Photovoltaik im Rems-Murr-Kreis Sauberer Strom von der Mülldeponie
Der Kreis will auf allen seinen vier ehemaligen Hausmülldeponien Freiflächen-Photovoltaik realisieren. Am weitesten ist man damit in Kaisersbach.
Der Kreis will auf allen seinen vier ehemaligen Hausmülldeponien Freiflächen-Photovoltaik realisieren. Am weitesten ist man damit in Kaisersbach.
Die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWRM) spielt für das Erreichen der Klimaziele des Kreises eine wichtige Rolle. Neben der energetischen Nutzung des Grünguts in der Biovergärungsanlage Backnang-Neuschöntal und der Verwertung des in den stillgelegten Hausmüllanlagen nach wie vor entstehenden Deponiegases soll sich die AWRM auch in der solaren Stromerzeugung engagieren. Möglichkeiten der Freiflächen-Photovoltaik sollen auf allen vier Deponien genutzt werden. „Überall, wo wir es realisieren können, wollen wir es auch machen“, sagt der Landrat Richard Sigel.
Am weitesten ist man auf der vor zwölf Jahren stillgelegten Deponie Lichte in Kaisersbach. Dort ist bereits eine entsprechende Anlage in Betrieb. Diese soll nun auf eine Leistung von rund 1500 Kilowattstunden erweitert und damit mehr als verdoppelt werden. Damit könnte nicht nur der jährliche Strombedarf von etwa 500 Haushalten gedeckt werden, die alternative Energiegewinnung würde im gleichen Zeitraum auch etwa 1100 Tonnen CO2 einsparen.
Die Investition in die Anlage ist in der jüngsten Sitzung des AWRM-Aufsichtsrats gutgeheißen worden, wenngleich ein wenig Kritik an der vergleichsweise geringen Rendite aufkam. Der technische Vorstand Lutz Bühle hatte den Räten verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Vergütungen der zu erwartenden Stromeinspeisung vorgelegt. Doch Bühle beruhigte: Man habe bewusst konservativ gerechnet. Aber selbst bei der Kalkulationsvariante, welche die schlechteste Stromeinspeisungsvergütung zugrunde legt, würden sich die Gesamtkosten von rund 1,75 Millionen Euro immer noch in 30 Jahren amortisieren. Weil aber wegen des zunehmenden Strombedarfs durch den Ausbau der Elektromobilität und der Wärmepumpentechnik von einer steigenden Nachfrage auszugehen sei, könne man durchaus auch höhere Erlöse erwarten, so Bühle. „Wahrscheinlich ist also eine frühere Amortisierung.“
Dem Kreis gehe es überdies in erster Linie darum, seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ergänzte der Landrat Richard Sigel. Zudem habe man mit den Standort-Kommunen vereinbart, dass für die Flächen keine große Pacht bezahlt werden müsse.
Die Vergabe an den günstigsten der insgesamt drei Bieter soll noch in diesem Monat erfolgen. Die AWRM hofft, im Frühjahr mit dem Bau beginnen und die Anlage dann im Laufe des Jahres in Betrieb nehmen zu können. Die Themen Arten- und Landschaftsschutz seien mit dem Regierungspräsidium Stuttgart bereits abgehandelt, sagt Lutz Bühle, mit den örtlichen Bauämtern seien die Genehmigungsvoraussetzungen ebenfalls durchgesprochen.
Auch für das Deponiegelände in Schorndorf sei man bereits im Gespräch mit den Behörden, sodass man demnächst die Bauplanung in Angriff nehmen könne. In Winnenden und in Backnang-Steinbach sei man hingegen noch in der Konzeptionsphase.
Insgesamt hält Bühle die Flächen auf den Deponien geradezu für prädestiniert für Freiflächen-Photovoltaik, weil keine wertvollen Ackerflächen geopfert werden müssten und die Gelände bereits erschlossen seien. Landrat Sigel hingegen verhehlt nicht, dass es auch anderer intensiver Gespräche bedurfte. Eigentlich hätten die freien Flächen auf den stillgelegten Deponien wieder mühselig aufgeforstet werden sollen.