Die CDU-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat reagiert auf die Kritik der Evangelischen Heimstiftung, die ein schon weit gediehenes Pflegeheimprojekt im Bezirk Weilimdorf wegen hoher Baustandards der Stadt abbrechen will. Der Heimträger hält die Vorgabe für unangemessen, dass für das kleine Altenheim ein teurer und langwieriger Architekturwettbewerb gemacht werden muss. Die Unionsfraktion schließt sich der Kritik an und fordert ihrerseits, die Bauverwaltung solle „von ihrer Forderung nach mehreren Planungsentwürfen von Architekturbüros abrücken“. Darüber hinaus solle die Stadt einen Bericht erarbeiten, „welche Möglichkeiten der Gemeinderat hat, um Standards für Bauträger von Pflegeeinrichtungen zu senken, sodass das Bauen beschleunigt werden kann“.
Der Bedarf an Pflegeheimplätzen sei „enorm hoch“, schreibt die CDU-Fraktion in ihrem Antrag. Darum sei man „auch darauf angewiesen, dass jeder geplante Pflegeheimplatz in Stuttgart umgesetzt wird“. In dieser Frage sei die Landeshauptstadt „auf alle Partner angewiesen“. Deshalb sei es wichtig, dass bauwilligen Heimträgern „keine Steine in den Weg gelegt werden“, betont die Unionsfraktion. Sie fordert die Stadtverwaltung auf, dass sie der Evangelischen Heimstiftung „so weit entgegenkommt, dass das Projekt doch realisiert werden kann“.
Investitionskosten je Heimplatz mehr als verdoppelt
Die Evangelische Heimstiftung plant auf einem städtischen Gartengrundstück an der Deidesheimer Straße in Weilimdorf ein Heim mit 45 Plätzen, das Projekt ist mit der Bauverwaltung abgestimmt. Mit den jetzigen Vorgaben werde man das Projekt aber nicht mehr weiterverfolgen, hat der Hauptgeschäftsführer der Heimstiftung, Bernhard Schneider, erklärt. Die Vorgaben seien ohnehin schon sehr hoch. Die Investitionskosten je Heimplatz hätten sich in weniger als zehn Jahren von 100 000 auf 220 000 Euro mehr als verdoppelt. Mit weiteren Zusatzkosten sei ein Projekt wie dieses nicht mehr refinanzierbar, so der Hauptgeschäftsführer. Stattdessen müsse die Stadt über ihre sehr hohen Baustandards nachdenken. Durch die aktuellen Maßgaben werde „jede unternehmerische Initiative erstickt“, sagte Schneider.
Unterstützung bekommt die Heimstiftung auch vom Bezirksbeirat Weilimdorf. Die Mehrheit in dem Gremium, das in der Sache aber keine Entscheidungsbefugnis hat, sei der Auffassung, „dass die Verwaltung auf die Mehrfachbeauftragung verzichten sollte“, erklärte der Bezirksvorsteher Julian Schahl.