absolutes Chaos laufen“, ist er sich sicher. Gespräche mit der Stadtverwaltung hätten bereits stattgefunden, berichtet Marschalt. Die Bedenken der Nachbarschaft hätten aber zu keiner Änderung der Pläne geführt. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen.“ „Absolut überhaupt nicht“ seien die Bedenken der Interessengemeinschaft bislang berücksichtigt worden. Von allen angeschriebenen Stadträten sei lediglich Martin Klein einer Einladung zu einem Treffen vor Ort gefolgt, erinnert sich Marschalt.

Interessengemeinschaft sucht Gehör bei der Stadt

Möglichkeiten für eine gütliche Einigung sieht die Interessengemeinschaft aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen kaum noch. Interesse an einem Gerichtsverfahren hätten sie nicht, betont der Anwohner Marschalt. Allerdings sehe man kaum noch einen anderen Weg. Man werde nun wohl noch den Beschluss des Bebauungsplans abwarten, um dann gerichtlich gegen die Pläne vorgehen zu können. Die Stadtverwaltung betont, dass Pflegeplätze in Leinfelden-Echterdingen dringend benötigt würden. „Die demografische Entwicklung mit der quantitativen Zunahme von älteren Generationen macht kurz- bis langfristig ein umfangreiches Angebot an Wohnheimplätzen erforderlich“, schreibt das Rathaus. Dem Ziel der Schaffung weiterer Pflegeplätze könne die einer unauffälligen Nachverdichtung untergeordnet werden. „Dass sich die Neubebauung nicht städtebaulich dem Bestand unterordnet, ist korrekt“, gibt das Rathaus zu.