Pflegeheim in Renningen Das Fristende fürs Haus am Rankbach rückt näher

Das Haus am Rankbach bietet derzeit Platz für rund 75 Bewohner. Foto: Simon Granville

Das Haus am Rankbach in Renningen wird vom DRK als Pflegeheim betrieben. Bis 2028 muss es wegen der Pflegereform umgebaut und erweitert werden. Die Verhandlungen mit der Stadt über einen Verkauf laufen.

Über das Haus am Rankbach in Renningen sagt Michael Steindorfner, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Böblingen: „Von der Architektur ist das eines der schönsten Pflegeheime des DRK.“ Doch wenn auch nicht immer, kommt es in diesem Fall auf die inneren Werte an: Das Gebäude entspricht nicht mehr den aktuellen Vorgaben für Pflegeheime, wonach keine Doppelzimmer mehr angeboten werden dürfen – außer auf explizite Nachfrage hin. Das Haus am Rankbach, das sich im Eigentum der Stadt befindet, benötigt daher einen Anbau. Gespräche über einen Verkauf der Stadt Renningen an das DRK gehen jetzt offenbar in die heiße Phase. Und das ist wichtig, denn die letzte Frist für einen regelkonformen Umbau endet im Jahr 2028.

 

Mit elf Pflegeheimen ist das Deutsche Rote Kreuz der größte Träger von Pflegeheimen im Kreis Böblingen. Ein Weiteres befindet sich beispielsweise im Renninger Ortsteil Malmsheim, zwei in Rutesheim. Das Gebäude am Rankbach, das derzeit Platz für rund 75 Bewohnerinnen und Bewohner bietet, existiert bereits seit 33 Jahren. „Der Landkreis hatte damals das Erbbaurecht“, erzählt Michael Steindorfner. Die Idee, an dieser Stelle ein Pflegeheim zu errichten, kam von Steindorfners Vorgänger Rainer Heeb, der zugleich Böblinger Landrat war. Später ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Renningen über, das DRK betrieb das Pflegeheim als Pächter aber weiter.

Jeder hat Anspruch auf ein Einzelzimmer

Die Pflegereform aus dem Jahr 2009 erwies sich als großer Einschnitt: Sie besagt, dass ab 2019 jeder Anspruch auf ein Einzelzimmer hat. Für Träger wie das DRK, das in fast allen Heimen auch Doppelzimmer angeboten hat, ein großes Problem. Denn ein wirtschaftlicher Betrieb wäre nicht mehr möglich, wenn die Doppelzimmer nur noch als Einzelzimmer genutzt würden. Die einzige Lösung: Umbau oder Anbau. „Und das sind riesige Summen, von denen wir da sprechen, und nicht überall sind die baulichen Voraussetzungen gegeben, dass man einfach so erweitern kann“, so Steindorfner. „Wir haben uns deshalb lange dafür eingesetzt, dass man für Bestandsgebäude andere Regelungen findet und sich auf Neubauten konzentriert.“ Doch die Rechtslage ist eindeutig.

Zwischenzeitlich hat das DRK alles Nötige in die Wege geleitet und gemeinsam mit der Heimaufsicht einen Zeitplan aufgestellt, innerhalb dessen die betroffenen Pflegeheime nach und nach angepasst werden und wurden. Da die betroffenen Gebäude oft den Kommunen gehören statt dem DRK, sind diese maßgeblich an der Organisation und der Kostenübernahme beteiligt, so zum Beispiel in Rutesheim. Einige Heime sind bereits fertig, bei anderen liegen die Arbeiten in den letzten Zügen.

Haus am Rankbach erhält die längste Frist

Renningen bildet einen Sonderfall, weshalb die dortige Einrichtung die längste Frist bekommen hat. Zum einen ist das Heim verglichen mit anderen in der Umgebung deutlich größer. Die beiden Einrichtungen in Rutesheim sind zum Beispiel für jeweils rund 30 Bewohner ausgerichtet. „Und die Zahl der Doppelbettzimmer ist in Renningen verhältnismäßig hoch“, erklärt der DRK-Präsident. Ein Umbau im Bestand brächte nicht die nötige Zahl an Zimmern, um das Heim wirtschaftlich betreiben zu können. Das Haus benötigt daher einen Anbau. Für den ist zwar Platz – doch der Aufwand ist hoch.

Vor fünf Jahren waren die Beteiligten noch davon ausgegangen, dass die Stadt den Anbau planen und umsetzen wird. „Das wäre uns auch das Liebste gewesen“, so Steindorfner. Denn dort habe man das nötige Know-how für größere Bauprojekte. Doch die Verwaltung hat schon früh signalisiert, dass dort wegen der vielen Großbauprojekte zu wenige Kapazitäten vorhanden sind, um die Erweiterung des Pflegeheims zeitnah zu planen. Etwa parallel begannen daher auch erste Gespräche über einen Verkauf ans DRK.

„2028 ist schneller da, als man denkt“

„Unter anderem wegen Corona wurde das zunächst nicht weiter vertieft“, berichtet Michael Steindorfner. Jetzt aber wird es langsam höchste Eisenbahn: „2028 ist schneller da, als man denkt“, sagt Steindorfner. Im Vorfeld waren die Fristen bereits immer wieder verlängert worden.

Was den Verkauf angeht, sind sich im Prinzip beide Seiten einig, sagt Steindorfner. Wie so oft geht es noch um den Verkaufspreis. Das DRK will sichergehen, dass es neben dem Ausbau später nicht auch noch von notwendigen Sanierungskosten „erschlagen“ wird. Hierzu werden noch Gutachten erstellt. Der DRK-Präsident ist zuversichtlich, dass die Verhandlungen bis Ende des Jahres abgeschlossen sind. Wenn es so weit ist, muss das DRK nicht bei Null anfangen. „Erste Zeichnungen und Entwürfe, wie der Anbau aussehen sollte und wie die Zimmer aufgeteilt werden könnten, gibt es schon“, erklärt Steindorfner, der auch sonst guter Dinge ist, was das Projekt angeht. „Ich glaube, das Haus hat eine sehr gute Zukunft.“

Erste Entwürfe gibt es bereits

Pflegeheim
 Das Haus am Rankbach ist nicht nur als Pflegeeinrichtung von Bedeutung für die Stadt. Auch als Veranstaltungsort wird es gern genutzt – für Reisevorträge, das Trauercafé oder Angebote des Renninger Seniorenprogramms. Das soll aus Sicht des DRK auch in Zukunft so bleiben.

Besitzerwechsel
Der einzige Unterschied: Bislang stellte die Stadt die Räume zur Verfügung und musste bei einer Nutzung angefragt werden, bei einem Eigentümerwechsel wäre es das DRK. „Faktisch wird sich aber so gut wie nichts ändern, weil die Nutzung dieser Räume durch Stadt und DRK schon bisher reibungslos funktioniert hat und dies auch künftig im gewohnten gegenseitigen Einvernehmen möglich sein wird“, so Steindorfner.  

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