Diagnose Demenz Antworten auf die wichtigsten Fragen

An Demenz Erkrankte können sich nicht mehr anpassen. Foto: Imago///Ute Grabowsky

Rund zwei Drittel der an Demenz erkrankten Menschen werden daheim betreut: Was ist dabei zu beachten, und wo gibt es Hilfe für die Angehörigen?

Im Volksmund spricht man von Altersverwirrtheit, die Fachbegriffe lauten Demenz- oder Alzheimer-Erkrankung. 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen, zwei Drittel von ihnen werden von Angehörigen betreut. Ute Hauser, die Geschäftsführerin der Alzheimer-Gesellschaft in Baden-Württemberg, und ihre Kollegin Sabine Fels klären über wichtige Fragen auf.

 

Was sind die ersten Alarmzeichen?

Es ist ein schleichender Prozess der zunehmenden Vergesslichkeit, der Verlust an räumlicher oder zeitlicher Orientierung, Wortfindungsstörungen. Manchmal, so Ute Hauser, gibt es bestimmte Ereignisse, die klar auf die Krankheit hindeuten: „Eine 60-Jährige sagte mir, sie konnte plötzlich die Uhr nicht mehr lesen.“ Ein anderer konnte beim Einparken den Raum hinter seinem Auto nicht mehr einschätzen, was jahrzehntelang kein Problem war. Ein Dritter verlief sich in seinem Viertel.

Hat jeder die Krankheitseinsicht?

Nein. Ein Hausarzt- und Facharztbesuch zur Abklärung ist wichtig, es könnten auch andere Krankheiten hinter der Vergesslichkeit stecken. Fehlt Betroffenen die Krankheitseinsicht, könnten Angehörige das Thema zunächst auch allein beim Hausarzt ansprechen. Alzheimer-Kranke sind sehr sensibel. „Man sollte sie nicht mit ihren Defiziten konfrontieren, ihnen Vorwürfe machen“, so Hauser. Aber man könne ihnen sagen, dass man sich Sorgen mache wegen der zunehmenden Vergesslichkeit. Bei einem Routinearztbesuch könne das thematisiert werden.

Wie lange kann es zu Hause gut gehen?

Auch mit Demenz kann man noch lange zu Hause leben, sogar alleine. Man kann Herdsicherungen anschaffen, die Wohnung von Stolperfallen befreien, einen Notrufknopf und ein Ortungssystem besorgen, falls jemand sich verirrt. Auch gibt es Fußmatten mit Alarmfunktion. Nachbarn können in die Betreuung einbezogen werden. Sabine Fels: „Die sehen jeden Morgen, die Rollos gehen hoch, da ist alles okay.“ Regelmäßige Anrufe von Angehörigen – gern täglich – wären auch gut.

Schaffen es die Angehörigen?

Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, wie lange ein Demenzkranker daheim betreut werden kann. Bei der schweren Frontotemporalen Demenz seien selbst Jüngere oft schon nach drei Jahren im Heim, bei „normaler“ Altersdemenz könne es vielleicht sogar bis zu 20 Jahre dauern. Sabine Fels sagt: „Die erste Diagnose ist ein Schock, sie heißt aber nicht, dass man mit erkranktem Partner nicht noch viele gute Jahre in Gemeinsamkeit vor sich haben kann.“ Die Betreuung eines Demenzkranken schaffe man auf Dauer nicht alleine, man brauche Unterstützung sowie ein soziales und professionelles Netzwerk der Hilfe. Oft ist Schluss, wenn der betreuende Partner selbst krank wird.

Was gibt es für Unterstützung?

Landesweit gibt es Betreuungsgruppen, in der die Betroffenen ein paar Stunden pro Woche mit Aktivitäten verbringen – abgeholt von einem Fahrdienst, betreut von einer Fachkraft und Ehrenamtlichen. Auch existieren häusliche Betreuungsdienste, die bei Hochbetagten oder Gehbehinderten ins Haus kommen. Die Alzheimer-Gesellschaft in Stuttgart hat ein Beratungstelefon (07 11 / 24 84 96 63), das über Unterstützungen informiert. Aber was machen Angehörige mit der so knappen Freizeit, wenn sie mal nicht aufpassen müssen? „Viele ruhen sich einfach nur aus“, sagt Ute Hauser. Andere gehen mal zum Friseur. Auch die Pflegekassen bieten übrigens eine Pflegeberatung an. Sie zahlen monatlich bis zu 125 Euro als Entlastungsbetrag für Unterstützungsangebote im Alltag. Die Alzheimer-Gesellschaft bietet Angehörigenschulungen und -gesprächskreise an.

Welche Verhaltenstipps gibt es?

Die Wahrnehmung des Kranken ist verändert, er kann sich nicht anpassen, seine Umgebung muss sich ihm anpassen. Man muss seine Wortmeldungen akzeptieren, mit ihm zu streiten oder ihn zu belehren ist sinnlos. Häufig sind die Erkrankten unruhig, so die Expertinnen. Unruhe überträgt sich auch von außen, etwa während der Belastungen der Coronapandemie. „Der Mensch ist nicht aggressiv, aber er reagiert manchmal aggressiv“, so Sabine Fels. „Führen Sie Gespräche auf Augenhöhe, seien Sie freundlich, lassen Sie Zeit für Antworten.“ Einfache, kurze Sätze seien gut, Fragen nach dem Warum, Wann und Wo an den Kranken führen nicht weiter. „Zeigen Sie Anerkennung, weisen Sie nicht auf Fehler hin.“

Wann muss man ins Heim?

Früh einen Kontakt zu einem Heim aufzubauen ist hilfreich. Wenn man es „in absehbarer Zeit“ nicht mehr schafft, sollte eine Anmeldung erfolgen, also sechs bis zwölf Monaten vorher. Manche Heime bieten Mittagstische, da kann vorab ein Kennenlernen stattfinden. Bei den Pflegekassen kann ein Pflegegrad beantragt werden, dann gibt es Sachleistungen sowie Pflegegeld.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Demenz Alter