Philipp Förster vom VfB Stuttgart Wie der Dauerläufer das Toreschießen entdeckt hat

Philipp Förster (li.) erzielte in Wolfsburg sein zweites Tor nacheinander. Foto: dpa/Swen Pförtner

Philipp Förster lief beim VfB Stuttgart lange Zeit meist nur mit. Inzwischen gilt der 26-Jährige als wichtige Stütze. Weil er neben der Kärrnerarbeit im Mittelfeld neue Qualitäten im Angriffsspiel entwickelt.

Stuttgart - Es ist ja nicht so, dass Philipp Förster immer eine einfache Zeit in Stuttgart hatte. Das fängt schon mit dem Namen an. Ein Förster in Stuttgart – das verpflichtet. Noch heute wird der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart in TV-Interviews auf seine berühmen Namensvetter Bernd und Karlheinz angesprochen. Der 26-Jährige hat sich, wie jüngst nach dem 2:0-Sieg in Wolfsburg, die Standardantwort zurechtgelegt: Man kenne sich. Mehr aber auch nicht.

 

Abgesehen vom schweren Förster-Erbe lief es für den 2019 aus Sandhausen nach Stuttgart gewechselten Mittelfeldspieler auch lange Zeit eher so lala. Bei den Fans stand Förster oft in der Kritik, mitunter wurde er nach Niederlagen zum Sündenbock abgestempelt. Weil Förster die Gabe hat, sein meist solides und unauffälliges Spiel durch eine einzige Aktion zunichtezumachen. Durch ein offensichtlich falsches Abspiel etwa. Oder den falschen Laufweg. Der Förster wieder, wird dann auf Tribünen und in Fanforen gemault.

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Der frühere Sandhausener, der schon in der Jugend das VfB-Trikot trug, wurde als ineffektiver Dauerläufer abgestempelt. Als Spieler mit Zweitligaformat. Doch der 26-Jährige hat gelernt, damit umzugehen. Und die oftmals überzogene Kritik in die richtigen Bahnen zu lenken. Denn seit Wochen überzeugt der gebürtige Brettener auf dem Platz nicht mehr nur durch Laufleistung. Sondern auch spielerisch. Und durch Torgefahr. Wie zuletzt gegen Hertha BSC (2:2) und in Wolfsburg. In beiden Spielen gelang ihm ein Treffer. Auch wenn Förster in Wolfsburg mal wieder einen typischen Förster-Moment hatte und nach einem langen Solo auf Omar Marmoush abspielte, statt selbst abzuschließen. Seine Erklärung: „Ich habe den hinter mir laufenden Gegenspieler nicht gesehen.“ Dennoch war der Linksfuß einer der Besten. So sah es auch Trainer Pellegrino Matarazzo. „Philipp hat zuletzt richtig gute Spiele gemacht. Ich freue mich sehr für ihn.“

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Schon immer habe der 26-Jährige gezeigt, dass er Tore schießen kann, ergänzte Matarazzo. „Allerdings im Training.“ Nun klappt es auch endlich in der Bundesliga. Gegen den VfL Wolfsburg war er neben seinem Treffer zum 2:0 an den meisten Torschüssen seines Teams beteiligt. In dieser Saison gehört Förster nach Daten des Instituts für Spielanalyse sogar zu den VfB-Spielern mit den meisten Torschussbeteiligungen.

Laut Matarazzo ein Ergebnis der Trainingsarbeit der vergangenen Monate. „Wir haben gezielt an seinen Themen gearbeitet. Dazu zählen bei Philipp der Abschluss und die Entscheidungsfindung. Er ist da auf einem guten Weg.“

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Natürlich fehlt dem variabel einsetzbaren Mittelfeldspieler noch viel zum großen Torjäger. Das weiß er selbst. Seine Kernkompetenz liegt auch nach wie vor woanders. Försters Spiel entfaltet sich über die Physis. Im Spiel gegen den Ball ist Förster als Anläufer für das Matarazzo-Team unersetzlich. Das gilt in einer Partie wie gegen den FC Bayern München (18.30 Uhr) umso mehr. Förster wird gegen das spielstarke Starensemble viele Lücken schließen, Bälle erobern und verloren gegangene Bälle zurückerkämpfen müssen.

Matarazzo sieht in Förster einen Führungsspieler

„Er hat ein gutes Gespür im Pressingverhalten, eine gute Intensität. Er kann seine Mitspieler anstecken“, lobt Matarazzo Förster für seine Rolle als Arbeitsbiene im Mittelfeld. Darüber hinaus weist er in dieser Saison mit über 89 Prozent die beste Passquote aller VfB-Profis auf. Weshalb der Trainer sogar so weit geht: „Philipp kann und wird ein Führungsspieler für uns sein.“

Dazu zähle auch, seine Mitspieler noch besser zu steuern. Oder „im Griff zu haben“, wie Matarazzo in Bezug auf Stürmer Omar Marmoush sagt. Die Laufwege des Ägypters sind nicht immer für alle ergründlich. Zumindest eine Teilschuld an Försters unvollendetem Sololauf von Wolfsburg war auch Marmoush anzulasten.

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Im Interview nach dem Spiel erkannte Förster, besser selbst abgeschlossen zu haben. Und redete sich anschließend beinahe um Kopf und Kragen, als er erst den Gegner Wolfsburg wenig feinfühlig abkanzelte („Sie waren überhaupt nicht anwesend, haben kaum Gegenwehr gezeigt“) und dann auch noch Mitspieler Marmoush für seinen Elfer-Fehlschuss in die Schranken wies („Zeugt von wenig Respekt“).

Für einen angehenden Führungsspieler war die Wortwahl vielleicht nicht ganz geschickt. Dass Förster die richtigen Lehren aus Fehlschüssen ziehen kann, hat er aber zumindest auf dem Platz bewiesen.

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