Photovoltaik in Wernau Was sich nicht rechnet, lohnt sich doch
Auf der Wernauer Realschule wird eine Fotovoltaikanlage installiert, obwohl diese in den nächsten Jahren keinen Gewinn einbringen wird.
Auf der Wernauer Realschule wird eine Fotovoltaikanlage installiert, obwohl diese in den nächsten Jahren keinen Gewinn einbringen wird.
Wernau - Die Sanierungsarbeiten am Dach der Wernauer Realschule sind weitgehend abgeschlossen. Die Dämmung ist eingebaut, die Abdichtung aufgetragen. Doch das Gerüst steht nach wie vor. Der Grund: Eine mögliche Begrünung des Daches fehlt noch, oder aber eine Fotovoltaikanlage – beziehungsweise beides. Nun hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend einstimmig beschlossen, auf dem Flachdach-Gebäude zunächst eine PV-Anlage mit einer Höchstleistung von 65 Kilowatt zu installieren, ehe die Fläche drum herum bepflanzt werden kann.
Das durchaus Erstaunliche an der Entscheidung: Das Gewinnen der Solarenergie wirft in diesem Fall – zumindest rein wirtschaftlich gesehen – frühestens nach 17 Jahren Gewinn ab. Eine Amortisationszeit, die Kommunalpolitiker in aller Regel abschreckt und nicht gerade dazu motiviert, einem solchen Projekt zuzustimmen. Andererseits hat der Wernauer Gemeinderat vor Jahresfrist beschlossen, dass die Möglichkeit zur Installation solcher PV-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden stets untersucht werden soll.
Kurz gesagt: Das Turnhallendach ist nicht nur geeignet, die entsprechende Last zu tragen, sondern bietet sich auch von der Größe und der Lage her für eine Nutzung der Sonnenkraft an, um gleichmäßige Erträge zu erzielen. Dies hat zumindest eine Untersuchung der Energieagentur des Landkreises Göppingen ergeben. Diese war ins Boot geholt worden, weil sich die neue Esslinger Kreis-Klimaagentur noch im Aufbau befindet und so lange mit der Nachbarbehörde kooperiert. Die Göppinger haben auch schon mal geschätzt, was die Anlage kosten könnte: rund 71 000 Euro ohne, beziehungsweise 82 000 Euro mit Batteriespeicher.
Hört sich vertretbar und mithin rentabel an, ist aber im speziellen Fall anders, weil das bereits vorhandene Blockheizkraftwerk zusammen mit der ebenfalls schon vorhandenen, etwas kleineren PV-Anlage auf dem Fachklassentrakt die Schule mit ausreichend Strom versorgt. Was die künftige Anlage produziert, müsste also gespeichert oder ins Netz eingespeist werden, wobei eine Speicherung natürlich nur Sinn macht, wenn auch ein entsprechender Eigenbedarf in der Nähe besteht. Da dieser „Selbstverbraucher“ nicht vorhanden ist, bleibt das Einspeisen ins öffentliche Netz, was zurzeit mit sieben Cent pro Kilowattstunde vergütet wird.
Aus den gesammelten Zahlen hat die Energieagentur des Landkreises Göppingen eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt, nach der die angedachte PV-Anlage in der Stadtkasse von Wernau über etliche Jahre hinweg und unter dem Strich mit einem Minus von knapp 500 Euro pro Jahr zu Buche schlagen würde. Wernaus Bürgermeister Armin Elbl erklärte, dass die Verwaltung dennoch eine Anschaffung empfehle, allerdings ohne Batteriespeicher, der gegebenenfalls nachgerüstet werden könne. Alfred Freistädter, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, machte deutlich, was – wie sich in den übrigen Redebeiträgen und später bei der Abstimmung zeigen sollte – seine Ratskollegen offenkundig teilen: „Die Verluste sind überschaubar. Und wir wissen doch eh alle, dass der Klimawandel nicht zum Nulltarif zu haben ist.“
So gab es, nachdem etliche weitere Fragen abgeklärt werden konnten letztlich ein einhelliges Ja des Gremiums, verbunden mit der Zusage von Stadtbaumeister Patrick Klein, dass man mit der Aufständerung für die PV-Anlage noch in diesem Jahr beginnen wolle, während parallel dazu die detaillierten Angebote für die Module und das übrige technische Equipment eingeholt würden.
Da die Ständer vor der Dachbegrünung installiert werden müssen, ist im laufenden städtischen Haushalt ein Nachtrag in Höhe von rund 10 000 Euro erforderlich. Die restlichen gut 60 000 Euro sollen dann in den Haushalt 2022 regulär eingestellt werden. Im Laufe des nächsten Jahres wäre die Sanierung des Turnhallendachs also abgeschlossen – und das Gerüst könnte verschwinden.