Photovoltaikpark in Weinstadt Die Schönbühl-Häuser dürfen fallen
Die ersten Weichen für den geplanten Bau eines Photovoltaikparks in Weinstadt sind gestellt. Der Förderverein Schönbühl bedauert und befürwortet die Entwicklung zugleich.
Die ersten Weichen für den geplanten Bau eines Photovoltaikparks in Weinstadt sind gestellt. Der Förderverein Schönbühl bedauert und befürwortet die Entwicklung zugleich.
Über die künftige Entwicklung des ehemaligen Jugendheimgeländes sagt Thomas Meier, der Betriebsleiter der Stadtwerke Weinstadt: „Wir wollen den Schönbühl voranbringen – durch dessen Rückbau, aber auch durch das Errichten eines Photovoltaikparks – und ihn für weitere Projekte in Weinstadt nutzen.“ Schon so einiges sollte auf den oberhalb des Weinstädter Ortsteils Beutelsbach gelegenen gut 40 Hektar, zu denen auch 30 Hektar landwirtschaftliche Flächen gehören, seit der Schließung des Heims 2002 entstehen.
Insbesondere der vormalige Eigentümer Thomas Barth, der das Gelände 2014 seinerseits vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) erworben hatte, verfolgte verschiedenste Pläne von einer grünen Modellsiedlung mit 40 sogenannten Plusenergiehäusern, die mehr Energie produzieren, als sie selbst verbrauchen, bis hin zu einem Projekt für Autisten. Doch realisieren konnte er seine hochtrabenden Pläne nie. Nach jahrelangem Gezänk mit der Stadt Weinstadt, der er einst wegen eines Fristversäumnisses des früheren Oberbürgermeisters Jürgen Oswald den Schebbes, wie der Schönbühl landläufig genannt wird, vor der Nase wegkaufte, veräußerte Barth ihn schließlich im Frühjahr an deren Eigenbetrieb.
Für das Vorhaben der Stadtwerke, einen PV-Park mit 737 Anlagen mit einer installierten Leistung von 7038 Kilowatt-Peak zu bauen, hat jetzt der örtliche Gemeinderat die Weichen gestellt. Zum einen stimmte das Ortsparlament der Gründung einer Projektgesellschaft zu. Der dem Gremium vorgelegte Gesellschaftervertrag lasse es zu, dass Bürger sich an der Stadtwerke Weinstadt Projektentwicklung, so der Name der neuen Gesellschaft, beteiligen könnten, erklärt Thomas Meier dazu. Zudem sei auch eine Komplementärgesellschaft für eine KG möglich. Die Stadtwerke Weinstadt Projektentwicklung diene somit der Vorbereitung für alle Entwicklungen, die man in „der strategischen Pipeline“ habe. Nach der Prüfung durch die Rechtsaufsichtsbehörde werde die Gesellschaft dann voraussichtlich im September handlungsfähig sein, „sodass wir die nächsten Schritte gehen können“, kündigt Thomas Meier an.
Für einen der nächsten Schritte hat der Gemeinderat den Weg bereits frei gemacht. Einstimmig hob das Gremium die selbst verhängte Veränderungssperre auf. Geplant ist nun, die ehemaligen Jugendheimgebäude in zwei Bauabschnitten abzureißen, damit an ihrer Stelle der Photovoltaikpark errichtet werden kann.
Rainer Cisch vom Förderverein Schönbühl stimmt der Beschluss traurig, da dieser nun wohl das endgültige Ende der Jugendheimgebäude einläutet und damit auch der Pläne seines Vereins. Hervorgegangen aus einer Bürgerinitiative hat dieser sich im Jahr 2005 gegründet. „Unser Ziel war es, den Schönbühl wieder einem sozialen Zweck zuzuführen“, sagt Rainer Cisch rückblickend. Für den KVJS sei man indes angesichts der zu Beginn im Raum stehenden zweistelligen Millionenbeträge als Kaufpreis für den Schönbühl nie ein adäquater Ansprechpartner gewesen. Nur als Zaungast konnte der Verein die Verkaufsverhandlungen und das spätere Hin und Her zwischen der Stadt und Barth beobachten.
„Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir wären gerne auf den Schönbühl gezogen“, sagt Rainer Cisch. Insofern sei man nun schon deprimiert wegen des bevorstehenden Abrisses der Gebäude, erachte aber zugleich den Bau des Photovoltaikparks als Teil der Energiewende als „zwingend notwendig“ und befürworte ihn inhaltlich.
Dennoch bleibe Wehmut angesichts der Möglichkeiten, die das Jugendheimgelände mit seinen landwirtschaftlichen Flächen rundherum der Clemens-Schule geboten hätte. Untätig ist man nämlich keineswegs geblieben. Den Vereinszweck, „die Erziehung, die Bildung und Lebenshilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf der Basis biblischer Grundsätze“ zu fördern, habe man auf anderen Wegen – sprich: an alternativen Standorten – verwirklicht, berichtet Rainer Cisch. So sei man vor 16 Jahren zunächst mit der Gründung einer Grundschule in der Beutelsbacher Heinkelstraße gestartet, um expandieren zu können, dann aber nach Endersbach in die Ziegeleistraße umgezogen. Inzwischen umfasse die christliche Privatschule, als deren Förderverein man sich verstehe, auch eine Realschule sowie einen Hort und eine Kita und werde täglich von 250 Kindern und Jugendlichen besucht.
Zwar biete der aktuelle Standort in Bahnhofsnähe infrastrukturell Vorteile. „Aber wir sind mit den Gebäuden momentan an der Grenze.“ Für eine Zweizügigkeit aller zehn Stufen brauche man mehr Klassenzimmer. Nach wie vor ist der Blick des Vereins daher sehnsüchtig auf den Schönbühl gerichtet. „Dort hätten wir vieles machen können“, sagt Cisch und denkt dabei etwa an schuleigene Sportanlagen, einen Jugendbauernhof und die Durchführung von Projektwochen mit Zeltlagern.